Ludwigshafen „Wir ersaufen gerade im Laub“
Fünf Mann stark ist die Truppe, die an diesem Dienstagnachmittag im Hemshof dem Laub den Kampf angesagt hat. Die Platenstraße ist „einer der Brennpunkte“, sagt WBL-Teamleiter Andreas Hertelein. Blick nach links: Laub. Blick nach rechts: Laub. Die Platanen und Buchen am Straßenrand sind kahl. Das Müllfahrzeug fährt vor. Über einen riesigen Schlauch können 2,2 Tonnen Laub eingesaugt werden. Vier Arbeiter kehren die Blätter mit Besen zu großen Haufen zusammen. Der fünfte Mann bedient den Saugrüssel. Die Turbine heult auf. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Das Laub verschwindet in Windeseile im orangefarbenen Müllfahrzeug. Meter für Meter wird die Straße an der Kopernikus Realschule plus gereinigt. Für 20 Meter braucht der Trupp 25 Minuten. Ein Knochenjob. Die Männer mit den Besen fegen, was das Zeug hält. „Das geht in die Arme“, sagt Hertelein. Es ist der zweite Einsatz an diesem Tag. Am Morgen war der Trupp auf dem Goerdelerplatz unterwegs. Die Stadtreinigung hat nur ein großes Spezialfahrzeug, das die Blätter direkt aufsaugen kann. Andernorts wird das Laub mit Rechen und per Radlader in Grünschnittcontainer verfrachtet und dann abtransportiert. 150 WBL-Mitarbeiter sind im Einsatz, um die Blätterberge abzutragen. Das gesammelte Laub landet größtenteils in der Biokompostanlage der Firma Zeller in Mutterstadt. Verunreinigtes Laub, beispielsweise aus Straßenrinnen, wird im Müllheizkraftwerk in der Industriestraße in West verbrannt. Die Blättern helfen so, Wärme und Strom zu erzeugen. In den vergangenen Nächten regneten die Blätter massenweise von Bäumen, berichtet Hertelein. Ab einer bestimmten Temperatur werfen die Bäume sie ab. Dabei gilt: Je kälter es ist, desto mehr Laub fällt gen Boden. Von Platanen falle am meisten ab. Aber auch Buchen sorgen für viel Arbeit, sagt der Teamleiter, der seit 1996 beim WBL ist. Er hat fast 20 Jahre Erfahrung im Kampf gegen die Laubmassen in Ludwigshafen. Da in relativ kurzer Zeit besonders viel Laub herunterkommt, drängt sich an einigen Stellen in der Stadt der Eindruck auf, dass die Straßenreinigungstrupps nicht hinterher kommen. „Das Verständnis der Bürger fehlt oft. Überall kann die Stadtreinigung nicht sein. Die Bürger müssen das Laub auch selbst entsorgen,“ sagt Hertelein. Er nimmt gewissermaßen kein Blatt vor den Mund. Dabei schickt der WBL auf die Straßen, was er hat. Ein großes und zwei kleine Laubsammelfahrzeuge sind ständig unterwegs. Doch Handarbeit ist weiterhin unerlässlich und dauert. Bei trockenem Laub erhöht sich der Aufwand nochmals. Grund dafür ist das deutlich größere Volumen im Vergleich zum nassen Laub. Die Sammelfahrzeuge sind schneller voll. Erschwert wird den WBL-Mitarbeitern die Arbeit auch durch manche Anwohner. „Blätter dürfen nicht auf die Straßen gekehrt werden,“ sagt Hertelein. Nicht nur die Stadt muss ihrer Straßenreinigungspflicht nachkommen. Hauseigentümer müssen die Gehwege vor ihren Haustüren sauber halten. Ansonsten droht bei durch glitschiges Laub verursachten Unfällen eine Schadenersatzklage. Beim Laub ist es im Prinzip so wie beim Schnee. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass Schnee irgendwann schmilzt und verschwindet. Die Blätter bleiben liegen. Die Biotonnen von Ein- oder Zweifamilienhäusern können die Laubmassen von Bürgersteigen oder aus Gärten nicht fassen. Daher müssen die Bürger die Blätter in Säcke packen und dann in einem der Wertstoffhöfe entsorgen. Oft werden die Säcke aber an den Straßenrand gelegt, wo sie die Reinigungstrupps dann mitnehmen. „Wir machen das aus Kulanz,“ sagt Hertelein In der Platenstraße im Hemshof geht’s mittlerweile in den Endspurt. Die Arbeiter haben die Besen umgekehrt, so dass die Borsten noch oben ragen. „Damit kehrt es sich durch das Laub leichter“, erläutert Hertelein. Nieselregen setzt ein. Etwa eine Stunde dauert es, bis die Blätter hier verschwunden sind. „Wir ersaufen gerade im Laub“, sagt Hertelein. Als Teamleiter plant er die Einsätze der Reinigungstrupps. Gereinigt wird zunächst dort, wo am meisten Laub heruntergekommen ist. Nicht nur die Straßen müssen von den Millionen von Blättern befreit werden – auch die Friedhöfe und Parks in der Stadt fallen in den Zuständigkeitsbereich des WBL. Von den rund 65.000 Bäumen in Ludwigshafen sind etwa 25.000 Straßenbäume. Jährlich müssen zirka 1000 Tonnen Laub entsorgt werden. Damit ließe sich das große Müllfahrzeug mit dem Riesenrüssel 455 Mal füllen. Viel Arbeit für die WBL-Teams in den kommenden Wochen.