SErie: Die Macher
Wie Peter Amberger vom AC Mutterstadt den Verein wieder wettbewerbsfähig gemacht hat
Der 64-jährige Peter Amberger kann sich gut an die Vergangenheit erinnern. Begonnen hat alles mit der Aufgabe des Veranstaltungswarts. Im nächsten Schritt folgte das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden. „Bei einer Sitzung 2004 ist der damalige Vorsitzende Fritz Hager aufgestanden und hat gesagt, dass er sofort zurücktritt. Die anderen haben auf mich gezeigt, weil laut Statuten in diesem Falle der Stellvertreter nachrückt. So war das. Schon war ich mittendrin und habe die Verantwortung übernommen“, berichtet Amberger.
Zum Glück war der selbstständige Inhaber einer Werbemittelagentur nicht allein. Ihm standen in dieser schwierigen Zeit Stefan Mohr, Gerhard und Andreas Hettinger sowie Ralf Ehret als engste Begleiter zur Seite. „Sportlich hatten wir keine Mannschaft und auf dem Bankkonto ein Minus von 320.000 Euro. Also beste Voraussetzungen für einen Neustart“, sagt Amberger im Nachhinein mit einer Prise Ironie. Im Endeffekt mussten die Mutterstadter auf allen Ebenen Baustellen im Verein abarbeiten.
Als Glücksgriff entpuppte sich ein Jahr später der Wechsel des Haßlocher Jugendtrainers Dennis Eichner zum ACM. Nach vier Jahren sportlicher Tristesse und Pause im Ligabetrieb gab es endlich wieder eine AC-Staffel. Ein aus Eigengewächsen zusammengestelltes Team erreichte 2005 in der Landesliga im Wettkampf gegen den KSV Worms 32,5 Kilopunkte. Der sportlich Anfang in der Ära Peter Amberger war damit eingeleitet.
Jahr für Jahr ging es jetzt für den zwölffachen deutschen Mannschaftsmeister sportlich aufwärts. Die Krönung war die Rückkehr in die Bundesliga im Jahre 2012. Gerade sieben Jahre nach der Wiederaufnahme des Sportbetriebes gehörte der Traditionsverein wieder dem Gewichtheber-Oberhaus an. „Wir haben in dieser Zeit viel geschuftet und alle haben an einem Strang gezogen. Sonst wäre das überhaupt nicht möglich gewesen“, sagt der mit Abstand dienstälteste AC-Vorsitzende mit Stolz. Der AC Mutterstadt mit seinen rund 400 Mitgliedern, die meisten davon Freizeitsportler, ist bei Weitem nicht nur ein Gewichtheberverein. Der nie als Stemmer auf der Bühne stehende Amberger unterstützt den Breitensport wann immer und so gut es finanziell geht. Diese Einstellung hat es bei seinen Vorgängern nicht gegeben.
Verein ist schuldenfrei
„Meine Aufgabe ist es auch, neue Geräte für die Mitglieder anzuschaffen. Ohne neue Geräte gibt es keine neuen Mitglieder. Begonnen hat alles mit einem Laufband und einem Crosstrainer. Wir stehen in Konkurrenz mit den vielen modernen Studios, sind allerdings weitaus günstiger und die Atmosphäre ist familiärer“, beschreibt Amberger die Vorzüge des Clubs. In den vergangenen 18 Jahren wurden beim AC Mutterstadt 450.000 Euro in Halle und Geräte investiert. Seit einigen Jahren ist das Aushängeschild der Gemeinde Mutterstadt schuldenfrei.
Der Tausendsassa Amberger, der ursprünglich bei der Telekom Fernmeldetechniker gelernt hat und seit 31 Jahren eine Werbemittelagentur in Maudach betreibt, ist fast täglich in der AC-Halle anzutreffen. Der Verein hat das Glück, dass sein Chef handwerklich begabt ist und zusammen mit einem kleinen Helferteam vor Ort selbst gerne Hand anlegt. Wände herausreißen, streichen, Leitungen verlegen, das ist für ihn kein Problem. Unterm Strich macht Amberger im Verein alles − außer der Bundesliga-Mannschaft. Dafür ist der Sportliche Leiter Stefan Mohr zuständig.
Dabei behält der Vorsitzende immer die finanzielle Seite im Blick. „Vielleicht bin ich im Rechtschreiben in der Schule nicht gut gewesen, aber im Rechnen habe ich aufgepasst. Schulden wird es in meiner Amtsperiode keine geben“, fährt Amberger eine klare Linie. Auf immer und ewig will und wird der Vater zweier Söhne, die auch schon Ämter beim ACM bekleidet haben, seinen Herzensverein nicht führen. Voraussichtlich wird Peter Amberger sein Amt im nächsten Jahr bei der Mitgliederversammlung abgeben. Der neue Vorsitzende soll rechtzeitig von ihm eingearbeitet und auch danach noch beraten werden. Im Regen stehen lassen wird Amberger seine Nachfolger mit Sicherheit nicht. Dafür liegt ihm der AC nach all den Jahren zu sehr am Herzen.