Handball
Wenn die Lebensversicherung nicht nur die Gegenspieler rasiert…
So schnell kann es gehen. Eigentlich ist Pascal Durak der Mann für die Siebenmeter bei den Eulen Ludwigshafen. Durak ist ein sicherer Schütze. Doch zuletzt patzte der Rechtsaußen immer mal wieder. Dann kam Max Neuhaus. Weil auch der in den vergangenen Spielen den ein oder anderen Siebenmeter versemmelte, schreitet nun Hendrik Wagner zu den Strafwürfen. Beim Sieg in Essen und beim 27:27 am Donnerstag zu Hause gegen Leipzig versenkte Wagner die Siebenmeter.
Dabei ist das gar nicht seine vornehmliche Aufgabe. Weil aber Wagner einen unfassbaren harten Wurf hat, muss er eben auch bei den Siebenmetern ran. Der harte Wurf ist das Markenzeichen von Hendrik Wagner. Trainer Ben Matschke hatte vor der Saison gesagt: „Der Hendrik muss nur aufs Tor werfen, dann ist die Chance sehr groß, dass der Ball drin ist.“ Wagner hat den härtesten Wurf bei den Ludwigshafenern. Gegen Leipzig erzielte er am Donnerstag acht Tore. Damit war der 23 Jahre alte Rückraumspieler wieder einmal der beste Werfer bei den Eulen – und auch im gesamten Spiel. Das war schon vorige Woche beim 29:27-Sieg in Essen der Fall. Da warf Wagner zehn Tore. Es war das vierte Mal in dieser Saison, dass der 2,03 Meter lange Wagner zehn Tore in einer Partie erzielte.
Die überragende Wurfquote rückt Wagner in den Fokus. So wurde er zum „Kretzsche des Monats“ gewählt. Wagner gewann die Wahl im März. Beim „Kretzsche des Monats“ werden vom Privatsender Sky fünf Spieler oder Trainer aus der Bundesliga ausgewählt, die in einem Monat Herausragendes geleistet haben. Für den Monat Mai ist übrigens Coach Matschke nominiert… Matschke weiß, wie wichtig Wagner für die Mannschaft ist – und in den verbleibenden vier Spielen werden kann. „Er ist unsere Lebensversicherung im Angriff“, sagte Matschke nach dem Erfolg in Essen. Gegen Leipzig am Donnerstag erzielte Wagner zwölf Sekunden vor Spielende das 27:26. „Schade, dass es nur ein Punkt wurde. Wir brauchen jeden Zähler im Abstiegskampf, aber wir sind noch da. Wir werden es schaffen“, sagt Wagner, der voriges Jahr in drei Monaten sechs Kilogramm an Muskelmasse zugenommen hat.
Wagner ist auch Friseur
Seit einiger Zeit hat Wagner ein bislang ungeahntes weiteres Talent entdeckt: Er schneidet Haare. „Das kam spontan. Die Friseure waren zu. Ich habe dann in der Familie begonnen. Meinem Vater schneide ich die Haare ganz kurz, aber trotzdem mit Stufen“, erzählt Wagner. Seine Künste scheinen gut zu sein. Denn Mitspieler Max Neuhaus hatte Wagner gefragt, ob er ihm die Haare frisiert. Es klappte. „Das begann im zweiten Lockdown. Wir haben uns die Haare kurz rasiert, und dann fragte ich Hendrik, ob er mir noch die Seiten etwas schneiden könnte. Das hat er sehr gut hinbekommen“, sagt Max Neuhaus. Ob er sich im Falle eines Klassenverbleibs von Wagner Strähnen machen lasen würde? Neuhaus lacht: „Das ist eine lustige Idee. Darüber lässt sich reden. Hendrik traue ich das zu.“