Ludwigshafen „Wir bringen zwei Welten zueinander“

Die Kinder sollen spielerisch einen Einblick in die Vereinswelt bekommen.
Die Kinder sollen spielerisch einen Einblick in die Vereinswelt bekommen.

Spielende Kinder in einer Schulturnhalle? Das ist nichts Besonderes. Beim Projekt „Sports-Freunde“ geht es aber genau darum. Das ersten Projekt-Camp ist jetzt in der Oggersheimer Langgewannschule gestartet. Rund 20 Kinder im Grundschulalter schnuppern dabei in den Handballsport. Mädchen und Jungen, die aufgrund ihrer religiösen, kulturellen oder sozialen Herkunft schwer den Weg in Vereine finden.

Als Kooperation zwischen der Spielwohnung Oggersheim, dem Ludwigshafener Verein für Jugendhilfe und der TSG Friesenheim hatte sich das Projekt „Sports-Freunde“ beim BASF-Wettbewerb „Gemeinsam Neues schaffen“ durchgesetzt. Das Projekt bekam nicht nur einen Anteil aus dem Fördertopf mit 200.000 Euro; insgesamt wurden damit 20 Projekte unterstützt. Es gab zudem Schulungen in Workshops, und das Projekt wird vom Lehrstuhl Corporate Social Responsibility („Soziale Verantwortung von Unternehmen“) an der Universität Mannheim wissenschaftlich begleitet. Die Auswertung stehe aber noch ganz am Anfang, wie eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Mannheim verriet: „Wir waren bis jetzt erst bei einem Auftakt dabei.“ Für die Kinder standen weder die wissenschaftliche Aufarbeitung noch die Finanzierung im Vordergrund. Aris, Jonas, Lanta, Chelsea und anderen ging es um den Spaß an der Bewegung, ums Spiel mit dem Ball. Und davon gab es jede Menge in der Turnhalle. Olaf Steffens als Einrichtungsleiter der Spielwohnung Oggersheim und Oliver Fischer vom Jugendhilfeverein sind schließlich lizenzierte Übungsleiter der Heidelberger Ballschule. Adriano Distl von der TSG Friesenheim ist hingegen der Handballspezialist der Truppe, steht als Torhüter im Oberliga-Kader der TSG Friesenheim. „Er macht die handballspezifischen Übungen mit den Kindern“, erklärte Kerstin Kripp. Dabei bildete der Nachwuchstorhüter nur die Vorhut. „Zum Abschluss am Freitag wird der ein oder andere Spieler aus unserer Bundesligamannschaft vorbeischauen“, kündigte Martin Fabian aus der Handball-Abteilungsleitung der TSG und Koordinator der „Sports-Freunde“ an. Dabei geht es auch für die TSG generell darum, Jugendliche für Sport zu begeistern, die normalerweise nicht so sehr mit Vereinssport in Kontakt kommen. „Und natürlich hoffen wir darauf, dass der ein oder andere dabei ist, der den Ball lieber in eine Hand nimmt, anstatt ihn zu kicken“, meinte Fabian lächelnd. Beim Projektauftakt war davon aber noch nichts zu sehen. Nach der Begrüßungsrunde und einem kurzen Aufwärmspiel ging es zu den jeweiligen Spiel- und Sportstationen. Grobe Strukturen hatten Steffens und Fischer dafür zwar festgelegt. Sie wussten aber auch, dass die Klientel aus Spielwohnung und Jugendhilfe zu Beginn noch nicht in feste Schemata zu pressen ist. Das wurde schon am Anfang deutlich, denn pünktlich waren um 11 Uhr nur einige Kinder, andere kamen erst eine halbe Stunde nach dem Projektbeginn in die Sporthalle. Eine Herausforderung für die Übungsleiter, die – auch das gehört zum Projekt – gleichzeitig pädagogisch geschult werden, „um sich auf die Heterogenität der unterschiedlichen sozialen Gruppen vorzubereiten“, heißt es im Konzept. „Die Kinder erhalten auf spielerische Weise einen Einblick in die Vereinswelt“, ergänzte Kripp. Und weit mehr als das, denn parallel zu den täglichen drei Ballspieleinheiten erhalten die Acht- bis Zwölfjährigen bis Freitag über ein Kooperationsangebot auch einen Einblick in die gesunde Ernährung. Wie sich sportliche Ernährung, Ehrgeiz und strukturiertes Training am Ende auszahlen, das soll eine Übungseinheit mit den Eulen-Bundesliga-Handballern zeigen. „Das alles gehört zum sozialintegrativen Projektansatz. Wir bringen zwei Welten zueinander“, erklärte Kerstin Kripp. Beate von Borcke aus dem Bereich Soziales und Sport im Gesellschaftlichen Engagement der BASF glaubt an die Wirksamkeit des „Sports-Freunde“-Konzeptes. Die Expertin überzeugte sich in der Halle davon, dass die Jury genau die richtige unter 83 eingereichten Projektideen ausgewählt hatte.

x