Ludwigshafen Wieder keine Bundesliga

Luka Wilbrandt (am Ball, hier im Spiel gegen Zweibrücken) fiel wegen einer Verletzung lange aus.
Luka Wilbrandt (am Ball, hier im Spiel gegen Zweibrücken) fiel wegen einer Verletzung lange aus.

«LUDWIGSHAFEN.» Die TSG Friesenheim ist für ihre hervorragende Nachwuchsarbeit im Handball bekannt. Vor acht Jahren waren die Jungeulen Gründungsmitglied der A-Jugend-Bundesliga. Doch zum Ende der Spielzeit 2017/18 stieg die TSG ab. Jetzt wurde zum zweiten Mal die Qualifikation für die höchste Spielklasse verpasst. Das hat Konsequenzen: Vier Spieler werden künftig nicht mehr dabei sein, darunter die Jugendnationalspieler Nils Röller und Benjamin Lincks.

Das hatte sich Jugendkoordinator Markus Baumann (32) anders vorgestellt. Er übernahm im Februar 2018 das Amt des hauptamtlicher Cheftrainers im Nachwuchsbereich der Eulen. Das Aus in der Bundesliga-Qualifikation schmerzt ihn sehr. „Es tut weh und es ist ärgerlich, dass wir es auch diesmal nicht geschafft haben“, sagte Baumann. „Wir waren davon überzeugt, dass es klappt.“ Nach der erfolgreichen Qualifikation auf Landesebene stand der Vergleich mit Hessen und dem Saarland an. Da musste die Mannschaft des Trainer-Duos Markus Baumann/Gabriel Schmiedt eine 13:17-Niederlage gegen die HG Saarlouis hinnehmen und verlor auch die Partien gegen den TV Gelnhausen (17:18) und TV Hüttenberg (14:17). Damit platzten die Hoffnungen auf eine Qualifikation auf Bundesebene. „Wir waren an diesem Tag nicht gut genug, um uns zu qualifizieren“, sagt Baumann. Er vermisste besonders die beiden Rückraum-Asse Luka Wilbrandt und Bjarne Hartmann, die wegen Verletzungen die komplette Saison nicht zur Verfügung standen. Hinzu kam, dass Nils Mader nach einem Schlag auf den Kopf im Spiel gegen Gelnhausen nicht mehr eingesetzt werden konnte. „Uns haben im Vergleich zu den anderen Teams die personellen Möglichkeiten gefehlt, speziell im Rückraum“, ergänzt Baumann. Dabei hatte der ehemalige Auswahltrainer des Badischen Handballverbandes versucht, mit Mika Schüler, Nick Haas und Laurenz Keil drei Akteure der SG Leutershausen in wenigen Trainingseinheiten zu integrieren. „Es waren unter dem Strich viele Kleinigkeiten, die ausschlaggebend waren, dass wir es nicht geschafft haben“, so Baumann. Neben dem Verletzungspech etwa die fehlende Souveränität. Auch über die B-Jugend klappte es nicht mit der Bundesliga-Qualifikation. Mit einem Sieg gegen den TV Hochdorf wäre Friesenheim Oberliga-Meister geworden und hätte um die Deutsche Meisterschaft gespielt. Da hätte die TSG mit dem Einzug ins Viertelfinale das Ticket für die A-Jugend-Bundesliga lösen können. Doch weil drei Minuten vor Schluss ein 19:16-Vorsprung gegen den TVH verspielt wurde, war der Titel futsch. Stattdessen musste sich Friesenheim für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren und scheiterte an der TSG Münster. Baumann ahnte damals schon, dass der Weg über die direkte A-Jugend-Qualifikation deutlich schwerer werden würde. Auch deshalb, weil man sich regelmäßig gegen Teams aus den hessischen Handball-Hochburgen durchsetzen müsse. Schmiedt übernimmt das Team „Wir greifen in der neuen Saison an, und ich bin mir sicher, dass wir bald wieder Jugend-Bundesliga in Ludwigshafen sehen werden“, betont Baumann, der aber weiß, dass die TSG noch ein Stück zulegen müsse. „Wir müssen ohne Zweifel einiges optimieren und verbessern, aber wir können nicht das, was nach dem Abgang von Martin Röhrig schiefgelaufen ist, von heute auf morgen reparieren“, sagt Baumann. An Aufgeben denkt er nicht. „Zum einen habe ich einen Vertrag, außerdem mache ich mein Engagement nicht von solch einem Ergebnis abhängig.“ Erklärtes Ziel sei es, mit der TSG Friesenheim in der Pfalz wieder die Nummer eins zu werden. „Dass Hochdorf sportlich aufgeholt hat und jetzt erstmals auch in die Bundesliga eingezogen ist, beunruhigt mich nicht“, sagt Baumann. Die Mission Aufstieg soll Gabriel Schmiedt, bisher Coach der B-Jugend, angehen. Baumann wird sich aus der A-Jugend etwas zurückziehen. Neben seinen Aufgaben als Koordinator wird er künftig die D-Jugend und eine weitere Jugend betreuen. „Ich bin nicht ganz weg von den Jungs, zumal wir eine sehr gute Kommunikation innerhalb der Teams pflegen“, so Baumann. Nicht mehr dabei sein werden Nils Röller, der sein Erwachsenenspielrecht bei der TSG Haßloch nutzt und mit dem Bundesliga-Kader der Eulen trainieren soll. Der Jugendnationalspieler, der auf seine erste Weltmeisterschaft im August hoffen darf, soll nicht mehr in der TSG-A-Jugend zum Einsatz kommen. Benjamin Lincks wechselt ins Sportinternat nach Dormagen und schließt sich Bayer Dormagen an. Nils Mader geht mit Jan Philipp Werthmann zum A-Jugend-Bundesligisten nach Hochdorf. Baumann hat die Entwicklung des Nachwuchses analysiert und kommt zur Erkenntnis, dass die Jungeulen im Vergleich zu anderen Teams aus den Handball-Hochburgen nicht den ganz großen Schritt gemacht haben, aber auf einem guten Weg sind. „Wir müssen akzeptieren, dass die Mannschaften, die über Internate und Sportschulen verfügen und acht- bis zehnmal in der Woche trainieren, uns deutlich voraus sind. Da stoßen wir in Ludwigshafen an unsere Grenzen.“

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