Vorderpfalz
Wenn das Rad nicht mehr rollt: Lange Wartezeiten bei Fahrradwerkstätten
Wer sein Fahrrad bei einem anderen Händler gekauft hat, der hat bei XXL Kalker im Gewerbegebiet in Ludwigshafen-Oggersheim schlechte Karten. Derzeit werden keine Fremdfahrräder mehr für Reparatur oder Inspektion angenommen, heißt es auf der Terminbuchungsplattform der Website. Und selbst für die innerhalb der XXL-Gruppe gekauften Räder nennt Vertriebsleiter Dominik Husslein nach Rücksprache mit der Werkstatt zwei bis drei Wochen Wartezeit.
„Wir merken schon, dass sich durch den E-Bike-Boom die Saison verlängert hat. Die Leute setzen sich bei gutem Wetter schon im Februar aufs Rad und fahren teilweise auch im Winter zur Arbeit“, sagt er. In der Nebensaison nehme man auch mal Räder an, die nicht bei dem Unternehmen gekauft wurden. „Aber wir haben nur Ersatzteile von Marken, die wir auch vertreiben und können deshalb keine Marken reparieren, die nicht in der XXL-Gruppe im Sortiment sind“, bedauert der Vertriebsleiter. Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass Kunden aller 18 Filialen und des Onlinehandels der XXL-Gruppe ihre Fahrräder von über 120 Herstellermarken in Oggersheim auf Vordermann bringen lassen können.
Viele Leasingräder
Leasingräder sorgen bei Radsport Fecht in Friesenheim für zusätzliche Wartungs- und Inspektionsdurchläufe. Innerhalb der Saison warte man derzeit ebenfalls zwei bis drei Wochen auf einen Termin. „Notfälle und schnelle Reparaturen versuchen wir schon mal vorzuziehen“, betont Inhaber Egbert Fecht. Ziel sei es grundsätzlich, niemanden wegzuschicken, der mit einem Markenrad in den Laden im Stadtteil Friesenheim kommt, „egal, wo er es gekauft hat“. Nur Kaufhausware könne man nicht annehmen. „So lange wir die Ersatzteile besorgen können, nehmen wir auch Manufakturräder von kleinen Herstellern in Reparatur“, sagt Fecht. Zwischen Ende Oktober und Anfang April herrsche weniger Andrang in der Werkstatt. „Wer die Reparatur machen lässt, bevor die Sonne wieder rauskommt, kann sich Wartezeit sparen“, so der Tipp des Unternehmers.
In Schifferstadt ist die Lage etwas entspannter. Mit der Zweiradgarage Schmitt hat sich ein kleiner Teilzeitreparaturbetrieb zu den Etablierten gesellt. Matthias Schmitt ist passionierter Radschrauber und will den Leuten helfen, mobil zu bleiben. „Bei älteren Leuten mache ich auch schon mal Hausbesuche“, sagt der Geschäftsinhaber. Seine Beobachtung: „Bei größeren Geschäften werden die Kunden derzeit öfter mal weggeschickt.“ In solchen Fällen helfe er bei kleineren Reparaturen wie Schlauchwechsel, Inspektionen oder Bremsenwartung. „Ich habe kein großes Ersatzteillager, aber ich schaue, dass ich die Räder innerhalb einer Woche wieder instandsetzen kann. Manchmal klappt es sogar sofort.“
Beim Zweiradhaus Mayer in Schifferstadt ist man ebenfalls guter Dinge. Der Betrieb ist vor drei Jahren in ein größeres Gebäude gegenüber der beengten alten Werkstatt zwischen der Ludwigstraße und Hauptstraße umgezogen. „Wir haben unsere sechste Mitarbeiterstelle besetzen können, deshalb dauert es bei uns nur wenige Tage“, erklärt David Schäfer, der in vierter Generation mit Vater Rainer und Schwester Laura das Geschäft betreibt. Eigene Kunden kämen bevorzugt dran, aber selbst Fremdräder seien in ein bis zwei Wochen wieder flott. Das Ersatzteillager habe man aufgestockt. Trotzdem könne man angesichts der fehlenden Normung vieler Fahrradteile nicht alles vorhalten. Bei E-Bikes gehe es mehr um Elektronik als Mechanik, die Teile müssten vorrätig sein und die Mitarbeiter spezielle Schulung erhalten. „Aber auch hier dauert es nicht länger als bei klassischen Rädern“, betont Schäfer.
