Ludwigshafen Wiener Klassik trifft finnische Gegenwart

Die Begegnung mit dem hierzulande noch weniger bekannten Streichquartett Meta4 war fällig. Zählt doch das 2001 gegründete finnische Ensemble seit Jahren zur internationalen Kammermusik-Elite. Keineswegs zu Unrecht, wie bei der Matinee im BASF-Gesellschaftshaus in Ludwigshafen festzustellen war.
Meta4 ist längst in Europas und Nordamerikas wichtigsten Konzertsälen unterwegs und war in der finnischen Heimat der vier Musiker Quartet-in-Residence beim angesehenen Kuhmo-Festival. Das Quartett besteht aus den beiden Geigern Antti Tikkanen und Minna Pensola, dem Bratscher Atte Kilpeläinen und dem Cellisten Tomas Djupsjobäcka. Den etwas verrätselten Namen haben sie aus ihren Vornamen gebildet, was nicht mehr ganz stimmt, seit Atte Kilpeläinen die Viola-Stimme von der 2006 ausgeschiedenen Eerikka Nylund übernommen hat. Das Repertoire des Quartetts reicht von der Klassik bis zur Gegenwart. Bei Letzterer bilden mit Meta4 gemeinsam erarbeitete Kompositionen zeitgenössischer finnischer Tonsetzer einen Schwerpunkt. Zwei solche Stücke, „Play III“ von Jaakko Ilkka Kuusisto und, als Zugabe, das Finale von Timo Alakotilas „Jusslin“ standen am Anfang und Ende der Ludwigshafener Matinee. Zu hören war bei diesem Konzert Kammermusik vom Feinsten, bei Kuusisto und Alakotila sowieso und auch bei Haydns zweitem „Sonnenquartett“ (C-Dur, Hob. III: 32) und Beethovens letztem Quartett (F-Dur, op. 135). Das Zusammenspiel der vier Musiker hätte sich kaum vollendeter vorstellen lassen. In exemplarischer Klarheit wurden die Übergänge zwischen den einzelnen Instrumenten den durchbrochenen motivischen Abläufen der Wiener Klassik gerecht, so etwa in Haydns und Beethovens Kopfsätzen. Und was gezielte, mit höchster Akribie disponierte mehrstimmige Linienführung bedeutet, demonstrierte Meta4 mit zwingendem Nachdruck bei Haydns Finale, einer barockisierenden Gigue und zugleich Fuge über vier Themen. Nebenbei stilisierte das Ensemble diesen Satz zu einem höchst wirkungsvollen, rasanten Virtuosenstreich. Sehr beeindruckend wirkte andererseits der außerordentlich differenzierte Umgang des Quartetts mit Dynamik und Klangfarbe. Und äußerst eindringlich exponierte es zudem die gewichtigen rhetorisch-deklamatorischen Gesten im Capriccio, dem zweiten Satz des Haydn-Quartetts, übrigens einer überaus originellen Komposition. Nicht zu vergessen freilich die Ausdrucksintensität, mit der die vier Künstler (die beiden Geiger und der Bratschist nebenbei im Stehen) durchgehend spielten. Weit phrasierte Kantilenen von erlesener Schönheit gab es ebenfalls zu hören in dieser Matinee: vor allem in Beethovens drittem und stellenweise auch in Haydns zweitem Satz. Schließlich imponierte in den beiden finnischen Stücken, von denen besonders Kuusistos „Play III“ von der Klangfantasie her ausgesprochen apart erschien, die Gewandtheit von Meta4 im Umgang mit den unkonventionellen Spielpraktiken der zeitgenössischen Musik.