Judo
Wie Trainer Alex van Recum mit dem Judosport Menschen helfen will
Alex van Recum muss genau hinschauen. Nicht nur bei der Arbeit, auch bei seinem Hobby Judo. Der 52-Jährige arbeitet in einer Abteilung der BASF, die sich mit der innerbetrieblichen Sicherheit am Arbeitsplatz beschäftigt. Unter anderem ist es seine Aufgabe, Unfälle zu untersuchen. Er erstellt Unterweisungskonzepte und ist bei den Sicherheitstagen dabei. Und als Trainer beim Judo Ju-Jutsu Club (JJC) Ludwigshafen ist seine Konzentration gefragt, wenn es um die richtigen Abläufe im Judo geht. Der richtige Hebel, der richtige Griff, die richtige Fußstellung – beim Judo sind es oft Kleinigkeiten, die über einen Sieg oder eine Niederlage entscheiden. Van Recum muss das erkennen und seinen Schülern vermitteln.
Vor annähernd drei Jahren hat der in Bad Dürkheim geborene van Recum seine Gürtelprüfung zum vierten Dan bestanden. Damit ist er der ranghöchste Danträger im Verein aus der Gartenstadt. Ende vergangenen Jahres hat er die B-Lizenz als Trainer absolviert. Er ist damit der höchstdekorierte Ausbilder beim JJC Ludwigshafen. Rund 20 bis 25 Kinder bildet der Verein in den Kursen aus, hinzu kommen noch rund 15 bis 20 Menschen in den Erwachsenenangeboten. „Ich zeige neue Techniken, gemeinsam verfestigen wir die gelernten“, bringt es der Übungsleiter auf den Punkt. Wie lange dauert es, bis eine entsprechende Technik sitzt? Da muss van Recum schmunzeln. „Rund 40.000 Male muss der Ablauf wiederholt werden, bis er automatisiert ist“, erklärt er. Im Kampf selbst bleibe dem Judoka kaum Zeit, lang über Abläufe nachzudenken. Er muss die Situation erkennen und intuitiv handeln.
Tugenden weitergeben
In der Gartenstadt treffen sich bei den Erwachsenen zehn verschiedene Nationen beim Training. „Und wenn wir Liegestützen machen, dann zählt jeder in seiner Heimatsprache“, erzählt van Recum. Integration wird bei dem Verein, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, großgeschrieben. Und es gehe auch darum, die Jugendlichen von der Straße auf die Judomatte zu holen, betont der Übungsleiter. Er weiß um die Probleme in dem Ludwigshafener Stadtteil: „Wenn man aus der Gartenstadt kommt, dann hat man nicht viele Möglichkeiten.“ In diesem sozialen Brennpunkt will er mithilfe von Judo auch jungen Menschen helfen.
Und was vermittelt van Recum im Judo-Training? „Es geht nicht nur um den sportlichen Aspekt. Die Sportart vermittelt auch Respekt vor dem Gegner“, erklärt van Recum. Es drehe sich immer darum, trotz einer möglichen Überlegenheit seinen Gegenüber „nicht einfach auf die Matte zu hauen.“ Judo sei eine Schule für das Leben, ist er sich sicher. Diese Tugenden möchte er weitergeben.
Nächster Dan als Ziel
Der 52-Jährige kam einst selbst über Freunde zum Judosport. Er war ein erfolgreicher Judoka, wurde fünfmal Jugend-Pfalzmeister und nahm an Südwest- und Deutschen Meisterschaften teil. Als Erwachsener ging er in der Regionalliga auf die Matte. Eine Verletzung beendete seine Karriere, er entdeckte das Übungsleiterdasein als passende Alternative. Als Trainer leitete er einige erfolgreiche Judoka an, die zu Kaderathleten wurden und bei internationalen Turnieren kämpften. Aktuell arbeitet er mit Matthias Rosemann, der zuletzt bei der Senioren-EM den dritten Platz belegte. In seiner Geburtsstadt Bad Dürkheim hat er 2024 nach zehn Jahren seine Tätigkeit als Übungsleiter beendet.
Darüber hinaus bereitet sich der 52-Jährige auf den fünften Dan vor. Dafür muss er im Bereich Kata – eine vorgegebene Kampfdemonstration, teils ohne Gegner – weitere Techniken erlernen. „Der einzige Verein, der mit Thomas Hofmann einen entsprechenden Ausbilder besitzt, ist der JSV Speyer“, erklärt van Recum. Dort ist er dann auch einmal selbst Schüler. Wann er die nächste Stufe erklimmen kann, ist offen: „Es dauert mehrere Jahre, bis eine Prüfung möglich ist.“ Bis dahin wird er weiter genau hinschauen.