Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Wie in der Stadt klimafreundlich geheizt werden soll

Energieträger der Zukunft: An der Froschlache wird eine Fernwärmeleitung verlegt.
Energieträger der Zukunft: An der Froschlache wird eine Fernwärmeleitung verlegt.

Die Aufgabe ist gewaltig: 2020 sind 75 Prozent der 31.100 Gebäude in der Stadt mit Gas oder Öl beheizt worden. In 25 Jahren soll es nach den Vorgaben des Bundes kein einziges mehr sein. Woher alternativ die Wärme herkommen kann, soll in den nächsten beiden Jahren mit der kommunalen Wärmeplanung ermittelt werden.

Wie die Stadt und die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) als maßgeblicher kommunaler Energieversorger dabei detailliert vorgehen wollen, stellten sie am Dienstag in der TWL-Zentrale vor. Eine wesentliche Erkenntnis hat deren technischer Vorstand Thomas Mösl aus den Vorarbeiten bereits gewonnen: Die Stadt flächendeckend mit Fernwärme zu versorgen, ist utopisch, weil ein Netzausbau bei unsicherer Nachfrage unwirtschaftlich ist. Das bedeutet aber nicht, dass die TWL die Infrastruktur nicht weiterentwickeln. In den nächsten beiden Jahren seien 1,5 Kilometer neue Leitungen in Planung, unter anderem im Dichterviertel und unter der geplanten Helmut-Kohl-Allee.

Mösl hält es für realistisch, den Versorgungsgrad mit Fernwärme von derzeit 15 bis 20 auf 50 Prozent im Jahr 2045 hochzuschrauben. Nicht nur mit der Verästelung bestehender Netze, sondern auch mit dem Anschluss neuer Gebiete. Die strategische Planung hänge aber auch von Förderungen ab, die den laufenden Beratungen für den Bundeshaushalt 2024 in Berlin zum Opfer fallen könnten.

Suche nach grüner Wärme

Selbst im optimistischen Fall wäre eine klimaneutrale Wärmeversorgung der Stadt maximal zur Hälfte durch Fernwärme gedeckt – die zudem zusätzlich erzeugt werden müsste. Das ans ausgelastete Gemeinschaftsmüllheizkraftwerk angedockte TWL-Heizkraftwerk in der Bürgermeister-Grünzweig-Straße liefert aktuell 80 Prozent der Fernwärme. Der Rest stammt aus einem Netz im Rheingönheimer Neubruch und Klärschlammverbrennung in der Pfingstweide.

Alternativ zur Fernwärme bringen die TWL und Umweltdezernent Alexander Thewalt (parteilos) dezentrale Nahwärmenetze ins Spiel, gekoppelt mit individuellen Entscheidungen der Eigentümer, etwa für Wärmepumpen. Auf welchen Wegen grüne Wärme gewonnen und eingespeist werden kann, ist die Anforderung an die angelaufene kommunale Wärmeplanung. Sie soll den Bestand analysieren und Potenziale eruieren. Spätestens in einem zweiten Bürgerforum im August 2024 sollen Leitplanken für einen Energiemix der Zukunft abgesteckt werden, so die Erwartung des beauftragten Energieberaters.

x