Ludwigshafen Wieder warten auf Schulbücher

Auch im fünften Jahr läuft die Schulbuchausleihe in Ludwigshafen immer noch nicht rund: Wie in den Vorjahren kritisieren Eltern, dass zum Beginn der Herbstferien in einzelnen Klassen noch Bücher fehlen, und geben der städtischen Schulverwaltung die Schuld für die Verzögerungen. Auch die SPD-Stadtratsfraktion sieht organisatorischen Verbesserungsbedarf. Die Schulverwaltung macht dagegen die Verlage und das rheinland-pfälzische Kultusministerium für die Probleme verantwortlich.
Die organisatorische Abwicklung der Schulbuchausleihe werde in vielen Schulen kritisiert, wie die Ludwigshafener SPD Anfang des Monats feststellte. Es gebe Nachbesserungsbedarf in der Praxis. Tagelang werden der Betriebsablauf in den Sekretariaten und der Unterricht in den Klassen beeinträchtigt, teilte die Stadtratsfraktion nach einem Gespräch mit Schulleitern mit. Dabei hätten diese eine zu geringe Arbeitsstundenzahl in den Sekretariaten beklagt, erklärte die Chefin der SPD-Stadtratsfraktion Heike Scharfenberger. Ein Vater schildert in einem Brief an die RHEINPFALZ eine Recherche- „Odyssee“ im Kampf um Unterrichtsmaterial für sein Kind: Das Mathematikbuch für die sechste Klasse des Gymnasiums sei bis zum Beginn der Herbstferien am Montag noch nicht ausgeliefert worden, kritisiert er. Auf Nachfrage beim Sekretariat der Schule sei dies mit Verzögerungen beim Druck neuer Auflagen der Bücher begründet worden. Das sei falsch, wie eine weitere Nachfrage beim Schulbuchverlag ergeben habe, es habe niemals Engpässe gegeben. Die städtische Schulverwaltung macht nach der weiteren Schilderung des Vaters dagegen das „Neue Bedarfsdeckungsmodul 3.0“ für die Probleme verantwortlich. Dieses Modul drehe schon seit sechs Wochen seine Runden, hat der Vater herausgefunden. Auch mit dem rheinland-pfälzischen Kultusministerium habe er sich wegen der Verzögerungen in Verbindung gesetzt. Dort sehe man die Schuld bei der Ludwigshafener Schulverwaltung. Die Bücher würden bereits irgendwo in Kisten herumliegen und müssten schlicht verteilt werden. Noch gar keine Auskunft habe er auf eine direkte Nachfrage an eine Mitarbeiterin der Verwaltung erhalten, wie der Vater weiter beklagt. Dort habe es lediglich geheißen, dass die Zuständige in Urlaub sei. „Man kann sich schlecht vorstellen, dass so ein optimaler Unterricht durchgeführt werden kann“, kritisiert der Vater. Die Lehrer seien ständig gezwungen, urheberrechtlich geschützte Inhalte zu kopieren, was verboten sei. Die Ludwigshafener Verwaltung weist die Kritik zurück. 43 Schulen in der Stadt hätten sich an der Ausleihe beteiligt, 197 Bestellungen seien an Ludwigshafener Buchhändler gegangen. Der Grund für die vielen Aufträge seien viele Kurswechsel, Umstufungen von Schülern und Neuzuzüge sowie bisher nicht zurückgegebene Schulbücher. Einige Titel würden von den Verlagen nur verzögert geliefert, andere seien vergriffen und gar nicht mehr lieferbar. Entsprechende Anfragen beim Ministerium dazu seien leider noch nicht beantwortet, sagt die Verwaltung. Ab dem Zeitpunkt der Bestellung bei den Buchhändlern bis hin zur Anlieferung der bestellten Lernmittel vergingen in der Regel zwei Wochen, was auch auf die Lieferfristen der Verlage zurückzuführen sei. Nach der Anlieferung würden alle Bücher etikettiert, inventarisiert und anschließend für die Schüler gepackt, im Lernmittelportal registriert und dann an die Schulen ausgeliefert. Die Stadt Ludwigshafen nehme an dem Pilotprojekt „Bedarfsdeckungsmodul 3.0“ des Landes teil, das im Juli gestartet sei. Es habe Anlaufprobleme gegeben, was auch dazu geführt habe, dass zunächst zu wenig bestellt wurde. Die Verwaltung verzögere die Verteilung der Bücher indes nicht.