Ludwigshafen „Wilder Streik“ legt Busverkehr lahm

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Viele Schüler und Pendler haben gestern vergeblich auf einen Bus nach Ludwigshafen gewartet. Hintergrund ist ein „wilder Streik“ beim Busverkehr Rhein-Neckar (BRN). Über die Hälfte der Busfahrer für den Landkreis hat sich krankgemeldet. Es geht um die Neuvergabe von Buslinien und Job-Garantien fürs Personal.

Viele Eltern, deren Kinder mit dem Schulbus fahren, sind stinksauer. Die Schüler aus dem Landkreis kamen gestern nur mit erheblicher Verspätung zur Schule. Ohne eine Vorwarnung durch den BRN ist es zu Fahrtausfällen gekommen. „Meine Tochter wollte ans Carl-Bosch-Gymnasium und stand morgens 50 Minuten in der Kälte“, ärgert sich ein Vater aus Mutterstadt, der dann sein Kind mit dem Auto in die Schule gefahren hat. Kein Einzelfall. „Bei mir läuft das Telefon heiß“, sagt auch Hans Ulrich Müller, stellvertretender Vorsitzender des Schulelternbeirats des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG). Und Robert Mikolasch von der THG-Schulleitung schüttelt nur den Kopf : „Wir wissen nicht, ob Busse kommen, um unsere Schüler zu fahren.“ Hintergrund für die plötzlichen Fahrtausfälle: 26 von 49 BRN-Busfahrern für den Rhein-Pfalz-Kreis haben sich seit Freitag krankgemeldet. Es ist wohl keine Grippewelle, die unter den Fahrern grassiert. Sie haben vergangene Woche erfahren, dass ihre Jobs zu den jetzigen Konditionen nicht mehr sicher sind. Der Rhein-Pfalz-Kreis will diverse Buslinien neu vergeben. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat darauf gedrängt, dass der Kreis eine Job-Garantie für die Busfahrer abgibt. Die gab es im vergangenen Jahr. „Mitte Oktober hat es aber wieder eine Rolle rückwärts gegeben“, sagt Arnold Fischer von der Gewerkschaft EVG. Der BRN wolle sich nur noch über die Tochterfirma Rhein-Pfalz-Bus an der Ausschreibung beteiligen. Diese Firma biete den Fahrern schlechtere Konditionen an. Das Monatsgehalt liege um bis zu 200 Euro niedriger. Bisher fahren die Busfahrer unter BRN-Flagge. Laut Bernd Baginski, Nahverkehrsplaner bei der Kreisverwaltung, verdienen die Fahrer derzeit mehr als im durchschnittlichen Tarifvertrag vorgesehen. Das höhere Gehalt der Fahrer schlage sich spürbar in den Kosten für den Linienbetrieb nieder. Andererseits wisse die Kreisverwaltung, was sie an den Fahrern habe: „Sie kennen sich aus und sorgen für Zuverlässigkeit.“ Bekomme ein anderes Unternehmen den Zuschlag, sollen die bisherigen Fahrer übernommen werden – allerdings zu den Konditionen des neuen Unternehmens. „Die Fahrer bekommen immerhin künftig das, was der Tarifvertrag der Branche hergibt.“ Die Kreisverwaltung habe keine andere Wahl, sagt Baginski. Das Linienbündel ist auf zehn Jahre ausgeschrieben. Auf diesen Zeitraum gerechnet, gehe es um erhebliche Beträge. Das Vorgehen ist mit der Vergabestelle beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) abgestimmt. „Ich kann verstehen, dass die Fahrer enttäuscht und verärgert sind“, sagt Nahverkehrsplaner Baginski. Aber der Beförderungsaufgabe nicht nachzukommen, das sei eine große Nummer. Nicht nur die Busfahrer, sondern auch 15 Beschäftigte einer Wartungswerksstatt in Ludwigshafen sind nach Gewerkschaftsangaben von einer möglichen Ausgliederung betroffen. „Die Zukunft der Kollegen ist ungewiss. Sie sind sehr frustriert“, sagt EVG-Funktionär Fischer. Von einem Streik will er nicht sprechen. Denn dafür gibt es offenbar keine Handhabe. Es geht nicht um laufende Tarifverhandlungen. Sind die Fahrtausfälle eine andere Form des Protests, eine Art „Streikfieber“? „Ich möchte dazu nichts sagen. Wenn sich jemand krank meldet, dann ist er krank“, sagt Fischer. So spitzfindig sehen das Eltern nicht, deren Kinder umsonst oder lange auf den Schulbus warten müssen. Sie sprechen von einem „wilden Streik“ und fordern Informationen vom BRN ein. Der hüllte sich gestern gegenüber Presseanfragen in Schweigen und verwies auf die Pressestelle der Deutschen Bahn, die mehrere Stunden brauchte, um eine Stellungnahme abzugeben. Darin heißt es, man „arbeitet mit Hochdruck daran, die Einschränkungen für Kunden so gering wie möglich zu halten und setzt kurzfristig Mitarbeiter mit gültigen Busführerscheinen aus der Verwaltung und der Instandhaltung ein. Zusätzlich kommen Busse mit Fahrern von anderen Busunternehmen zum Einsatz“. Besonders der Transport von Schülern ist bisher von der „Krankheitswelle“ getroffen worden. Wie’s weitergeht? Eine Prognose wagt niemand der Verantwortlichen. Noch Fragen?   Auch heute muss mit Einschränkungen gerechnet werden. Betroffen sind laut Kreis die Verbindungen von Rödersheim-Gronau nach Böhl-Iggelheim, Schifferstadt, Mutterstadt und Limburgerhof sowie von Altrip nach Ludwigshafen.

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