Ludwigshafen Wenn Bach mit Jazz jongliert hätte

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300 Jahre Musikgeschichte kann man locker überbrücken. Das offenbarte das Chill-Out-Konzert „Bach trifft Elektro“ im Gesellschaftshaus der BASF. Das begeisterte Publikum erlebte experimentellen Cross Over, der am Ende doch etwas zu zahm ausfiel.

In seinem Song „Rock me Amadeus“ beschrieb der österreichische Pop-Musiker Falco den Komponisten Mozart als exaltierten Rockmusiker, wäre dieser heutzutage Musiker geworden. Welchem musikalischen Genre hätte sich der barocke Bach heute wohl verschrieben? Der Abend im Gesellschaftshaus ließ solche Gedankenspiele plausibel werden und offerierte Bach ein mögliches Schaffensgebiet vom Jazz-Musiker bis zum DJ. Bei den Chill-Out-Konzerten präsentieren sich virtuose Künstler ihres Fachs erst allein und dann mit gebündelten Kräften im finalen Set. Warum sich Bach im Jazz der Neuzeit sicherlich zu Hause gefühlt hätte, legte das Künstlerehepaar Aleksandra und Alexander Grychtolik eindrucksvoll auf ihren zwei Cembali improvisierend frei. Wie hätte Bach mit seinen Söhnen zwischen hochbarockem und frühklassischem Stil jongliert? Bei Bachs Konzert in C-Moll, das ursprünglich für zwei Violinen geschrieben wurde, widerlegte das „Künstlerpaar mit den magischen Händen“ das Klischee vom antiquierten Cembalo-Klang mit ihrer ungeheuren Dynamik und Spielfreude. Die zwei Cembali verschmolzen zu einem vielschichtig-harmonischen Wohlklang – wenn auch leiser als erwartet. Das zweite Set gehörte dem Hier und Jetzt. Der in Berlin ansässige Live-Elektroniker und Komponist Johannes Malfatti erschuf akustische Landschaften aus „vorbereiteten Skizzen“, wie er es bezeichnete. Ausgerüstet mit Laptop, Lapsteel-Gitarre und anderen elektronischen Hilfsmitteln wirkten die Klänge surreal. Mit seiner Komposition von „A nach C“ imitierte er gelegentlich den Klang eines Cembalos und webte ein vielschichtiges Universum aus verschiedenen Texturen. Malfatti erschuf breite Klangflächen und wirbelte flirrende Energien auf, die sich im Nichts auflösten. Trotz aller Abstraktheit sorgte dabei ein gelegentliches Pochen für Lebendigkeit. Der dritte Teil ließ alte und neue musikalische Ausdrucksformen wie Yin und Yang verschmelzen. Alte Werte wurden modern verpackt. Bei der Improvisation einer Chaconne nach Antonio Bertali ließ Malfatti seine Frequenzmodulationssynthese über den Klängen der Cembali einspielen und erzeugte damit orchestrale Effekte. Mit dem zweiten Satz des Doppelkonzerts aus Teil eins fungierte Malfatti abermals als Orchesterbegleitung. Den geerdeten Cembali-Klängen verlieh der Elektroniker einen kammermusikalisch-sakralen Charakter, indem er eine sonore Basslinie beisteuerte. Bachs Goldberg-Variationen gab das ungewöhnliche Trio eine mystische Tiefe. Malfattis elektroakustische Impulse verstärkten den entrückten Wesenskern der Bach’schen Vorlage. Vielleicht hätte man bei den elektronischen Klängen mutigere, weitaus sphärischere Experimente erwartet. Das Ganze wirkte etwas brav und gezähmt.

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