ARbeiten im Denkmal (1)
Wie im Schloss: Das Stadthaus Nord am Europaplatz
Das repräsentativste Gebäude in der Stadt dürfte wohl das heutige Stadthaus Nord sein, das fast einem Schloss ähnelt. Das Haus wurde 1913 als viergeschossiger neoklassizistischer Dreiflügelbau mit Walmdach und Uhrenturm errichtet. Als Stadtbaumeister Markus Sternlieb dem Stadtrat sein Projekt präsentierte, hatten sich die Ratsmitglieder ein doch etwas bescheideneres Gebäude vorgestellt. Im Krieg erlitt es keine allzu großen Schäden, und so kann sich Ludwigshafen noch heute an diesem Kleinod erfreuen. Offizielle Hausherrin ist dort Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD). Sie ist ein Kind des Hemshofs, in der von-der-Tann-Straße ist sei aufgewachsen, und sie hat die Gräfenauschule besucht.
Das Stadthaus Nord als prägendes Gebäude hat immer ihr Leben begleitet. Schon während ihrer Verwaltungsausbildung hat sie beim Abteilungsdurchlauf einige Monate dort gearbeitet, um dann ab 1999 mit ihrem Arbeitsplatz fest im Stadthaus Nord beheimatet zu sein. Zuerst als war sie Sachbearbeiterin im Sozialamt, dann machte sie nach und nach alle Aufstiege bis in ihre heutige Position mit. „Wenn ich schon über den Platz laufe, empfinde ich die ganz eigene Atmosphäre des Hauses. Ja, ich liebe dieses Gebäude“, betont sie, dass sie sehr gerne darin arbeitet. Natürlich hat sie sich im Lauf der Jahre mit der Stadtgeschichte und auch der Geschichte des Hauses befasst und wusste von Anfang an, dass sich ihr Arbeitsplatz in einem Denkmal befindet. Besonders gut gefällt ihr das Treppenhaus, das mit seinen alten Fliesen und Messingverzierungen im Geländer noch im Originalzustand ist.
Im ,Altherrenzimmer’
Gerne denkt die Beigeordnete auch an die Zeit zurück, als sie im ehemaligen OB-Zimmer arbeitete, das ebenfalls noch original erhalten ist. „Ich war einerseits so stolz, dass ich in diesem ,Altherrenzimmer’ sitzen durfte, musste mich aber andererseits doch erst einmal damit anfreunden. Der Raum stand vorher zwei Jahre leer. Da hieß es, selbst Hand anzulegen, um den muffigen Geruch und viel Staub zu beseitigen. Die Wandvertäfelung saugte das Holzmittel regelrecht ein, und es musste mehrmals aufgetragen werden, bis alles wieder schön aussah. Außerdem hatte man ja früher in den Büros gerne noch Zigarren gepafft“, erzählt sie lachend von ihren Erlebnissen, an die sie trotzdem gerne zurückdenkt. Die Heizung schaffte im Winter selten die 17 Grad-Marke, und es wurde vorwiegend der Europaplatz geheizt.
Zwar gab es 2007 schon einmal einen Umbau, der aber vornehmlich die Brandschutzmaßnahmen betraf. Mit der aktuellen Renovierung des Gebäudes wurden die Fenster zwar im alten Stil mit Sprossen erneuert, aber jetzt sind sie doppelt verglast und zwangsbelüftet. Auch das Dach und die Fassade wurden renoviert, wobei die energetische Sanierung über ein Förderprogramm läuft. Teilweise wurden in den Büros die Decken abgehängt und schallschutzisoliert sowie die Arbeitsplätze besser ausgeleuchtet. Es wird sogar einen neuen Briefkasten mit entsprechenden Sicherungen geben, was nicht einfach ist, da auch die alte Tür unter Denkmalschutz steht. In ihrer jetzigen Position hat Steeg natürlich auch Einfluss auf die aktuellen Renovierungen. „Selbstverständlich sind die Fachleute gefragt, aber ich bin bei Besprechungen dabei und wurde sogar in die neue Farbgebung eingebunden. Allerdings werden zum Beispiel im Hausinneren nur die Stellen gestrichen, die wegen der neuen Fenster beschädigt oder verschmutzt wurden, denn immer noch ist Sparen angesagt“, bedauert sie, dass die Ausbesserungsstellen zu erkennen sind.
Arbeiten dauern bis März 2021
Eines weiß die Beigeordnete aber genau: Die Renovierungsarbeiten müssen wegen der Fördermittel auf jeden Fall bis März 2021 fertiggestellt sein. Es wird ein großes Aufatmen durchs Haus gehen, wenn die derzeitigen Einschränkungen und Behinderungen für die Mitarbeiter beendet sind. Sie ist sich aber sicher, dass der größte Teil der Mitarbeiter gerne im Gebäude arbeitet, obwohl die Strukturen des Hauses fern von heutigen Anforderungen sind und die internen Abläufe an das Publikum angepasst werden müssen. „Es herrscht ein gutes Arbeitsklima, das von sehr offener Information und Kommunikation geprägt ist. Ich fühle mich jedenfalls sehr mit dem Haus verwachsen und würde mir das ungern nehmen lassen“, sagt Steeg.
Zur Sache: Die Denkmalschutz-Kriterien
Die Denkmalschutzbehörde entscheidet nach speziellen Kriterien, welche Bauwerke unter Denkmalschutz gestellt werden. Ein wichtiger Punkt ist die historische Bedeutung, ein regionaler, städtebaulicher, künstlerischer, technischer oder kultureller Aspekt. Das Baujahr spielt keine feste Rolle. Die Behörde prüft den Einzelfall und legt fest, ob die Rahmenbedingungen des Denkmalrechts erfüllt sind. Der Denkmalschutz bringt Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist, dass Sanierungs- und Renovierungskosten absetzbar oder Förderungen und günstige Kredite möglich sind. Nachteile sind, dass eine Reihe von Auflagen bei Renovierung, Umbau und Nutzung beachtet werden müssen.aar