Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der 90-jährige Helmut Leger nach einem schweren Unglück neue Talente entdeckte

Blickt auf ein erfülltes Leben zurück: Helmut Leger, der Ehrenvorsitzende des BSV Ludwigshafen.
Blickt auf ein erfülltes Leben zurück: Helmut Leger, der Ehrenvorsitzende des BSV Ludwigshafen.

Helmut Leger vom BSV Ludwigshafen war ein talentierter Fußballer, ehe die Explosion eines Kesselwagens sein Leben jäh verändern sollte. Am Freitag feiert er seinen 90. Geburtstag. Leger prägte den Behindertensport in Ludwigshafen und in Rheinland-Pfalz wie kaum ein anderer.

Leger war von jeher ein Teamplayer und ist es auch heute noch. Großen Rückhalt bei seinem ehrenamtlichen Engagement erhielt er dabei immer von seiner Familie – Ehefrau Ursula und den Kindern Martina und Andreas - und seinen Weggefährten, wie beispielsweise Ulrich Roßmer. „Wenn die Familie nicht mitgezogen hätte, wäre das alles gar nicht gegangen.“ Der 90-Jährige wird nicht müde, dies immer und immer wieder zu betonen. „Ich wurde von allen Seiten bei meiner Arbeit sehr unterstützt“, sagt er bescheiden. Besonders die lecker-duftenden Waffeln seiner Gattin bleiben ihm dabei in Erinnerung. Um Geld für den Verein zu sammeln, stand sie seinerzeit stundenlang in der Küche, um Waffelteig für den Verkauf im Rathaus-Center zu produzieren. „Das wurde von Jahr zu Jahr mehr“, erzählt Ursula Leger schmunzelnd. Und die Kassen des BSV füllten sich.

15 Titel mit den Wasserballern

Der 28. Juli 1948 sollte das Leben des damals 17-Jährigen von dem einen auf den anderen Moment auf dramatische Art und Weise schlagartig verändern. Bei einer Explosion eines Kesselwagens bei seinem Arbeitgeber BASF verloren 207 Menschen ihr Leben, 3800 wurden verletzt. Unter ihnen: Helmut Leger. Zwar überlebte er, aber eine einstürzende Hallendecke zerquetschte sein Bein knieabwärts. Es folgte eine Amputation. Bis zu jenem Tag trat Leger bei Phönix Ludwigshafen als rechter und linker Verteidiger, später dann als Mittelläufer gegen das runde Leder. „Hinter vorgehaltener Hand sprach man davon, dass ich ein Talent sei“, sagt Leger, der in der Pfingstweide wohnt, augenzwinkernd. Seine Karriere als Fußballer war durch den Unfall beendet, eine beispiellose Laufbahn im Behindertensport sollte folgen.

15 Titel gewann er mit dem Team des BSV im Wasserball, auch im Schwimmen und Sitzball sammelte er Meriten. Seine Leidenschaft für den Sport konnte auch die Amputation nicht stoppen. Bei seinem Rehaufenthalt in Heidelberg-Schlierbach fand er zuerst Halt in einer Schwimmgruppe, lernte zudem Sitzball kennen. Helmut Leger wollte nicht einfach „nur so“ Sport treiben, sondern ambitioniert und mit Ehrgeiz. Nach seiner Rückkehr aus Heidelberg schloss er sich der Versehrtengruppe in Mannheim an, ehe er in seine Heimatstadt Ludwigshafen wechselte. 1957 wurde der BSV – damals noch unter dem Dach des TFC Ludwigshafen - gegründet und Leger startete direkt voll durch, als Sportler und Funktionär.

Das kühle Nass blieb bis zuletzt sein Element. Noch im Alter von 77 Jahren spielte der frühere Elektro-Ingenieur Wasserball und bis im hohen Alter von 87 Jahren fungierte er als Übungsleiter für „seinen“ BSV im Aqua-Jogging. Ein Vierteljahrhundert lang leitete Helmut Leger als Vorsitzender die Geschicke des Vereins. Engagiert setzte er sich für Menschen mit Behinderung ein. Vor allem der Nachwuchs lag ihm dabei immer am Herzen. Für sein Wirken erhielt er die höchsten Auszeichnungen der Stadt und die Sportplakette des Landes Rheinland-Pfalz.

Ehrenvorsitzender des BSV

Eine Herzensangelegenheit war für Leger das Vereinsheim inklusive Badeplatz „An der Blauen Adria“, ein Kleinod zum Entspannen, Erholen, aber auch zum Sport treiben. Nicht nur beim BSV hat er den Ehrenvorsitz, auch der Behindertensportverband Rheinland-Pfalz hat ihn zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Anfang der 1990er Jahre übernahm er das Amt des Landesspielwarts, organisierte alle Aktivitäten und Wettkämpfe im Mannschaftssport, war zudem auch Schiedsrichter.

Mit seinen 90 Jahren gehört Leger noch lange nicht zum „alten Eisen“. Ganz im Gegenteil. Seit 2014 engagiert er sich im Beirat für Menschen mit Behinderung.

Wenn der Ludwigshafener heute auf sein Leben zurückblickt, sagt er, sei er einfach nur zufrieden. „Es ist eigentlich alles so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Kummer bereitet dem BSV-Urgestein die Corona-Pandemie. „Man weiß ja nicht, wie alles weitergeht.“ Auch seinen 90. Geburtstag wird er nicht wie gewohnt feiern können. „So einen großen Raum gibt es gar nicht“, sagt Ehefrau Ursula Leger lachend.

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