Die Meinung aus der Stadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die BASF ihr Kellereifest unter Corona-Bedingungen auf die Beine stellt

So sah es im Jubiläumsjahr 2015 aus: Zu Wein und Musik gab es noch ein Riesenrad.
So sah es im Jubiläumsjahr 2015 aus: Zu Wein und Musik gab es noch ein Riesenrad.

Das winzige Coronavirus bremst auch ein riesiges Unternehmen wie die BASF aus. Das traditionelle Kellereifest kann angesichts der Pandemie nicht wie gewohnt an der Anilinstraße gefeiert werden. Bernhard Wolff und Sven Feldmann erklären, wie der Chemiekonzern stattdessen auf das „Kellereifest@home“ kam und wie diese Idee nun um die ganze Welt geht.

Herr Wolff, wann und wie ist denn die Idee entstanden, das Kellereifest virtuell zu feiern?
Wolff: Die Idee hatte unser Vorstandsmitglied und Standortleiter Michael Heinz. Er sagte, wenn wir das Kellereifest nicht feiern können, dann bieten wir es online mit einer Weinprobe für daheim an. Diese Idee haben wir sehr dankbar aufgenommen. Michael Heinz wird am Freitag auch zugeschaltet sein. Er möchte als Gastgeber die Gäste zu Hause begrüßen.

Gab es Vorbilder für die Aktion?
Wolff: Wir hatten von einer Online-Weinprobe bei SAP gehört mit 900 Teilnehmern. Das war dann unsere Zielmarke. Aber inzwischen haben wir schon 2600 Pakete verkauft. Über unseren Weinverkauf haben wir mittlerweile auch Weinproben über Webex und Instagram angeboten. Das hat gut funktioniert. Die Corona-Pandemie bringt uns Neues, und wir erkennen deren Potenziale. Wie sagt man so schön: Not macht erfinderisch.

Wie groß ist denn der Aufwand? Wer muss was machen?
Feldmann: Jeder bringt seine Stärken ein, der Weinkeller, die Techniker, die Küche, das Veranstaltungsmanagement. Das Kellereifest ist ja über Jahrzehnte bei allen Kollegen eingeübt. Jetzt ist alles neu.

Sie sagten eben, die Küche bringt sich auch ein. Wollen Sie den Zuschauern etwas voressen?
Feldmann: (lacht) So ungefähr. Wir stellen Vorschläge ins Netz, was man zu den Weinen essen kann. Ich bin am Abend mit dabei und erläutere im Gespräch, warum diese Snacks ausgewählt wurden und wie man sie zubereitet.

Und was wird das sein?
Feldmann: Das, was ich dazu machen würde. Wir werden rechtzeitig vorab die Einkaufsliste veröffentlichen. Und keine Angst: Das wird nicht aufwendig.

Wolff: Alle wichtigen Infos und eine Checkliste für unsere Gäste zu Hause findet man auf unserer Homepage www.weinkeller.basf.de. Man sieht an dem Abend, wie man eine Weinprobe veranstaltet, was alles dazu gehört, was man dabei lernen kann und was kulinarisch zu den Weinen passt. Denn Essen und Trinken gehören zusammen.

Wie unterscheidet sich denn die Vorbereitung in diesem Jahr von den Vorjahren?
Feldmann: Früher überlegten wir, wie viele Kilos Pommes und Bratwurst wir brauchen. Jetzt geht es darum, passende Kleinigkeiten zum Wein auszuwählen und schön zu präsentieren.

Wolff: Meine Leute hatten sich erst gefreut, dass wir auf dem Platz die umfangreichen Aufbauarbeiten nicht haben. Aber wir haben nicht erwartet, dass wir so viel packen müssen – 2600 Pakete sind über 10.000 Flaschen Wein. So viele Flaschen haben wir sonst nicht an einem Abend auf dem Kellereifest geöffnet.

Man macht damit also das Beste aus der Situation.
Wolff: Ja, und man sieht: Jeder sehnt sich nach Lebensqualität ...

Feldmann: ... und möchte mal wieder etwas erleben.

Wolff: Genau, und wir bieten es so an, dass niemand in Gefahr kommt. Wir feiern gemeinsam, aber doch mit Abstand.

Zum Paket gehören ein Secco und drei Weine. Alles aus der Pfalz. Wie kam die Auswahl zustande?
Wolff: Die BASF ist in der Region verwurzelt. Auch beim Kellereifest gibt es vor allem auch Pfälzer Weine. Daher war klar: Für die Weinprobe nehmen wir Pfälzer Erzeuger. Wenn Sie so wollen: Es ist ein kleines Best of.

