Talentschuppen
Wie Kunstturner Phil Ihrig aus Mutterstadt durchstarten will
„Ich will später einmal Sportwissenschaft studieren!“ Phil Ihrig ist zehn Jahre alt. Der drahtige Junge aus Mutterstadt besucht dort die vierte Klasse der Grundschule Pestalozzi. Während andere Jungs nachmittags vielleicht irgendwo mit Freunden Fußball spielen oder anderen Hobbys nachgehen, absolviert Phil Ihrig hochkonzentriert seine Trainingsstunden. Er ist in seinem jungen Alter bereits Leistungsturner.
„Ich habe mit vier Jahren in Grünstadt angefangen mit dem Turnen“, erzählt er am Anfang ein wenig aufgeregt. Aber schnell hat er sich wieder beruhigt. „In der Turn-Talentschule war Vitali Saifulin mein Trainer und hat mich gefördert“, blickt er zurück. Inzwischen hat sich aber im Leben des Zehnjährigen einiges geändert. „Wir haben dann eine Möglichkeit gesucht, sein Talent weiter zu fördern. Aber in Rheinland-Pfalz existiert in der Nähe einfach kein Leistungszentrum, das männliche Turner unterstützt . Bei der TB Oppau geht es ja vorrangig um Mädchen“, sagt Phils Mutter Sabine Ihrig. Also habe sich die Familie entschieden, den Jungen am Turnzentrum in Heidelberg anzumelden. „Es ist das einzige Leistungszentrum in der Nähe, das für Phil infrage kommt“, erläutert sie. Seit anderthalb Jahren trainiert er jetzt in der Neckarstadt und startet für die KTG Heidelberg.
Erste Erfolge
Und hier hat der junge Mutterstadter bereits einige Erfolge aufzuweisen. Beim Bundeskadertest der Turner Ende Februar belegte Phil Ihrig in der Altersklasse bis 10 Jahre (AK10) den sechsten Platz. „Das ist beachtlich mit Blick auf die nationale Konkurrenz“, konstatiert Sabine Ihrig. Anfang Mai folgte dann sein Auftritt beim „Metropolcup-Rhein-Neckar“ in Heidelberg. Hier verpasste Phil Ihrig in der AK10 mit 49.925 Punkten und dem vierten Rang nur knapp das Siegerpodest.
„Das Trainingspensum beträgt pro Woche 21 Stunden“, zählt Sabine Ihrig die Übungsstunden ihres Sohnes auf. Da bleibt neben den Hausaufgaben kaum noch viel Platz für andere Hobbys. „Früher bin ich noch geschwommen. Und ich habe auch noch Klavier gespielt“, erinnert sich Phil an ehemalige weitere Betätigungsfelder, die inzwischen aber der Vergangenheit angehören. Das Training steht im Mittelpunkt. Schließlich will er mindestens einmal so gut werden wie seine Vorbilder: Fabian Hambüchen nennt er zuerst, gefolgt von Justus Fröhlich von der TSG Grünstadt.
Konzentration als Stärke
„Das Turnen am Boden mache ich nicht so gern“, gibt das junge Talent nach einigem Nachdenken zu. Und weiß auch gleich, wo er sich noch körperlich verbessern muss: „Ich brauche noch mehr Bauchkraft und muss am Mittelkörper arbeiten.“ Seine Mutter kennt aber auch seine Stärken: „Phil kann sich sehr gut konzentrieren. Die Konkurrenten in seiner Altersklasse mögen technisch ein bisschen besser sein, aber er kann sich sehr gut auf den Wettkampf fokussieren. Da hat er Vorteile.“
Im Sommer steht ein Schulwechsel für den zehnjährigen Mutterstadter an. Phil Ihrig wechselt dann auf das Heinrich-Böll-Gymnasium in Ludwigshafen. „Wir haben mit der Schule gesprochen. Sie sind uns entgegengekommen, weil Phil ja häufiger wegen den Wettkämpfen fehlen wird“, erzählt Sabine Ihrig. Aber da der Sohn auch so gute Noten nach Hause bringt, dürfte es auch in der weiterführenden Schule keine Probleme geben. Auf dem Weg zum Abitur dürfte ihm seine Konzentrationsfähigkeit nur hilfreich sein. Schließlich weiß der Zehnjährige bereits, dass er später einmal Sportwissenschaft studieren will.