Ludwigshafen
Wenn beim Kind etwas nicht stimmt: Hier gibt es Hilfe
Der Zweijährige geht über Tisch und Bänke, bringt sich und andere in Gefahr. Wenn die Eltern am Ende sind, und der Kinderarzt auch nicht mehr weiterweiß, kann das Sozialpädiatrische Zentrum mit Frühförderung (SPZ) in Ludwigshafen helfen. Woran das Kind leidet, können Ärzte, Psychologen, Logopäden, Heilpädagogen Sozialarbeiter, Physio- und Ergotherapeuten in Oggersheim fächerübergreifend herausfinden – und Therapien entwickeln.
Das Angebot gilt für Kinder und Jugendliche von null bis 18 Jahren, deren Entwicklung auffällig ist, die neurologisch erkrankt sind oder bei denen eine Behinderung droht oder bereits ausgeprägt ist. Von Worms und Alzey über Frankenthal, den Rhein-Pfalz-Kreis, Speyer, Bad Dürkheim bis nach Grünstadt erstreckt sich das Einzugsgebiet. Um die Angebote in Anspruch nehmen zu können, brauchen die Familien eine Überweisung vom Kinder- oder Hausarzt.
Mögliche Probleme gibt es viele
Eine leuchtend gelbe Giraffe reckt ihren Hals auf der Wand gleich hinter der Eingangstür. Im Sprechzimmer der Ärztlichen Leitung Karin Koch laden zwei Pferde, eine Kuh, ein Schaf und ein Schwein aus Holz und vieles mehr zum Spielen ein. Hell, warm und freundlich sind die Räume des Hauses gleich neben der Mosaikschule und dem Förderkindergarten. Das SPZ ist Teil des Kinderzentrums Ludwigshafen. Etwa 400 Mitarbeiter hat diese Einrichtung, für die Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD) Vorstand und Brigitte Edwards Geschäftsführerin ist. Im SPZ selbst sind etwa 80 Mitarbeiter beschäftigt. Die Kinder, die mit ihren Eltern hier Hilfe suchen, hinken beispielsweise in der Entwicklung hinterher, ihnen fällt das Sprechen schwer, sie leiden seit der Geburt an Fehlbildungen wie einem offenen Rücken, sind zu früh auf die Welt gekommen, ihre Aufmerksamkeit ist gestört, sie sind hyperaktiv oder sie haben chronische Schmerzen.
„Das Kind schaut einen nicht an, findet keine Sprache, kann keine Gefühle erkennen und zeigen, ernährt sich sehr einseitig“, schildert die Psychologin Heike Hemmer mögliche Symptome von Autismus. Nudeln mit Soße ohne Gemüse und Süßigkeiten gehen am besten. Ein solches Essverhalten kennen viele Eltern. Richtig Grund zur Sorge ist das jedoch nicht. „Kleine Müsliflocken, aufgereiht auf dem Teller, ist das Einzige, was es zu sich nimmt.“ So schildert die Leitung des Fachbereichs Autismus das mögliche Essverhalten eines autistischen Kindes. „Es versucht sich nie am Klettergerüst auf dem Spielplatz“, ergänzt Physiotherapeutin Vera Hegenbarth. Den Fachbereich Autismus baue das SPZ gerade massiv aus, berichtet Hemmer.
Zusammenarbeit ist Trumpf
Mit 18 Monaten macht der kleine Junge noch keine Anstalten zu laufen, sich hochzuziehen oder zu krabbeln. Gemeinsam sucht das Team nach möglichen Gründen und Wegen, ihm zu helfen. „Unsere Kernkompetenz ist interdisziplinäres Arbeiten“, betont Psychologin Rosemarie Ragany-Seepe. Immer hat das Team aber auch die Familie und das Umfeld im Blick. Zehn bis fünfzehn Mal in der Nacht wacht das Baby schreiend auf. „Wenn die Eltern nicht schlafen können und erschöpft sind, kann sich das auch auf das Kind übertragen“, erklärt die Psychologin.
Solche Fälle sind eilig. Mit der Überweisung vom Kinder- oder Hausarzt können die Familien sich mit einem Fragebogen anmelden, den man über die Homepage herunterladen oder im Sekretariat bekommen kann. Dann müssen die Eltern den Bogen ausfüllen und unterschrieben und vom Kinder- oder Hausarzt bestätigt zurückschicken. Anhand der Fragebögen prüft das SPZ die Dringlichkeit. Sechs Monate beträgt die durchschnittliche Wartezeit für einen ärztlichen Erstvorstellungstermin. Wenn es eilig ist, geht es auch mal schneller.