Mannheim
Wenn Flöte und Gitarre kämpfen: Vielseitiger Sound von Matija auf der Sommerbühne
Ein kräftiges Stück Alternative Rock und ein paar Krümel vom Grunge, hier und da ein Spritzer Hip Hop, ein Schuss Americana und wenn die Musiker zwischendurch mal jammen, merkt man auch ein bisschen Fusion. Ach ja, da gibt es auch mal so Akkord-Brechungen, die bei elektronischer Musik automatisch erzeugt werden – das machen die Musiker von Matija aber von Hand. Das Beste aber ist, dass sich diese Elemente zu einer sehr stimmig wirkenden Mischung zusammenfügen.
In Mannheim sind auf der Bühne Matt Kovac, der singt und Bass oder Gitarre und Blockflöte spielt, Jan Salgovic, der Keybord und Gitarre bedient, aber auch mal den Bass. Am Schlagzeug sitzt Sami Salman. Bis 2019 war noch Johann Blake dabei, der Bass, Keyboards und Backing Vocals beisteuerte, er ist im vergangenen Jahr ausgestiegen. Der fehlende Mann wird mit ein paar Einspielern ersetzt.
Gegründet wurde die Band Anfang 2011 wo alle Musiker sich als Schüler des Münchner Maximilian-Gymnasiums kennenlernten. Damals nannten sie sich noch „The Capitols“, nicht wissend, dass es mal in den 60ern eine Soulband aus Detroit gab, die so hieß. Die Münchner wurden in der lokalen Szene schnell bekannt, vermutlich haben sie damals schon die enorme Live-Energie gehabt, die jetzt auch in Mannheim Eindruck machte. 2016 entdeckte sie der Hamburger Produzent Johann Scheerer und bot ihnen einen Vertrag bei seinem Label Clouds Hill an. Da änderte die Band den Namen und wählte „Matija“, den bürgerlichen Vornamen des Sängers, der eigentlich Matija Chlupacek heißt.
Weg mit dem Tomtom
Und der Label-Chef gab der Band offenbar wichtige kreative Impulse. In einem Interview erzählen die Musiker, dass der Produzent auf Reduktion setzt: Er nahm dem Schlagzeuger Tomtoms und einige Becken weg, stellte den Bassisten an einen Synthesizer und wollte von dem typischen Brit-Sound vieler Alternative Gruppen weg. Diese Reduktion sei gleichsam befreiend gewesen, erzählen die Musiker. Das erste Album „Are We an Electric Generation Falling Apart?“ erschien 2017. Das klang schon nach gutem Songwriting, mit differenzierter Produktion und Retro-Touch durch die analogen Synthie Klänge.
Live in Mannheim wirkt das Ganze wieder etwas rauer und energischer – was den Spaßfaktor nochmal erhöht. Ziemlich verblüffend ist die Blockflöte. Die wird mikrofonisch abgenommen und Kovac schickt sie durch Effektgeräte, wie etwa einen Oktaver, der Töne eine Oktave tiefer addiert und damit bewirkt, dass die ansonsten wohl schwächliche Flöte noch ein ordentliches Pfund im Klang bekommt. Toll ist es, dass es sogar eine kleine Battle zwischen Lead-Gitarre und Flöte gibt.
Appetit aufs Album
Interessant ist die Vielseitigkeit im Sound. Auf ihrem Youtube-Kanal gibt es komplett akustische Stücke, auf der Bühne einen bunten Mix, der aber immer eine eigene Handschrift behält. Kovac als Sänger hat eine Stimme, die hell und geschmeidig an eine Knabenstimme erinnert, die Band beschreibt das als „androgyn“. Er kann sehr eindringlich wirken, energisch, aber auch gefühlvoll. Die Band hat gerade das zweite Album fertig, das im Oktober erscheinen soll. Die vorab gespielten Stücke machten schon mal Appetit.