Vorderpfalz
Wie Krankenhäuser Energie sparen
Die Dringlichkeit, Energie zu sparen, haben Krankenhäuser in der Region längst erkannt. Das Klinikum Ludwigshafen ist zum Beispiel Teil eines Energieeffizienz-Netzwerks, um gegenseitig Erfahrungen auszutauschen. Das Haus sieht „großes Einsparpotenzial im Bereich der technischen und baulichen Wärmedämmung“, wie Geschäftsbereichsleiter Harald Venus auf Anfrage mitteilt. Zudem könne beispielsweise mit dem Wechsel auf LED-Leuchten Strom gespart werden. Die Klinik ist mit konzernweit 3000 Beschäftigten das drittgrößte Krankenhaus in Rheinland-Pfalz und verfügt über 1010 Betten. Das Ludwigshafener Krankenhaus verbrauchte nach Venus’ Angaben im vergangenen Jahr rund 13,89 Millionen Kilowattstunden Strom und etwa 16,95 Millionen Kilowattstunden Wärme.
„Die genannten Einsparpotenziale werden bei uns sukzessive umgesetzt“, erklärt Venus. Deutlich sichtbar sei das beim Neubau an Haus D. Dort soll beispielsweise eine Photovoltaikanlage aufs Dach, um selbst Strom erzeugen zu können. Zudem sei das aus den 1960er-Jahren stammende Haus B kernsaniert worden. „Es wurden die Raumtemperaturen und Heizkurven angepasst beziehungsweise optimiert“, erläutert der Bereichsleiter. Zudem habe man in vielen innenliegenden Räumen Präsenzmelder zur Steuerung der Beleuchtung nachgerüstet, damit das Licht nur anbleibt, wenn sich dort Menschen aufhalten. Auch in die Gebäudetechnik wurde investiert, durch ein Förderprojekt wurden die Umwälzpumpen der Klinik gegen Hocheffizienzpumpen getauscht und die Außenbeleuchtung auf LEDs umgestellt.
PV-Anlage installiert
Auch das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus in Speyer ist Teil des Energieeffizienz-Netzwerks. „Bereits seit Jahren achten wir auf schonenden Umgang mit unseren Ressourcen“, sagt Sprecherin Barbara Fresenius. Der Stromverbrauch in der Klinik mit 484 Betten lag im vergangenen Jahr bei rund 6,4 Millionen Kilowattstunden (kWh), von denen das „Diak“ über eine Anlage mittels Kraft-Wärme-Kopplung knapp 2,9 Millionen kWh selbst erzeugt und verbraucht hat. Geheizt wird in Speyer mit Gas. Verbrauch hier 2022: rund 14 Millionen kWh.
„Die Problematik besteht darin, dass man im Krankenhaus im Gegensatz zum Privathaushalt die Heizung in den Patientenzimmern oder im Operationssaal nicht einfach herunterfahren kann“, bringt es Fresenius auf den Punkt. Dennoch prüft die Klinik Energiesparpotenziale, sensibilisierte etwa die rund 1600 Mitarbeiter mit „einfachen Maßnahmen, die sie in ihren Arbeitsalltag integrieren können“, tauschte Leuchtstoffröhren gegen sparsamere LEDs und errichtete ein Fahrradhaus für Mitarbeiter. Bei den letzten Bauarbeiten 2017 seien zudem Grünflächen auf den Flachdächern installiert worden. Bereits 2008 hat die Klinik auf dem Diakonissen Campus eine Photovoltaikanlage installiert, so Fresenius. Für das laufende Jahr prognostiziert das „Diak“ einen geringeren Verbrauch. Von rund 3,1 Millionen kWh Strombezug aus dem Netz und voraussichtlich rund 3 Millionen kWh aus eigener Erzeugung ist die Rede. Beim Gas rechnet die Speyerer Klinik mit 13,2 Millionen kWh Verbrauch.
Im St. Vincentius Krankenhaus in der Holzstraße liegt der Stromverbrauch nach Auskunft von Sprecherin Andrea Brönner bei rund 2 Millionen kWh im Jahr. In der Klinik wird mit Fernwärme geheizt, was mit rund 2,6 Millionen kWh zu Buche schlägt. Hier mache sich eine rund drei Jahre zurückliegende Investition bezahlt, so Brönner: „Wir haben einen deutlich geringeren Verbrauch als noch vor drei Jahren. Dies liegt daran, dass die Gebäudeleittechnik erneuert wurde.“ 2020 habe der Wärmeverbrauch noch bei 3 Millionen kWh gelegen. Der Stromverbrauch sei gleichgeblieben. Einsparpotenzial gebe es durch die Dämmung alter Gebäudeteile und von Rohrleitungen in den älteren Gebäuden der 1903 gebauten und kontinuierlich erweiterten Klinik. „Eine aktuelle Maßnahme ist die Sanierung der Zentralen Notaufnahme“, informiert Brönner. Hier werde unter anderem die Gebäudehülle energetisch saniert. Zudem sei eine Photovoltaikanlage geplant.
Energiebedarf gesenkt
In der Stadtklinik Frankenthal (700 Mitarbeiter) will man künftig genau darstellen können, wie hoch die Energiekosten für jedes der rund 330 Betten sind, davon zwölf Intensivbetten. Noch sei das nicht möglich, teilt eine Sprecherin mit. Der Verbrauch von Strom lag 2022 bei rund 2,3 Millionen Kilowattstunden, bei Gas waren es 5,4 Millionen kWh, informiert der stellvertretende Kaufmännische Direktor, Björn Walter. Beides beziehe man von den Stadtwerken Frankenthal. Der Energiebedarf sei in den zurückliegenden Jahren unter anderem durch die Umstellung der Beleuchtung auf LED-Technik gesunken sei. Eine Fassadensanierung und der Austausch aller Fenster auf den Stationen, in Patientenzimmern und in Funktionsbereichen hätten bereits für deutliche Einsparungen gesorgt.
Besonders energieintensiv seien beispielsweise die Aufzugsanlage und die Kältemaschinen. Generell lote man aus, ob technische Anlagen noch sparsamer betrieben werden könnten. Geheizt wird in der Stadtklinik mit einer Gas-/Wasserheizung und über ein Blockheizkraftwerk. Außerdem gebe es gekühlte Zuluft und vereinzelt Klimatisierung. Ob weitere Klimageräte eingesetzt werden sollen, werde derzeit ebenso geprüft wie die Installation einer PV-Anlage. Bei der Planung des gerade entstehenden Erweiterungsbaus, in dem Psychiatrie, Geriatrie und Geburtshilfe untergebracht werden, habe man auf eine gute Wärmedämmung geachtet, sodass dieser mit den bestehenden Anlagen versorgt werden könne.
Um im Notfall Notstromaggregate und Brenner für Warmwasser betreiben zu können, lagert die Stadtklinik zusätzlich Heizöl. Verbraucht worden seien im Vorjahr weniger als 2000 Liter. Der Vorrat reiche, um zweieinhalb Tage lang den Betrieb aufrecht zu halten.