Aufsteigerporträt
Wie der FG 08 Mutterstadt II der Aufstieg in die A-Klasse gelingt
Zwei Tage nach dem entscheidenden Spiel im heimischen Sportpark war Trainer Dominik Weber wieder topfit. „Die Stimme ist auf dem Weg der Besserung“, sagt der 30 Jahre alte Coach und lacht. Die zweite gute Nachricht gibt es gleich hinterher. Das Clubhaus der FG steht noch und ist unversehrt. Im Überschwang der Gefühle hatte Weber auf die Frage, wie der Aufstieg gefeiert werde, unter anderem geantwortet, dass man „das Clubhaus abreißen“ werde. Unversehrt ist jedoch relativ. „Wir werden das Haus von Grund auf reinigen“, erklärt der Coach. Hier ein Pizzakarton, da eine leere Flasche und auf dem Boden der eine oder andere Bierfleck. In ein paar Minuten wird die Aktion sicher nicht über die Bühne gegangen sein.
Aber man steige schließlich nicht jeden Tag auf. „Für die meisten ist es der erste Aufstieg, da darf man es auch mal krachen lassen“, stellt Weber klar. Für ihn selbst sind als Spieler Relegationspartien im Trikot des ASV Edigheim einmal negativ und einmal positiv ausgegangen. Dazu ist er einmal mit dem TuS Dirmstein direkt aufgestiegen. Jetzt folgte vor der stattlichen Kulisse von 600 Zuschauern im Sportpark sein erster Triumph als Übungsleiter. Aufgrund der überraschend hohen Besucherzahl habe die FG trotz perfekter Organisation des Doppelspieltages von erster und zweiter Garnitur sogar Bier nachordern müssen.
Präsenz am Spielfeldrand
„Die Haßlocher haben uns im Hinspiel zunächst auf dem falschen Fuß erwischt, aber ich war überrascht, dass sie uns in der zweiten Partie in Mutterstadt spätestens nach dem 2:0 weitgehend in Ruhe gelassen und keinen großen Druck ausgeübt haben“, wundert sich Weber, der an der Linie ständig korrigiert, aufmuntert und neue Anweisungen gibt. „Ich weiß, dass ich sehr präsent bin und lautstark sein kann“, drückt es der Trainer diplomatisch aus. Und schiebt nach einer kleinen Pause nach, „dass ich deswegen gegnerische Fans oder Kollegen mitunter nerve“. Die vor der Partie festzustellende Anspannung habe sich schließlich irgendwie entladen müssen.
Vielleicht hat ja auch der Kunstrasen einen Teil zum Erfolg beigetragen. „Wir sind sehr heimstark, haben auch in der Liga nur ein Spiel zu Hause verloren“, betont Weber, der seinen Vertrag bis 2025 verlängert hat. Beim 2:3 gegen Meister TuS Friedelsheim habe der gegnerische Trainer Nicolas Wrede zugeben, dass die FG die bessere Mannschaft gewesen sei. Ein weiterer Pluspunkt neben der Heimstärke ist die Einstellung. „In der Winterpause haben wir gut dagestanden. Es hat klick gemacht bei der Mannschaft, die danach noch einen Tick besser und konzentrierter gespielt hat“, analysiert der Coach.
Zu viele Gegentreffer
Trotz des Aufstiegs hat der 30-Jährige aber auch Schwächen gefunden: „Die Mannschaft braucht Führung. Deshalb war es immer dann schwierig gewesen, wenn die wichtigsten Akteure gefehlt haben“, erklärt Weber. Zu den Führungsspielern zählen die drei Kapitäne Marco Malizia, Jan-Luca Jung und Daniel Leicht, der auch Vorstandsmitglied ist. Dazu gesellen sich Abwehrchef Simon Pankner und Torwart Mike Horder, der einen hohen Stellenwert im Club hat und der FG nach Beendigung seiner Laufbahn als Torwarttrainer erhalten bleibt. „Mitunter sind wir auch im Spielaufbau zu hastig und verlieren zu oft die Bälle“, ergänzt der Coach.
Die Mixtur aus diesen Punkten führte zu einigen Partien, in denen Mutterstadt schlecht aussah. 2:5 in Mußbach, 1:5 bei Niederkirchen II, 0:6 bei Deidesheim II und 0:3 in Friedelsheim sind happige Niederlagen und ungewöhnlich für einen Vizemeister. Die 44 Gegentreffer in 22 Begegnungen haben Weber missfallen, auch weil viele nach groben Patzern fielen. Als Knackpunkt nennt der Trainer das Spiel bei Seebach II Mitte April. 0:2 lag die FG schon zurück, schaffte aber noch den Ausgleich. Da war der Ruhepuls Webers wieder im Normbereich. Das war vor der Partie anders, weil die Trikots in Mutterstadt vergessen wurden. „Ich habe getobt, was man in Grünstadt noch gehört haben dürfte“, erzählt er schmunzelnd.
Wie gut das Verhältnis zwischen den beiden Mutterstadter Mannschaften ist, zeigt folgende Begebenheit, die ein Schlüssel des Erfolgs ist. „Zu unserem ersten Relegationsspiel in Haßloch sind 22 Leute von der Bezirksligatruppe gekommen und haben uns unterstützt“, freut sich Weber. Umgekehrt haben die Akteure der „Zweiten“ die erste Garnitur im Aufstiegsspiel gegen Nieder-Olm lautstark angefeuert, auch gesanglich variantenreich agiert. In diesen 90 Minuten wurde der Grundstein für die rauschende Feier im Clubhaus gelegt.