Rentner arbeitet weiter
Den nächsten freien Termin im Fahrradhaus Stiller in Speyer gibt es erst Mitte Juli. „Wir haben nur noch eine Aushilfe und einen Mechaniker, der eigentlich Rentner ist und sich überreden ließ, zwei Tage die Woche zu arbeiten. Das reicht hinten und vorne nicht“, sagt Inhaber Thomas Knerr. Er schiebt hinterher: „Wenn jemand einen Reifen wechseln kann und bei uns mitarbeiten möchte, darf er sich gerne melden.“ Auch bei Knerr werden grundsätzlich alle Räder zur Reparatur angenommen, aber Hauskunden würden bevorzugt bedient bei der Terminvergabe. Zusätzlichen Stress durch die Leasingräder hat er nicht: „Die Wartungen lassen sich ja lange vorher planen. Uns macht der Fachkräftemangel mehr zu schaffen“, betont Knerr.
Entspannter ist die Lage in der Domstadt bei Fahrrad Weindel. „Wenn die Teile da sind, kann der Kunde sein Rad meist innerhalb eines Tages wieder abholen“, so Geschäftsführer Niklas Grimmer. Die Wartezeit für einen Termin betrage aktuell nicht mehr als zwei Wochen. „Wir merken schnell, wenn sich je nach Witterung die Nachfrage ändert“, sagt Grimmer. Die turnusmäßigen Inspektionen der E-Bikes sorgten für mehr Betrieb in der Werkstatt. „Aber die Termine kann man sehr gut langfristig planen.“ Dennoch schicke Weindel keinen weg, der mit einem Platten oder einer verklemmten Schaltung vor der Tür steht. Man nehme grundsätzlich jedes Rad an, egal, „ob es bei uns gekauft wurde – solange es Fachhandelsqualität hat“. Bei Rädern aus Supermärkten gebe es häufig Probleme mit der Qualität und Ersatzteile seien schwer zu bekommen. Auch bei Spezialanfertigungen und Liegeräder muss die Werkstatt passen.
„Unser Auftragsvolumen ist um 300 Prozent gestiegen“, sagt Mike Gruber, Inhaber des gleichnamigen Fahrradfachgeschäfts in Frankenthal. Das Arbeitspensum in der Werkstatt müsse er zusammen mit seinen zwei Hilfskräften bewältigen. Gruber hat Verträge mit elf Leasingfirmen, deren Kunden seinen Service unabhängig davon in Anspruch nehmen, ob die Fahrräder von ihm stammen oder nicht. Und so kommen pro Tag bis zu 30 Aufträge zusammen. In erster Linie gehe es um Sicherheitschecks nach den Unfallverhütungsvorschriften (UVV) an den geleasten E-Bikes.
Selbst wenn viele Ersatzteile vorrätig seien, ließen sich längere Wartezeiten bei Reparatur- und Wartungsarbeiten nicht vermeiden. „Die nächsten freien Termine gibt es erst Ende Juli“, sagt Gruber. Bei guten Kunden, die ihren Drahtesel bei ihm gekauft haben, könne es auch mal etwas schneller gehen. Das übliche Prozedere: Die Schäden oder die auszuführenden Reparaturen werden in der Werkstatt begutachtet. Auf der Basis einer Kostenschätzung wird dann die weitere Vorgehensweise besprochen. Die Erneuerung von Bremsbelägen und abgefahrenen Reifen seien die Arbeiten, die am häufigsten anfallen. Zum Service gehöre es, dass Zubehörteile wie Computer, Kindersitze, Körbe oder Taschen kostenlos und sofort montiert werden.
Niemand wird weggeschickt
Als „Einzelkämpfer“ hat auch Stephan Steinleitner in seinem Zweiradfachgeschäft in Frankenthal viel zu tun. Bei Reparatur und Wartung macht er keine Unterschiede, ob die Räder bei ihm gekauft wurden. Niemand werde weggeschickt. Kleinere Sachen erledigt er in aller Regel sofort, bei aufwendigeren Reparaturen oder Inspektionen gehe es nicht ohne Termin. „Sechs bis sieben Wochen muss man schon rechnen“, erklärt Steinleitner. Glücklicherweise gebe es keine größeren Engpässe mehr bei der Materialbeschaffung. Gefragt nach den häufigsten Problemen, mit denen die Kunden kommen, nennt Steinleitner neue Bereifungen und den Austausch von defekten Schläuchen. Auch Beleuchtung und Bremsen müssten meist bei einer Inspektion überprüft werden. Er empfiehlt ein Wartungsintervall von einem Jahr.