Gewichtheben
Wie Funktionär Patrick Fassott Familie, Berufe und Ehrenämter unter einen Hut bringt
Der Sportfunktionär hatte einen internationalen Präsidiumsposten überhaupt nicht mehr im Sinn. Im vergangenen Jahr gab Fassott nach acht Jahren das Amt des Vizepräsidenten Verwaltung beim Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG) ab. Als neuer Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rheinauen ließ sich das Amt mit der zeitraubenden Verbandstätigkeit nicht mehr vereinbaren. Eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung.
Jetzt stellte sich aber die Frage, wer Deutschland auf europäischer Ebene im Gremium des Europäischen Gewichtheber-Verbandes (EWF) vertreten kann. Die Wahl bezog sich noch auf seine Kandidatur aus dem vergangenen Jahr. Wie bekannt ist, wurden die Europameisterschaft 2020 und der Wahlkongress Pandemie-bedingt auf 2021 verschoben. Fassott stand noch auf der 2020er Liste. Wegen seines Ausscheidens beim BVDG hätte der Verband keinen anderen Bewerber ins Rennen schicken können. Der Europaverband akzeptierte keine neuen Bewerber.
So klopfte der Bundesverband noch einmal bei Patrick Fassott an. Nach Rücksprache mit seiner Familie gab er grünes Licht für die erneute Kandidatur. Auch ohne sein Beisein entschieden sich die Delegierten für den in Europa zum Beispiel durch seine Aufgabe als Delegationsleiter des deutschen Teams bekannten und geschätzten Kollegen. „Diese Zustimmung freut mich sehr. Ich habe mir in der Zeit ein gutes Netzwerk aufgebaut und Stimmen aus 17 Ländern bekommen. Zeitlich kriege ich das bei zwei Terminen im Jahr auch hin“, ist Fassott zuversichtlich.
Fassott kann jetzt mitentscheiden
Was sind seine Beweggründe für diesen verantwortlichen Posten? „Ich kann jetzt am Verhandlungstisch sitzen und mitentscheiden. Das war vorher nicht der Fall. Es geht mir in erster Linie um Chancengleichheit in unserem Sport, der sauber sein soll. Das war in der Vergangenheit leider nicht immer so. Ich kann jetzt auch in Kommissionen wie etwa der Anti-Doping- Kommission mitarbeiten, wenn das vom Präsidium so entschieden wird“, erklärt Fassott.
Das ist nicht das einzige ehrenamtliche Engagement des Familienvaters. In erster Linie ist der Diplom-Verwaltungswirt seit 2010 Präsident der rheinland-pfälzischen Gewichtheber. Fassott hat das Erbe von seinem Schifferstadter Ziehvater Heinz Kuhn übernommen, der 20 Jahre lange den Verband führte. „Der Heinz hat mich damals gekrallt und gesagt, dass ich sein Nachfolger werden soll. Nach 20 Jahren als aktiver Sportler und 13 Jahren als stellvertretender Vorsitzender meines Heimatvereins AC Altrip wollte ich im Landesverband etwas Neues und andere Themen kennenlernen. Das macht mir mit meinen rheinland-pfälzischen Sportfreunden bis heute viel Spaß“, verdeutlicht Fassott.
Heinz Kuhn sieht in seinem Nachfolger den idealen Präsidenten und schätzt seine Arbeit sehr: „Mit Patrick sitzt der richtige Mann am richtige Ort. Ob das jetzt beim Landesverband ist oder nun auch international. Er macht seine Sache gut.“
Die Bodenhaftung hat der Fan von Bayern München bei allen seinen Ämtern nie verloren. So spielt die Arbeit an und mit der Basis für ihn eine wichtige Rolle. Als kompetenter Hallensprecher bei Bundesligawettkämpfen seines AC Altrip hat er sich früher öfters bewährt. „Ich will immer wissen, was in den Vereinen passiert und wie die Stimmung unter den Mitgliedern ist. Leider sind wir wegen der Corona-Pandemie momentan sehr eingeschränkt“, bedauert Fassott und hofft wieder auf ein Stück Normalität. Wenn es seine Zeit erlaubt und es von den Bestimmungen wieder möglich ist, will Patrick Fassott bei seinem Heimatverein AC Altrip selbst wieder altersgerecht und zu Trainingszwecken zum Eisen greifen.