Das heißt?
Wolff: Jochen Gradoph, der Winzer, der den Secco liefert, ist zum Nachwuchswinzer des Jahres gekürt worden. Dann haben wir den Riesling des Forster Winzervereins. Die Rieslinge aus der Pfalz sind Weltklasse. Und der Liter-Riesling ist der meistgetrunkene Wein auf dem Kellereifest. Der Name des Rosé ist „Danke“. Denn das Weingut Zeter unterstützt damit ein soziales Projekt. Das freut uns, und das unterstützen wir gerne. Dann noch der Rotwein: Markus Schneider ist in aller Munde und war schon Weinpersönlichkeit des Jahres. Sogar dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama haben seine Tropfen geschmeckt.

Wird noch mehr geboten?
Feldmann: Ja, die Band Me an the Heat, die ja traditionell am Freitagabend spielt, ist auch dabei. Nach dem Motto: vier Weine, vier Songs. Das Ganze dauert etwa eineinhalb Stunden. Wir senden unsere Weinprobe und Gespräche live aus dem Gesellschaftshaus. Die Aufzeichnung wird dann später über unsere Homepage abrufbar sein.

Wie ist denn Ihre Gefühlslage: Trauern Sie dem klassischen Fest nach?
Wolff: Ich schaue sonst immer, wie sich das Wetter entwickelt. Diese Sorge habe ich jetzt nicht. Jetzt muss nur die Technik mitspielen. Aber für die haben wir ja Experten im Haus.

Feldmann: Ich hatte im Frühjahr schon mein Konzept für die Bewirtung fertig. Ich hoffe, dass ich es nächstes Jahr umsetzen kann. Alle meine Leute hätten gerne auf dem Fest gearbeitet. Für sie es ungewohnt, dass sie frei haben.

Wolff: Wir hoffen alle auf einen tollen Abend am 4. September. Aber natürlich wünschen wir uns für 2021 wieder ein Kellereifest an der Anilinstraße – mit Band und Gästen.

Wie sind denn die Reaktionen auf das neue Angebot?
Wolff: Wir können jetzt mit Menschen feiern, die ganz weit weg sind. Eine Kollegin aus Korea sagte uns, dass sie trainiert, um lange genug wach bleiben zu können. Ein Kollege aus Irland hat uns freudestrahlend ein Bild mit dem Weinpaket geschickt. Wir feiern fast weltumspannend.

Feldmann: Für die ganze BASF-Belegschaft und die Region ist das Kellereifest ein beliebtes Event.

Wolff: Manche Kunden haben sich schon gemeldet, dass ihr Paket bereits leer sei. Wir sorgen dafür, dass die Weine die ganze Woche über in unserem Weinfachgeschäft vorrätig sind und das Paket noch gekauft werden kann.

Zur Person

Bernhard Wolff (55) wurde in Neustadt geboren, hat VWL studiert und kam nach Stationen bei den Weingütern Dr. Bürklin Wolf und Reichsrat von Buhl 1999 zur BASF-Weinkellerei. Deren Leiter ist er nun im siebten Jahr.

Sven Feldmann (49) stammt aus dem Siegerland und ist ausgebildeter Koch. Seit über zwölf Jahren ist er bei der BASF tätig. Er war Küchenchef und ist seit April 2020 Executive Chef Restaurant- und Hotelservice der BASF-Gastronomie.

Termin

Kellereifest@home am Freitag, 4. September, ab 19 Uhr. Weitere Informationen und der Link zum Livestream: www.weinkeller.basf.de. Wer spontan mitfeiern möchte, kann sich im Laufe der Woche das Weinpaket im Geschäft der BASF in der Anilinstraße kaufen.

Zur Sache

Das Kellereifest findet normalerweise an zwei Tagen (Freitag und Samstag) im September auf dem großen Parkplatz an der Anlilinstraße statt. Im Mittelpunkt stehen Wein und Musik. Zum Jubiläum 150 Jahre BASF gab es 2015 obendrein ein Riesenrad. Jedes Jahr werden Tausende Besucher angelockt, 2019 waren es wetterbedingt nur 7300, 2018 sowie 2016 jedoch über 14.000. Das Kellereifest wird seit über 40 Jahren gefeiert. Zu den Topacts zählten Matt Bianco, Barclay James Harvest, Mike and the Mechanics, 10CC und das Electric Light Orchestra.
Stargast 2019: die Band Matt Bianco.
Stargast 2019: die Band Matt Bianco.
Dieses Mal muss mit Abstand gefeiert werden.
Dieses Mal muss mit Abstand gefeiert werden.
Bernhard Wolff (links) und Sven Feldmann freuen sich schon auf den 4. September.
Bernhard Wolff (links) und Sven Feldmann freuen sich schon auf den 4. September.
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