Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Wie das Miteinander in der Nachbarschaft gelingt

Gute Nachbarschaft: Gemeinsames Kaffeetrinken im Ruchheimer Friedlandweg.
Gute Nachbarschaft: Gemeinsames Kaffeetrinken im Ruchheimer Friedlandweg.

„Nachbarschaft ist gar nicht so kompliziert, wenn man bereit dazu ist, auf seine Nachbarn zuzugehen“ – so philosophierte Redakteurin Christiane Vopat Anfang Juni in ihrer Quintessenz. Beinahe könnte sie dabei die Nachbarschaft im Ruchheimer Friedlandweg vor Augen gehabt haben. Hier funktioniert das Miteinander seit über 40 Jahren.

Wer in den Friedlandweg einbiegt, macht eine Zeitreise. In eine Zeit, in der Nachbarn miteinander gesprochen haben, in der gegenseitige Hilfe eine Selbstverständlichkeit und keine Bürde war – eine Zeit des Miteinanders. Die 13 Flachdach-Bungalows in dem Baufeld am Ruchheimer Ortsrand in Richtung Mutterstadt sind seit Ende der 1970er-Jahre ein kleines Dorf im Dorf. Eine gewachsene Einheit, in der zwar auch gestritten wird, „aber nur gemeinsam und meistens gegen die Verwaltung“, erzählt Edgar Stöfler und lacht.

Stöfler bezog sein Haus im Jahr 1977. Nach und nach wurden auch die übrigen Grundstücke in dem Baufeld belegt. „Und wir haben von Anfang an Wert auf die Gemeinschaft gelegt.“ Eine Kaffeetafel mit selbst gebackenem Kuchen in einer der Nischen ist deshalb keineswegs ungewöhnlich, sondern entspricht dem Lebensgefühl der Ehepaare, die hier gemeinsam Kinder aufgezogen haben, gemeinsam alt geworden sind.

Handball und Sommerfeste

Silvia Mantel ist mit ihrem Mann der jüngste Neuzugang. „Wir wohnen jetzt seit fast drei Jahren hier“, berichtet sie und weiß auch, was erwartet wird: „Unser Einstand steht noch aus. Den müssen wir noch machen.“ In der gemeinsamen Runde sind sie natürlich schon willkommen. „Jeder bringt sich hier ein. Und jeder so, wie er es eben kann“, sagt Brigitte Ruff. Sie und ihr Ehemann Hans sind nicht nur die letzten Häuslebauer, sondern auch „Alterspräsidenten“ der Runde. „Wir haben vom Handwerker bis zum Akademiker alles dabei“, ergänzte Stöfler. Viel wichtiger als Herkunft oder Beruf sei die Bereitschaft zum Zusammenhalt. Und diese sei bei allen ausnahmslos vorhanden.

Wie stark dieser Zusammenhalt ist, zeigt ein Abriss über die Aktivitäten der Straßen-Wohngemeinschaft: „Wir hatten bei den Jedermann-Turnieren unsere eigene Handballmannschaft“, trainiert und motiviert vom ehemaligen Feldhandball-Weltmeister Hans Ruff. Beim Kerweumzug kam immer ein Beitrag aus dem Friedlandweg, und große gemeinsame Sommerfeste mit musikalischer Untermalung waren ohnehin an der Tagesordnung – zumindest bis vor zehn Jahren. Das Ende kam unvorhergesehen: So hat sich nicht etwa ein Nachbar wegen der Lautstärke beschwert. Vielmehr machte die GEMA Gebühren geltend. Und das im Nachhinein. „Da hatten wir das Geld, wie immer, schon gespendet.“ Die Rechnung wurde natürlich ebenfalls beglichen, „aber seither feiern wir nur noch im kleineren Kreis und ohne musikalische Umrahmung.“

Gewachsene Gemeinschaft

Es sind die Kleinigkeiten, die die gute Nachbarschaft ausmachen. Auch längst vergangene „Kleinigkeiten“. „Hier wurde zwar kein Kind geboren, die haben wir alle schon mitgebracht als wir eingezogen sind“, erzählt Brigitte Ruff. Aber dafür hatten alle Kinder auch gleich mehrere Anlaufstellen. „Wenn die Eltern nach der Schule mal nicht zu Hause waren, dann haben sie eben bei den Nachbarn gegessen und Hausaufgaben gemacht“, erzählt Wilma Stöfler.

„Schon Schlüssel getauscht“

Und es sei durchaus nichts Ungewöhnliches, auch einmal in den Abendstunden an der Tür nebenan zu klopfen, wenn im Haushalt Eier fehlen. „Die meisten haben hier auch schon Schlüssel getauscht.“ Blumen gießen oder den Briefkasten leeren im Urlaub? Eine Selbstverständlichkeit.

Das bekam zuletzt das Ehepaar Ruff zu spüren: „Wir waren Anfang des Jahres mit Corona in Quarantäne.“ Versorgungsengpässe gab es nicht. Der Zettel mit Bestellungen hing am Briefkasten, die Nachbarn kauften abwechselnd ein. „Dafür waren wir wirklich enorm dankbar“, berichtet Brigitte Ruff. Aber eigentlich eine Selbstverständlichkeit in der über Jahrzehnte gewachsenen Gemeinschaft. „Wenn jemand Hilfe braucht, dann sind wir füreinander da.“ Ein leuchtendes Beispiel für gelebte Nachbarschaft und leider längst nicht mehr überall selbstverständlich.

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