Klassensplitter
Wie die Kickers Neuhofen in der Fußball-A-Klasse bestehen wollen
Der junge Verein Kickers Neuhofen bestreitet erst seine vierte Spielzeit, ist aber bislang schon zweimal aufgestiegen und läuft mittlerweile in der Fußball-A-Klasse Rhein-Mittelhaardt auf. Nach wie vor besteht der Kern des Teams aus Freunden, die sich schon lange kennen und einst gemeinsam beim VfL Neuhofen spielten. Als der VfL 2014 aus der Bezirksliga abstieg, brach die Mannschaft auseinander. Ein paar Jahre später wurde ein Neuanfang gemacht. Freunde und Gleichgesinnte schlossen sich dem FC Arminia an und liefen als Arminia III in der C-Klasse auf. Mit dem Sprung in die B-Klasse war das Maximum erreicht, denn die „Zweite“ des FCA kickte in der A-Klasse. Der Weg nach oben war blockiert, also entschloss man sich 2021 einen neuen Verein zu gründen – die Kickers.
„Der Sprung von der B- in die A-Klasse ist groß. Wir müssen erst einmal ankommen, obwohl wir bislang in keinem Spiel unterlegen, mitunter sogar die bessere Mannschaft waren“, sagt Spielertrainer Sebastian Schiller. Der lizenzierte Übungsleiter, den Co-Trainer Maximilian Fromm unterstützt, war eines der sieben Gründungsmitglieder der Kickers. Pech hatte der Neuling bei der 1:2-Niederlage im Derby bei der SG Limburgerhof. Da vergab Neuhofen kurz vor dem Ende beim Stand von 1:1 eine riesige Chance zum Führungstor und musste dafür in der Nachspielzeit das 1:2 hinnehmen. Statt mit möglichen drei Punkten standen die Kickers nach dem Abpfiff mit leeren Händen da.
Konsequenz vor dem Tor
„Woran wir arbeiten müssen, ist die Konsequenz im letzten Drittel. Bei der Chancenverwertung fehlt uns die Kaltschnäuzigkeit“, hat der 30-jährige Schiller erkannt. Das werde in einer seit Jahren sehr ausgeglichenen Liga mit vielen 50:50-Spielen meist bestraft. Es bedürfe auch einer Umstellung, zu akzeptieren, dass anders als in den drei Jahren zuvor nicht mehr der Großteil der Begegnungen gewonnen werde. Bis zum Aufstieg im Frühsommer hatten die Kickers von 82 Punktspielen nur elf verloren. Trotzdem bleibt der Aufsteiger optimistisch. „Wir haben Rang acht als Ziel ausgerufen, peilen einen gesicherten Mittelfeldplatz an“, verdeutlicht der Coach.
Die Fluktuation blieb – bei einer Gruppe aus Freunden nicht anders zu erwarten – nach dem Abstieg aus. Nicht mehr dabei sind nur Patrick Striebinger, der sich den „Alten Herren“ in Mutterstadt anschloss, und Torhüter Dennis Falkenstein, der zu Mitaufsteiger FG 08 Mutterstadt II wechselte. „Diese Lücke hat Tim Buhl prima geschlossen. Er hat sich bisher als super Rückhalt erwiesen“, betont Schiller. Einen Volltreffer haben die Neuhofener mit der Verpflichtung von Innenverteidiger Alexander Bähr gelandet, der souverän agiere, kaum Fehler mache und sich als absolute Verstärkung entpuppe. „Alex ist ein angenehmer Typ, der nicht nur sportlich, sondern auch menschlich gut zu uns passt“, hat der Coach festgestellt.
Mehr Breite im Kader
Neben Bähr, der auch Führungsqualitäten besitzt, soll Yannick Takpara (31) dem Team mit seinen spielerischen Qualitäten weiterhelfen. In den Jahren 2013 und 2014 absolvierte der offensive Mittelfeldspieler insgesamt drei Oberligaspiele für den FC Arminia Ludwigshafen. „Er arbeitet derzeit Rückstände auf“, berichtet Schiller, der an einem Gymnasium in Mosbach Sport und Geschichte unterrichtet. Der zentrale Mittelfeldspieler Marius Meininger und Defensivallrounder Tobias König, der nach längerer Pause wieder einsteigt, sind weitere Neuverpflichtungen, die dem Kader der Neuhofener die nötige Breite verleihen sollen.
In Neuhofen haben sich mit dem Bau eines neuen Rasenplatzes die Rahmenbedingungen für den Verein verbessert. „Auf dem neuen Gelände wechseln sich der VfL und wir monatsweise mit dem Training ab. Die Spiele finden bis Jahresende noch auf dem alten Platz an der Jahnstraße statt“, erklärt der Kickers-Trainer. Wenn dann bis zum Jahresende der Gebäudekomplex mit Kabinen, Toilettenanlagen und Vereinsheim gebaut sind, kann ab der Rückrunde auf dem neuen Sportplatz gespielt werden. Und noch etwas: Das Verhältnis zwischen dem alteingesessene Traditionsverein VfL und den Kickers wird laut Schiller immer besser. „Man hat gelernt miteinander auszukommen und sich zu akzeptieren“, sagt er. Das ist doch eine gute Nachricht.