Ludwigshafen
Wie der Teamgeist einer Firma auch im Homeoffice lebendig bleibt
Das Wort „Kontor“ oder auch „Contor“ stammt aus dem Französischen. Im Spätmittelalter wurde eine Niederlassung von hansischen Kaufleuten im Ausland als Kontor bezeichnet. Auch Büros und Zweigstellen von Banken wurden früher Kontore genannt. Das ist deshalb interessant, weil die Softwarekontor GmbH auf den ersten Blick wenig mit der guten alten Zeit zu tun hat. „Die Welt ein kleines Stück digitaler und besser machen – das ist unsere Vision“, heißt es auf der Website des Ludwigshafener Unternehmens der Gesellschafter und Geschäftsführer Peter Schubert und Martin Mosetter. Digitalisierung sei das Mittel, um die tägliche Arbeit und den Umgang mit Software und technischen Geräten effizient und smart zu gestalten, erklären die Macher. Aber dann kommt auch schon die Tradition und damit der Begriff „Kontor“ ins Spiel: „Bei der Umsetzung von Digitalisierung soll der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Herausforderungen im Mittelpunkt stehen.“
Offenbar ist es der 1999 gegründeten Firma, die seit zehn Jahren ihren Sitz in der Amtsstraße hat, gelungen, dieses Ideal auch mit Leben zu füllen. Denn im Jahr 2018 wurde das Softwarekontor, das ursprünglich als Drei-Mann-Projekt in der BASF angefangen hat und inzwischen knapp 50 Mitarbeiter beschäftigt, vom Land als Zukunftsunternehmen ausgezeichnet. „Bei der Bewerbung um den Preis für soziale Nachhaltigkeit überzeugten wir nicht nur mit unserem Engagement in sozialen Projekten im regionalen und internationalen Kontext, sondern auch mit der Übernahme von Verantwortung für Mitarbeiter. Diese umfasst individuelle Arbeitszeitmodelle und vielfältige Maßnahmen zur Förderung der physischen und psychischen Gesundheit. Hinzu kommt die Förderung regionaler Start-Ups und Kooperationen mit Hochschulen und Unternehmen“, bilanzieren die Chefs. Im Jahr 2019, also anlässlich des 20. Jubiläums, hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 500 kleine und große Projekte begleitet.
Rezepte der Kollegen gesammelt
Aktuell arbeiten die Mitarbeiter überwiegend in ihren heimischen Büros, wie Julieta Rossi und Lena Bausch erzählen. Rossi arbeitet als Assistentin der Geschäftsführung im Softwarekontor, Bausch gestaltet als Designerin Anwendungsflächen. Und nebenbei haben die zwei Frauen jetzt auch noch ein Softwarekontor-Kochbuch zusammengestellt und designt. Ein Verlag hätte das nicht besser hinbekommen. Und erst recht nicht so schnell.
In der Firma spielt das gesellige Miteinander – Geburtstagsfeiern der Mitarbeiter, ein gemeinsames Grillfest im Sommer, ein Wandertag, eine Weihnachtsfeier im Dezember – eine wichtige Rolle. Weil das alles coronabedingt nun eine Weile nicht oder nur in ganz kleinen Kreisen möglich war, haben die beiden Frauen alle Kollegen gebeten, ihre Lieblingsrezepte aufzuschreiben und diese in einem robusten Kochbuch mit vielen schönen Bildern gebündelt. Von A wie Apfelkuchen über Käseknödel und Nudelsalat bis Z wie Zucchini-Linsensuppe mit Kokos. Auch wenn viele Feiern im Büro wegen der Pandemie ausfallen mussten, konnten sich die Mitarbeiter zum Beispiel Tabeas beliebten Kartoffelsalat oder den köstlichen Käsekuchen von Liz wenigstens daheim zubereiten und schmecken lassen, erzählt Julieta Rossi in einer Videokonferenz.
Virtuelle Weihnachtsfeier bis nach Mitternacht
Im vergangenen Herbst hatten die zwei Frauen damit begonnen, die Rezepte zu sammeln und das Kochbuch zu gestalten. Pünktlich zum Jahresabschluss Mitte Dezember war alles fertig. Das Kochbuch wanderte dann mit vielen anderen Geschenken ins Weihnachtspaket, das an jeden Mitarbeiter verschickt wurde. „Alle waren total begeistert“, schildert Rossi die Reaktionen bei der virtuellen Weihnachtsfeier, die bis nachts um 2 Uhr gedauert habe. Nach der traditionellen Rede von Geschäftsführer Peter Schubert hätten die Mitarbeiter in kleinen Gruppen einen sehr schönen Abend miteinander verbracht und zum Beispiel – getrennt voneinander, aber doch gemeinsam – gekocht, getrunken und gelacht.
Eine zweite Auflage des Kochbuchs ist schon in Planung. Die soll dann auch an Geschäftskunden und andere Interessenten verteilt werden, erzählt Lena Bausch. Denn nach der Weihnachtsfeier ist vor der Weihnachtsfeier. Dass wegen der Corona-Pandemie die meisten Softwarekontor-Kollegen von zu Hause aus arbeiten, hat nach Einschätzung der beiden Frauen dem guten Teamgeist und der familiären Atmosphäre im Unternehmen nicht geschadet. Bausch, die an der Bergstraße wohnt, und Rossi, die normalerweise von der Weinstraße nach Ludwigshafen pendelt, spart die Arbeit im Homeoffice zudem täglich viel Zeit. Daher konnte sie sogar ihre Teilzeitbeschäftigung etwas aufstocken.
„Waren technisch darauf eingestellt“
Auch Geschäftsführer Peter Schubert ist überrascht, wie gut die Zusammenarbeit des ganzen Teams gerade funktioniert, obwohl nur noch wenige Mitarbeiter in den Büros in der Amtsstraße arbeiten, sondern fast alles online erledigt wird. Bis vor der Pandemie habe er immer viel Wert auf Präsenz gelegt. Jetzt sei er erstaunt, dass es auch anders geht. Aber er betont auch: „Wir waren technisch gut darauf eingestellt.“ Für die Mitarbeiter sei es schon vor Corona möglich gewesen, von zu Hause zu arbeiten, wenn zum Beispiel familiäre Gründe das nötig gemacht haben.
Seit Januar betreut das Softwarekontor Peter Schubert zufolge als Generalunternehmer alle Microsoft-Anwendungen in der BASF. Weitere Auftraggeber sind zum Beispiel die Metropolregion Rhein-Neckar, Alnatura und die IHK Pfalz sowie die Hochschule Worms. Den Standort mitten in Ludwigshafen schätzt der Mitbegründer der GmbH auch wegen der Infrastruktur in der Stadt, der familiären Atmosphäre in der Nachbarschaft und des vielfältigen gastronomischen Angebots im Umfeld. Das hoffentlich bald wieder öffnen darf, wünscht sich der Unternehmer.