Menschen aus der Stadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Kindertränen aus Eltern Erfinder machen

Jenny Raab und Andi Konietzko präsentieren stolz ihren Zieptnie-Kamm.
Jenny Raab und Andi Konietzko präsentieren stolz ihren Zieptnie-Kamm.

Damit sie ihrer kleinen Tochter endlich ohne schmerzhaftes Ziepen und Kindertränen problemlos die langen Haare kämmen können, haben die Ludwigshafener Jenny Raab und Andi Konietzko einen speziellen Kamm erfunden. Der Clou sind die beweglichen Zähne des Utensils.

Nachdem das Paar seine Idee weltweit zum Patent angemeldet hat, hoffen beide nun auf Interesse und Nachfrage aus dem In- und Ausland. Doch Jenny Raab und Andi Konietzko sind in Ludwigshafen fest verwurzelt. Aus Maudach wolle sie am liebsten niemals weg, sagt die 34-Jährige.

Los ging die Geschichte im Jahr 2017. Morgens vor dem Kindergarten die langen Haare der damals zweijährigen Tochter Lia durchzubürsten, erwies sich als zeitraubendes Problem. Immer wieder blieb die Bürste in Verknotungen der dicken Kindermähne hängen, ein schmerzhafter Zug auf die Kopfhaut und Tränen des kleinen Mädchens waren die ständige Begleiterscheinung.

Experimente mit Klammern

Die Haare einfach mit der Hand festzuhalten, sei fehlgeschlagen, es habe trotzdem „geziept“, sagt Mutter Jenny Raab. Der Versuch, die Haarbüschel mit einer speziellen Flachzange zu packen, habe auch nicht funktioniert, erzählt Vater Andi Konietzko von seinen Versuchen. Eine bessere Lösung musste her.

„Wir haben etwas gesucht, was einfach den Zug auf die Kopfhaut verhindert“, sagt die inzwischen zweifache Mutter. Über Experimente mit Hochsteckklammern kam das Paar schließlich auf die Idee eines Kamms mit gegeneinander verschiebbaren Zahnreihen. „Wir haben gegoogelt und nichts Vergleichbares gefunden. Da haben wir selbst Prototypen entwickelt“, berichtet Konietzko, dass es wohl 50 Varianten gewesen sein können.

Produktion im 3D-Drucker

Er sei schon ein leidenschaftlicher Selbermacher und Heimwerker, gibt der 33-Jährige zu, der beruflich sein Geld als Chemiearbeiter in der BASF verdient. Der von beiden entwickelte so getaufte „Zieptniekamm“ hat sich in der Praxis bestens bewährt. Mit einem Fingerdruck lässt sich ein ganzes Haarbüschel solide festhalten und einfach wieder lösen.

Prototypen und erste Serien für den Verkauf lässt das Paar mithilfe eines weiteren Tüftlers per 3D-Drucker herstellen. „Inzwischen wurden mehrere 100 Stück produziert, es ist gut angelaufen“, sagt Raab. Jeder Kamm sei ein Einzelstück und könne nach Wunsch bestellt und personalisiert werden hinsichtlich Material und Farbe, auch Worte oder Namen ließen sich einfügen.

Ausbaufähiges Projekt

Was jetzt noch fehle, sei eine größere Bekanntheit ihrer Erfindung, räumt das Paar ein, das davon träumt, das pfiffige Haarpflege-Utensil vielleicht irgendwann im Sortiment einer großen Drogeriemarkt-Kette vertreiben zu können. Sie könne sich vorstellen, das Projekt auszubauen und sich hier auch beruflich zu engagieren, meint Raab.

Obwohl sie neben zwei kleinen Kindern schon zwei interessante Jobs habe, wie sie erzählt. So arbeite sie als Rechtsreferentin in einem Anwaltsbüro, das vorwiegend mit Zwangsräumungen und Zwangsvollstreckungen beschäftigt ist. Zur anderen Hälfte sei sie Schwimmlehrerin und bringe kleinen Kindern das Schwimmen bei. Eine Tätigkeit, die seit dem Lockdown im Oktober pausieren muss und auf deren Wiederbeginn sie sich außerordentlich freut. „Meine Babykurse sind wahrscheinlich jetzt schon Kleinkinderkurse“, meint sie angesichts der langen Pause.

Überzeugter Aniliner

Die gewonnene Zeit hat sie in die Vermarktung des Zieptniekamms investiert. Hier beruflich stärker einzusteigen, ist dagegen für Andi Konietzko keine Option. Er sei in der Pfingstweide geboren, mit 16 Jahren zur Ausbildung in die BASF gegangen und arbeite dort immer noch gerne, zeigt er sich als überzeugter Aniliner. Weil der 33-Jährige seit einem Jahr wegen Corona nicht mehr in der Zweiten Mannschaft in Maudach Fußball spielen darf, fährt er als Ausgleich inzwischen täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit ins Werk.

Als ebenso heimatverbunden zeigt sich auch Partnerin Jenny Raab. Sie sei eine geborene Ur-Maudacherin und wolle niemals woanders wohnen, betont sie und bricht auch gleich eine Lanze für ihre Heimatstadt Ludwigshafen. Zwar gebe der Berliner Platz derzeit kein schönes Bild ab. „Man bekommt in Ludwigshafen aber alles. Ich fahre nicht gern über die Brücke nach Mannheim“, macht sie klar. „Und die Rhein-Galerie finden wir toll. Wir kriegen da alles, was wir brauchen, und die Kids können dort noch spielen“, zeigen sich beide mit den Angeboten der Einkaufsmall sehr zufrieden.

x