Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Wie sich Banken auf Betrugsmaschen einstellen

Ziel von betrügerischen Anrufen sind vor allem Senioren.
Ziel von betrügerischen Anrufen sind vor allem Senioren.

Immer wieder gelingt es meistens vom Ausland operierenden Banden insbesondere Senioren mit betrügerischen „Schockanrufen“ zu überlisten. Ältere Menschen plündern teilweise ihr Konto, um dem vermeintlich in Gefahr geratenen Enkel aus der Patsche zu helfen. Wir haben bei Banken nachgefragt, wie sie damit umgehen.

Die Meldungen der Polizei über Schockanrufe reißen nicht ab. Wie vor wenigen Tagen bei einem über 80-jährigen Paar aus Speyer. Nachdem sich ein Mann am Telefon als Sohn der beiden ausgegeben und behauptet hatte, einen Fahrradfahrer überfahren zu haben, wurde das Gespräch an einen vermeintlichen Polizisten weitergeleitet. Um eine Haftstrafe für den Sohn abwenden zu können, verlangte dieser die Zahlung einer Kaution von 35.000 Euro. Der Betrugsversuch scheiterte zum Glück.

In Ludwigshafen händigte eine 86-Jährige mehrere Zehntausend Euro an Betrüger aus. Die Frau erhielt einen Anruf von einem angeblichen Anwalt. Er sagte, dass es in der Stadt vermehrt zu Raubüberfällen auf Senioren kommen würde und die 86-Jährige deshalb ihr Geld in Sicherheit bringen müsse. Unter Beteiligung von mindestens zwei weiteren Täterinnen, die die Seniorin anriefen, wurde diese überredet, ihre Konten zu plündern.

In einem Fall in Frankenthal erbeuteten Täter einen vierstelligen Betrag. Sie gaben an, eine angebliche Angehörige habe eine Schwangere angefahren und brauche Hilfe.

Regelmäßige Schulungen

Wie die Polizei und diverse Medien berichten, schaffen es Betrüger mit solchen und ähnlichen Geschichten teilweise immer wieder, die verängstigten Gesprächspartner zur Übergabe teils höherer Summen zu bewegen. Ist kein Bargeld im Haus, werden die Opfer zum Abheben von Ersparnissen von ihrem Bankkonto aufgefordert.

Wie sich die Geldinstitute in der Region auf diese Entwicklung einstellen und mit welchen Vorsichtsmaßnahmen sie ihre Kunden unterstützen können, hat die RHEINPFALZ bei den beiden Instituten mit den meisten Filialstellen in der Region nachgefragt: der Sparkasse Vorderpfalz und der VR Bank Rhein-Neckar. Von beiden Unternehmen kommt die übereinstimmende Antwort, dass ihre Mitarbeiter regelmäßig in Schulungen über aktuelle Fälle dieser Betrugsmaschen informiert und sensibilisiert werden.

Bei größeren Beträgen wird nachgefragt

Die Ansprechpartner für die Kunden in den Bankfilialen würden bei größeren Bargeldabhebungen durchaus nachfragen, wofür ein ungewöhnlich hoher Betrag verwendet werden soll, heißt es. Einen Fall vor wenigen Wochen in der Filiale in Dannstadt schildert ein Sprecher der VR Bank. „Ein Kunde wollte über einen größeren Geldbetrag verfügen. Als Grund gab er an, eines seiner Enkelkinder hätte einen Unfall gehabt und er muss sofort einen größeren Geldbetrag übergeben.“ Durch das aufmerksame und umsichtige Verhalten der Beraterin in der Filiale habe ein Betrugsfall jedoch verhindert werden können.

In anderen Filialen wie in Mutterstadt und Limburgerhof habe es ähnliche Vorfälle gegeben, die durch den persönlichen Kontakt zwischen Kunde und Berater aufgedeckt werden konnten, teilt die Bank mit.

Auch die Sparkasse Vorderpfalz berichtet, dass „durch die Aufmerksamkeit und das beherzte Eingreifen unserer Mitarbeiter bereits zahlreiche Fälle erfolgreich verhindert und damit finanzielle Schäden von unseren Kunden abgewendet werden konnten“. Ein Vorteil der Filialen sei, dass Kunden oft über viele Jahre hinweg bekannt seien. Schwieriger, weil ohne direkten Ansprechpartner, gestaltet sich naturgemäß ein Schutz des Kunden beim Geldabheben am Bankautomaten. Wie ein Banksprecher sagt, gebe es hier allerdings limitierte Auszahlungen für jeden Kunden pro Tag und Woche. Große Beträge sind daher nicht schnell verfügbar.

„Wachsam bleiben“

Auf die Spur eines möglichen betrügerischen Hintergrunds könne auch ein ungewöhnliches Umsatzverhalten hindeuten, das über eine digitale Registrierung („Monitoringsystem“) erkannt werde, nennt der Banksprecher eine technische Möglichkeit. Mit diesem Hinweis des Systems könne beim Kunden gezielt nachgefragt werden. Da in den Filialen inzwischen größere Geldbeträge nicht mehr vorhanden seien und vorbestellt werden müssten, biete sich auch hier die Möglichkeit der Prävention, heißt es.

Einen absoluten Schutz vor Betrugsmaschen könne es aber nicht geben. Alle Kunden sollten daher wachsam bleiben und sich der Gefahren bewusst sein, lautet die Empfehlung.

330 Fälle allein im Oktober

Allein im Oktober des Vorjahrs registrierte das Polizeipräsidium Rheinpfalz in seinem Zuständigkeitsbereich (Vorder- und Südpfalz) 330 Fälle von Callcenter-Betrug, wie der Oberbegriff für derlei Taten lautet. Schwerpunkte waren Frankenthal mit 70, Ludwigshafen mit 40 und der Rhein-Pfalz-Kreis mit 35 Fällen. 20 Fälle gab es in Speyer.

Von einer Welle von Betrugsanrufen in Ludwigshafen berichtete die Polizei in der dritten Kalenderwoche im Januar.

Noch Fragen?

Hinweise und Infos zu Betrugsmaschen gibt auf den Internetseiten der Geldinstitute www.sparkasse-vorderpfalz.de/de/home/service/sicherheit-im-internet.html und www.vrbank.de/banking-service/sicherheit/phishing-warnungen.html

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