Ludwigshafen Weniger Personal, weniger Geschäftsstellen?

Placeholder-Image

Als notwendigen Schritt, um die Sparkasse Vorderpfalz marktgerecht zu positionieren – so bewerten führende Mitglieder des Verwaltungsrats den am Dienstag angekündigten Abbau von 140 Stellen in den nächsten vier Jahren.

„Die Zinsspanne ist stark abgeschmolzen“, lenkt Landrat Clemens Körner (CDU) den Blick auf die anhaltende Niedrigzinsphase, die allen Banken zu schaffen mache. „Dieser Herausforderung müssen wir uns stellen.“ Körner ist Vize-Vorsitzender des Verwaltungsrats, der die Stellenstreichungen bereits im Vorjahr abgenickt hat. Im Juli übernimmt Körner gemäß dem Mitte 2013 geschlossenen Fusionsvertrag den Vorsitz für zwei Jahre von Ludwigshafens Oberbürgermeisterin und Parteikollegin Eva Lohse. Dass 60 der bisher 850 auf 1100 Köpfe verteilte Vollzeitjobs noch in diesem Jahr durch Abfindungen sowie Alterszeitmodelle und 80 weitere bis 2020 durch natürliche Fluktuation abgebaut werden sollen, widerspricht Körner zufolge nicht den Fusionsvereinbarungen. Beim Zusammenschluss der Häuser Ludwigshafen/Schifferstadt, Speyer und Rhein-Pfalz-Kreis einigten sich die Verantwortlichen darauf, keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen. Dementsprechend würden alle 140 Arbeitsplätze auch sozialverträglich abgebaut, so Körner. Er bezweifelt, dass die 62 Geschäftsstellen in Zeiten von Online-Banking langfristig erhalten werden können. Sein Vorschlag: Um das Netz für die Kunden zu sichern, sollte die Sparkasse perspektivisch das Gespräch mit Banken suchen, die eine ähnliche „Geschäftsstellen-Philosophie“ verfolgen, sprich mit Volks- und Raiffeisenbanken. Denn eines ist für Körner unstrittig: „Die neue Zweigstelle ist das I-Phone.“ „Wir müssen über eine Strategie für die Geschäftsstellen nachdenken“, stimmt ihm OB Lohse zu. Zunächst gelte es aber, die größte Sparkasse des Landes zukunftsfähig und schlagkräftig aufzustellen. Eine Komponente, um Kosten zu sparen, sei der Personalabbau. „Durch die Fusion haben sich Synergieeffekte ergeben, denen zufolge in der Addition dieselbe Leistung mit weniger Leuten gestemmt werden kann.“ Ähnlich argumentiert ihr Speyerer OB-Kollege Hansjörg Eger (CDU), wie Körner stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats. Mit der Fusion sei klar gewesen, dass Synergien zwischen den Häusern Stelleneinsparungen ermöglichen würden. Jetzt müsse der Verwaltungsrat informiert werden, wie der Abbau konkret vonstatten gehen soll. Dass über die Zusammenlegung von Geschäftsstellen mit anderen Banken gesprochen werden soll, ist auch für Eger naheliegend. „Regionale Anbieter müssen sich neu aufstellen, weil sie von der Zinssituation betroffen sind. Es geht darum, einen qualitativ hochwertigen Service für die Kunden zu erhalten und gleichzeitig kosteneffizient zu arbeiten“, erklärt er. Auch eine regionale Sparkasse müsse sich – wie alle Kreditinstitute – auf deutlich sinkende Zinsüberschüsse einstellen und sich entsprechend ausrichten, begründet Sparkassenchef Rüdiger Linnebank – wie berichtet – die tiefen Einschnitte. Vergleiche mit anderen Sparkassen hätten gezeigt, dass sein Haus bis zu 140 Stellen reduzieren kann. Mit 45 Millionen Euro lag das „zufriedenstellende Betriebsergebnis“, so Linnebank, im Vorjahr auf dem 2014er-Niveau. Die Bilanzsumme beträgt 5,7 Milliarden Euro. (ier/pse)

x