Ludwigshafen „Wir essen den Regenwald weg“
Nein, dafür habe ich Fleisch und Wurst viel zu gern. War das schon als Kind so? Ich bin in Idar-Oberstein geboren, wir hatten Gemüse, dazu Hühner. Ein Großteil der Ernährung kam aus dem eigenen Garten. Wobei die Hühner erst gegessen wurden, wenn sie keine Eier mehr gelegt haben. Das war immer eine zähe Angelegenheit (lacht). Ganz früher hatten wir noch ein Schwein und eine Ziege und eine Kuh, mein Bruder hat das noch erlebt, ich nicht mehr. Ab und zu haben wir auch Fleisch zugekauft. Wird heute mehr Fleisch gegessen? Ja, aber nicht überall. Nur in den wohlhabenden Ländern hat der Fleischkonsum ungeheuer zugenommen. Das ist ein wichtiger Aspekt. Fleischlose beziehungsweise fleischarme Ernährung ist eine Frage von Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd. Inwiefern? Wir essen den Menschen den Regenwald weg. Das meiste Fleisch, das gegessen wird, stammt aus Massentierhaltung, deshalb ist es ja so billig. Das Futter dazu wird zum Großteil durch den Sojaanbau in Südamerika produziert. Warum? Die Tiere sollen schnell an Gewicht gewinnen. das gelingt durch eiweißreiches Kraftfutter. Was ist problematisch am Sojaanbau? Zum einen schadet er dem Klima. Es wird Wald abgeholzt, auch durch Brandrodung. Dabei entsteht CO2, und durch die fehlenden Bäume wird künftig weniger CO2 gebunden. Bei der Produktion und dem Transport des Kraftfutters entsteht dann noch einmal CO2. Pro Kilogramm Rindfleisch wird so rund 13 Kilogramm CO2 frei. Dazu kommt, das für den Anbau von Soja vermehrt Stickstoffdünger verbraucht wird sowie Wasser. Und der Platz geht für den Anbau anderer Produkte verloren, zum Beispiel Getreide. Für ein Kilogramm Fleisch wird zwölf Kilogramm Sojaschrot verbraucht. Und dann machen billige Hühnerabfälle wie Innereien oder Hälse, die hier nicht gegessen werden, in Afrika die Märkte kaputt. Der Hühnerzüchter bleibt auf seinen Hühnern sitzen. Heißt das umgekehrt, je weniger Fleisch hier gegessen wird, desto mehr Menschen könnten satt werden weltweit? Ja. Es geht ja nicht darum, gar keins mehr zu essen, dafür bewusster. Biofleisch kommt nicht aus Massentierhaltung, enthält keine Antibiotika und die Tiere werden nicht mit dem Kraftfutter gefüttert, die Ökobilanz ist besser. Würde es dann also reichen, Biofleisch zu essen bei gleichem Fleischkonsum? Dann wäre doch den Tieren und dem Klima geholfen. Wenn alle Menschen weltweit täglich Biofleisch essen würden, würde die Weidefläche dafür gar nicht ausreichen. Und es können sich nicht alle leisten. Ist das dann nicht wieder ungerecht an anderer Stelle? Es kommt auf die Menge an. Wenn man unter der Woche kein Fleisch ist und nur am Wochenende, geht es schon. Zu viel Fleisch zu essen, ist ja auch gar nicht gesund. Die Uno hat das Jahr 2016 zum Jahr der Hülsenfrüchte erklärt, um Alternativen bei der Ernährung aufzuzeigen. Hülsenfrüchte sind ein wichtiger Ersatz für Eiweiß, wenn man sich komplett fleischlos ernährt, sind aber auch sonst gesund. Sie wirken Adipositas entgegen, beugen Diabetes und Krebs vor. Außerdem reichern sie als Schmetterlingsblütler die Erde mithilfe von Knöllchenbakterien mit Stickstoff an, verbessern also noch den Boden. Und man benötigt weniger Dünger. Es gibt sogar eine Eiweißpflanzenstrategie der Bundesregierung aus dem Jahr 2011. Offenbar gibt es viele Initiativen, global gesehen und auf Bundesebene. Merken Sie bei Ihrer Arbeit, dass etwas ankommt bei den Leuten? Ja. Junge Leute setzen sich vermehrt damit auseinander. Trotzdem stoßen wir von der BUND-Kreisgruppe Ludwigshafen immer wieder auf überraschte Gesichter, wenn wir über Massentierhaltung beim Welttierschutztag oder die Folgen für den Regenwald bei der klimafreundlichen Woche in Ludwigshafen informieren. Wir haben ein Quiz zum Thema Ernährung gemacht. Darüber kommt man gut an die Leute ran, das betrifft alle. Nicht nur vegetarische Ernährung, sogar vegane Ernährung ist ja inzwischen ein Thema. Wie stehen Sie dazu? Ich bin da vorsichtig, habe das Gefühl, dass bei veganer Ernährung viele Produkte stark verarbeitet sind, extra für diesen Markt produziert werden, etwa Mandelmilch. Für eine gute Ökobilanz sind frische und regionale Produkte am besten. Weniger Fleisch mag ja für manche Leute noch gehen. Hülsenfrüchten sagt man aber doch blähende Wirkung nach, oder? Der Körper gewöhnt sich daran. Und dann kommt es auch auf die Zubereitung an. Das Wasser sollte nach dem Quellen weggeschüttet und die Hülsenfrüchte sollten anschließend abgewaschen werden. Gewürze wie Salbei, Curry, Ingwer, Chili, Rosmarin und Thymian unterstützen außerdem die Verdauung. Wer an Gicht leidet, sollte aber wirklich weniger Hülsenfrüchte essen, da sich Purin im Körper anlagert. (Foto: Riesterer)