Handball Wie die Eulen Ludwigshafen die Eberthalle entzündet haben
Über das Gesicht von Friedrich Schmitt huscht ein Lächeln, als er nach seinem vierten Treffer für die Eulen Ludwigshafen am Samstagabend wieder seine Position in der Abwehr einnimmt. Gegner TuSEM Essen wankt in dieser Spielphase kurz nach dem Seitenwechsel wie ein angeschlagener Boxer über den Platz. Es gibt in der Sportpsychologie einen schönen Ausdruck dafür: Wenn man sich in die Köpfe des Gegners spielt. 27:16 führten die Eulen zwischenzeitlich. Und wenn einmal ein Zuspiel an den Kreis oder ein schnelles Umschalten nicht möglich ist, dann steigt der 2,07-Mann in die Luft und hämmert den Ball eben von der Neunmeter-Linie ins Essener Tor. Es ist zum Haareraufen für den völlig überforderten Gegner. Und hinzu kommt eine Eberthölle, die gleich am ersten Tag ihrem Namen völlig gerecht wird.
„Es hat total Spaß gemacht. Eine mega-geile Stimmung, geile Fans, ein megageiler Auftritt“, ist Schmitt auch nach dem Abpfiff immer noch voller Adrenalin. Nein, so einen Auftakt habe er sich nicht vorstellen können, erklärt der 20-Jährige.
Keine Gegenmaßnahmen
Sein Trainer Johannes Wohlrab tritt derweil ein wenig auf die Euphoriebremse. Dass Schmitt ein tolles Spiel gezeigt habe, stehe außer Frage. „Aber er ist noch jung. Wir müssen schauen, wie es weiter geht. Er weiß das auch und ist sehr reflektiert“, so der Eulen-Trainer, der erst einmal „die Kirche im Dorf lassen“ will.
Und erinnert an die Schlussphase, als Essen den Elf-Tore-Rückstand zumindest halbierte. „Wir müssen diese Qualität auch einmal über die gesamte Spielzeit zeigen“, legt Wohlrab den Finger in die Wunde. Verweist aber auch auf die fast perfekten neun Minuten gegen einen Gegner, der auf einigen Position gut besetzt ist. Die Eulen haben Felix Göttler, der am Ende auf drei Tore kommt, gut im Griff. Die Gastgeber sind auf den meisten Positionen besser besetzt als der Gegner. „Wir haben eine junge Mannschaft, das hat man heute gesehen“, stellt Gästecoach Daniel Haase fest. In der zweiten Hälfte habe sein Team keine Waffe gefunden, um ins Spiel zurückzukommen.
Halle angezündet
Wichtig ist auch, dass die Spieler auf der Platte zusammenpassen. Neuzugang Vincent Bülow und Marc-Robin Eisel harmonieren bestens in der Schaltzentrale. Allein Rene Zobel wirkt an diesem Tag etwas unglücklich. „Wir wissen, was wir an ihm haben. Es wird in dieser Saison Spiele geben, in denen uns Rene die entscheidenden Tore machen wird“, gibt sich Wohlrab in dieser Personalie optimistisch.
Die Eulen Ludwigshafen haben einen perfekten Start hingelegt. Sie haben es geschafft, nach dem 8:8 die Kontrolle im Spiel zu übernehmen und vor allem den Funken in der Eberthalle zu entfachen. Mit dieser Leistung haben sie Werbung in eigener Sache gemacht. Das weckt Lust auf eine Wiederholung. Nicht nur bei Friedrich Schmitt.