Sommerserie „Wasser Marsch“ (11) RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Stadt sich für mögliches Hochwasser wappnet

Im Juni 2013 bekam das am Rheinufer gelegene Ostasieninstitut „nasse Füße“. Stadt und Metropolregion überlegen sich einiges, um
Im Juni 2013 bekam das am Rheinufer gelegene Ostasieninstitut »nasse Füße«. Stadt und Metropolregion überlegen sich einiges, um auf Hochwasser zu reagieren.

Tulla ist schuld. Zumindest ein bisschen. Mit der Rheinbegradigung wurde der Fluss um 82 Kilometer verkürzt. Doch spätestens der Ausbau des Oberrheins zwischen 1953 und 1977 hat das Hochwasser beschleunigt. Statt 72 Stunden zwischen dem Pegel in Basel und der 258 Kilometer entfernten Neckarmündung braucht die Flutwelle nur noch 36 Stunden.

Im Leben eines Flusses gibt es – im wahrsten Sinne des Wortes – Höhen und Tiefen. Und die wirken sich unmittelbar auf die Anliegergemeinden aus. Wobei es dieser Tage eher das Niedrigwasser ist, das vor allem die Wirtschaft beschäftigt, die mit verbesserten Pegelvorhersagen aber auch ausgebaggerten Fahrrinnen antwortet. Erhöhte Wasserstände können allerdings Leben gefährden.

Fluss erspart der Stadt Lkw-Verkehr

„Das Leben am Fluss birgt Chancen und Risiken.“ So umschreibt es Rainer Ritthaler, Leiter des Bereichs Umwelt bei der Stadt. Zu den Chancen gehört dabei ganz sicher der Hafen mit einem Warenumsatz von jährlich rund sieben Millionen Tonnen. So werden der Stadt täglich rund 6000 LKW-Fahrten erspart, die sich ansonsten durch das Ludwigshafener Straßennetz quälen müssten. Immerhin rund 50.000 Arbeitsplätze hängen mittelbar oder unmittelbar von den Hafenbetrieben im Land ab, sagt deren Leiter Franz Reindl. Und dann ist da noch der Landeshafen Nord mit einem Warenumschlag von rund 2,6 Tonnen jährlich. Überhaupt wickelt die BASF am Standort Ludwigshafen rund 40 Prozent des Warenumschlags per Binnenschiff ab. Aber das ist eben nur die eine Seite der Medaille. Es bleiben die Risiken.

Die fallen in Ritthalers Zuständigkeitsbereich, denn dazu gehört auch der Hochwasserschutz. Eine wichtige Aufgabe, auch wenn die letzte Katastrophe im Winter 1882/83 mit einem Pegelstand von 9,17 Metern schon einige Zeit zurückliegt. Zum Vergleich: Der Mittelwert beträgt 3,13 Meter.

Von Flut wären 70 Prozent der Stadt betroffen

„Von einer Flutkatastrophe wären 70 Prozent des Stadtgebiets betroffen. Das wären rund 100.000 Menschen“, verdeutlicht Ritthaler. Ihr Schutz gelingt nur mit einem Blick über den Tellerrand hinaus. Deshalb wirbt das Hochwasserschutzforum der Metropolregion Rhein-Neckar, einer Region, die gleich zwei Flüsse im Namen trägt, bereits seit 2003 für wirksame Schutzmaßnahmen. Die Metropolregion selbst nahm erst mit dem 1. Januar 2006 die Arbeit auf.

Seither hat sich viel getan. Und das weit über die eigentlichen Flussufer hinaus: „Wir denken am Rhein über Maßnahmen nach, mit denen wir ein 200-jähriges Hochwasser überstehen können“, also ein Hochwasser, das gemäß den Berechnungen in einer solchen Heftigkeit nur alle 200 Jahre vorkommt, erklärt Ritthaler. Aktuell laufe der Schutz auf eine einhundertjährige Katastrophe hinaus – „wenn tatsächlich alle angestrebten Maßnahmen auch umgesetzt werden“, sagt der Umweltfachmann und blickt dabei unter anderem in Richtung Rheinpolder bei Altrip. „Der wäre relativ wirksam, weil er das Aufeinandertreffen der Hochwasserspitzen von Rhein und Neckar verhindern könnte.“

Viele Maßnahmen umgesetzt

Im Gegensatz zu dem politischen Streitfall wurden immerhin schon eine ganze Reihe Maßnahmen umgesetzt. Diese sind im „Gewässerkonzept 2020“ festgehalten, das bereits im Jahr 2001 festgezurrt wurde. Darin stehen beispielsweise alle Regenrückhaltebecken, die in den vergangenen 20 Jahren auf Ludwigshafener Gemarkung entstanden sind, darin stehen auch die Renaturierungsmaßnahmen am Altrhein, darin ist auch die Entwässerung am Autobahnkreuz Ludwigshafen enthalten. Sie fließt nicht mehr über die Kanalisation in den Rhein, sondern hilft dabei mit, den Wasserstand im Maudacher Bruch zu regulieren. Immerhin gehört die Regulierung von Starkregenereignissen fest mit zum Hochwasserrisikomanagement.

Parkinsel durch Spunddielen geschützt

Natürlich wurde auch in den technischen Hochwasserschutz investiert. Als Beispiel nennt er die Parkinsel, die durch nahezu unsichtbare Spunddielen geschützt ist. „Ich glaube, das ist die bessere Lösung, weil die Spundwände einen geringeren Eingriff in die Natur bedeuten.“ Ritthaler hofft, dass sich bei der Rheindammsanierung auf Mannheimer Seite dieser Lösungsansatz ebenfalls durchsetzt. Außerdem wurde die „erste Verteidigungslinie“ der Stadt nach vorne gezogen. Die lag lange Jahre am Kaiserwörthdamm. „Wir beginnen jetzt an der Parkstraße und Lagerhausstraße“, verweist er auf die aufgebauten Schutzvorrichtungen, die die Stadt bis zu einer Pegelhöhe von 10,17 Metern schützen, zumal mit dem Bau der Rhein-Galerie auch eine langjährige Schwachstelle geschlossen worden ist. Mittlerweile sei Ludwigshafen also für eine Hochwasserkatastrophe schon relativ gut aufgestellt – weitere Verbesserungen durch Stadt, Land oder Bund nicht ausgeschlossen.

Die Serie

Ludwigshafen, der Rhein, die Seen, die Brunnen, die Baustellen, die Versorger oder Vereine, die am Wasser heimisch sind – Themen und Geschichten darüber sind Bestandteil dieser Sommerserie.
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