Ludwigshafen Wie ein Teil der Familie

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„Wir betreuen derzeit 108 Kinder in 82 Familien“, sagt Heike Zimmerling. Gemeinsam mit Sigrid Loerke ist sie für die Fachstelle Adoption m Bereich Vorderpfalz zuständig. In Deutschland werden Adoptionen vom Jugendamt betreut. Der Rhein-Pfalz-Kreis hat einst eine eigene Fachstelle gegründet. Seit 2003 sind die beiden diplomierten Sozialarbeiterinnen auch für die Städte Speyer und Frankenthal zuständig, 2010 kam Ludwigshafen hinzu. Ihre Arbeit umfasst nur den Moment der Adoption. „Wir betreuen Eltern und Kinder auch noch nach zehn oder gar 18 Jahren“, sagt Sigrid Loerke. Zudem beraten sie Mütter oder Paare, die sich entschlossen haben, ihr Kind nach der Geburt zur Adoption freizugeben. „Diese Menschen machen sich ihre Entscheidung nicht leicht“, sagt Heike Zimmerling. „Viele befinden sich in einer schweren Lebenssituation und denken an das Wohl des Kindes.“ Vermittelt werden übrigens nur Neugeborene. „Das ist vielen Leuten gar nicht bekannt“, sagt Sigrid Loerke. Aber gerade beim Thema Adoption kursierten viele Halbwahrheiten und Gerüchte. „Es gibt bei uns keine vollen Waisenhäuser“, sagt sie. Selbst wenn Kinder zu Waisen werden, fände sich in den allermeisten Fällen ein Angehöriger, der das Sorgerecht übernehme. Paare, die sich dazu entschließen, ein Kind zu adoptieren, wenden sich ebenfalls an die Fachstelle im Kreishaus am Europaplatz. Großen Wert legen die beiden Mitarbeiterinnen auf den Aspekt der ergebnisoffenen Beratung. Es werden gemeinsam mit dem Paar beziehungsweise der Mutter Alternativen zur Adoption gesucht. Auch wer einfach nur Informationen zur Adoption haben möchte, ist bei der Fachstelle richtig. Die Gespräche sind vertraulich, auf Wunsch auch anonym. „Manchmal gibt es Dinge, die nicht bedacht wurden“, sagt Heike Zimmerling. „Zum Beispiel, ob das Kind eine andere Hautfarbe haben kann.“ Dabei gehe es nicht um Auslandsadoptionen, schiebt sie gleich hinterher, um keine falschen Erwartungen zu schüren. Deren Anzahl belaufe sich im Kreis „gegen null“. Dass ihr Adoptivkind – wenn ein Elternteil beispielsweise afrikanischer oder asiatischer Abstammung ist, – sofort als solches zu erkennen ist, überfordere so manches potenzielle Elternpaar mit anderer Hautfarbe. Ebenso müssen die Paare die Möglichkeit bedenken, dass es sich bei dem Kind um ein Frühchen handeln könnte, dass in der Entwicklung verzögert ist und deshalb spezielle Bedürfnisse hat. Damit nichts unbedacht bleibt, gibt es für potenzielle Adoptiveltern mehrere Seminare. Dazu kommen viele Gespräche und Hausbesuche von Loerke und Zimmerling. Etwa ein Jahr dauert die Vorbereitungszeit. Die Wartezeit auf ein Kind kann dann auch Jahre betragen. „Wir geben keine Garantie und schon gar keine Frist“, sagt Sigrid Loerke. Bei der Auswahl ist für die Sozialarbeiterinnen ausschlaggebend, dass Eltern und Kind so gut wie möglich zueinander passen. „Im Lauf der Zeit lernen wir die leiblichen Mütter und die Adoptiveltern sehr gut kennen“, erklärt Zimmerling. „Die Mütter erzählen uns, was sie sich für ihr Kind wünschen, und diese Wünsche berücksichtigen wir.“ Deshalb könne man schon beurteilen, wer zu wem passe. „Und dann beginnt die eigentliche Arbeit“, sagt Heike Zimmerling. Die Sozialarbeiterinnen beraten die Familie, das Adoptivkind und dessen leibliche Mutter, beziehungsweise Eltern – unter Umständen weit über das Erwachsenenalter der Kinder hinaus. Denn in Deutschland ist es mittlerweile üblich, dass die Kinder bereits von Anfang an wissen, dass sie adoptiert sind. Loerke und Zimmerling unterstützen die Parteien, zum Beispiel wenn es um den Kontakt zur leiblichen Mutter, beziehungsweise zu den Eltern, geht. Regelmäßig veranstaltet die Fachstelle außerdem Seminare für die Adoptivfamilien. „Das ist für viele ein ganz wichtiger Termin. Die Eltern tauschen ihre Erfahrungen aus, und die Kinder befinden sich unter Gleichen“, erklärt Sigrid Loerke. Da sie meist die einzigen Adoptivkinder in der Kita-Gruppe oder Klasse sind, haben sie automatisch ein Alleinstellungsmerkmal, das den einen mehr, den anderen weniger beschäftigt. Deshalb sei der Kontakt zu anderen Adoptivkindern für sie sehr entscheidend. Doch nicht nur bei Sorgen wenden sich die Schützlinge an Loerke und Zimmerling. Gerade vor kurzem waren sie zum Beispiel zum 18. Geburtstag eines Adoptivkinds eingeladen. „Das hat uns sehr gefreut“, erzählt Heike Zimmerling. „Wir sind für viele mittlerweile zu Familienmitgliedern geworden.“

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