Ludwigshafen „Wen das nicht mitreißt … “

In der Pause muss es schnell gehen: durstige und hungrige Fans an der Theke im Foyer.
In der Pause muss es schnell gehen: durstige und hungrige Fans an der Theke im Foyer.

Donnerstag, 17.30 Uhr. Noch sind gut 90 Minuten Zeit, ehe das vorletzte Heimspiel des Handball-Bundesligisten Eulen Ludwigshafen beginnt. Doch die ersten Fans sind schon da. Das Foyer der Eberthalle füllt sich. Die Helfer am Ausschank haben bereits gut zu tun. Schon früh an diesem Abend zeichnet sich ab: Handballfans sind hungrig und durstig. Doch die vielen Helfer an der Theke sorgen dafür, dass niemand lange warten muss. Damit alles klappt, muss die Theken-Crew schon früh loslegen. Ab 16 Uhr sind die Helfer in der Halle, schneiden Brötchen auf und belegen sie mit Wurst und Käse. „Wir sind meist so acht bis zehn Helfer. Jeder weiß, was er zu tun hat“, sagt einer aus der Theken-Truppe. Die Frauen und Männer wissen: Sie müssen schnell sein. Das zeigt sich etwa in der Halbzeitpause, wenn der Andrang der knapp 2220 Handballfans besonders groß ist. Bier und Weinschorle sind die Renner, aber auch mehrere Hundert Becher Cola und Limo wandern dann über den Tresen. Doch nicht alle Anbieter im Foyer werden so stark bedrängt. Am Tippstand von Jürgen Oelze geht’s beschaulich zu. Diesmal sind nur rund 100 Zuschauer mutig und wollen vorhersagen, wie denn die Eulen gegen Melsungen spielen werden. Das Tippspiel hat schon eine lange Tradition. „Gestartet habe ich das Ganze schon in der Oberliga, da spielten wir noch in der Loschky-Halle“, erinnert sich Oelze. Da taucht ein Quartett aus Maxdorf auf: Klaus Altmann, Gerald Steinbach und Jürgen Louis tippen selbstverständlich für die Eulen, Uwe Landgraf macht den „Quotentipp“ für Melsungen. Doch auch er ist überzeugt: Die Eulen bleiben erstklassig. Mario Mayer von der Gast- und Heimstätte des Fanclubs Rheintal-Eulen stimmt zu. Er habe auch schon vorgelegt, sagt er grinsend: „Die Dauerkarten für mich und meine Frau für die kommende Saison haben wir bereits bestellt.“ Jürgen Meiniger und Hans-Jürgen Schuler sind Rentner mit profundem Handball-Wissen und sprechen den Eulen Mut zu: „Sie haben es in der eigenen Hand und werden das wohl am letzten Spieltag stattfindende Endspiel gegen Erlangen für sich entscheiden.“ Der Anwurf rückt näher. Am Sektstand bilden sich ebenso wie am Fanartikelstand die ersten Schlangen. Vor allem Schals werden hier gekauft. Am Sektstand gehen in der Regel 20 bis 28 Flaschen weg – mehr sind es nur bei Heimsiegen, verraten die beiden Helfer. Die Zugabe bleibt am Donnerstag aus, am Ende haben die Eulen mit 27:31 das Nachsehen. Alle Hände voll zu tun hat vor dem Anpfiff auch Peter Ackermann vom Fanclub Rheintal-Eulen. Er verteilt die vorbestellten Tickets für das letzte Auswärtsspiel bei den Rhein-Neckar-Löwen. „Eigentlich wollten wir mit einem Tross von 200 Fans die historische Straßenbahn buchen und damit über die Brücke fahren“, sagt Ackermann. Daraus wird aber nichts, denn die Straßenbahn ist am 27. Mai nicht verfügbar. Die Eulen-Fans treffen sich deshalb einfach so, um dann mit der Linie 6 zur SAP-Arena zu fahren. In der Pause liegen die Eulen 13:16 zurück. An der guten Laune und dem Optimismus der Fans ändert das nichts. Im Foyer tummelt sich auch Wolfgang van Vliet, Chef der Wohnungsbaugesellschaft GAG. „Klar, glaube ich an den Klassenerhalt, und wenn es nicht klappt: Es macht einfach Spaß, den Jungs zuzuschauen“ , sagt er. Unter den Fans ist auch BASF-Manager Michael Heinz: „Wie die Eulen als Underdog immer wieder gegen die Großen ankämpfen. Wen das nicht mitreißt, der ist kein Sportfan.“ Am Sektstand gönnt sich eine gesellige Gruppe gleich zwei Flaschen. „Wir kommen nun schon seit über zehn Jahren, und wir werden auch die nächsten zehn Jahre da sein. Wir wissen gar nicht mehr, wie es ohne unsere Eulen ist“, meint einer aus der fröhlichen Runde. Die Experten haben auch einen Stimmungswandel ausgemacht: Früher sei einfach nur geklatscht worden, heute herrsche „eine richtig geile Stimmung“. Abpfiff. Die Eulen stehen mit leeren Händen da, sind aufgrund des Nettelstedter Siegs auf einen Abstiegsplatz gerutscht. Die meisten Anhänger treten gleich den Heimweg an. Aber den Sekttrinkern schmeckt es noch. Hier geht der Blick auch gleich voraus: „Wir müssen halt das Endspiel gegen Erlangen gewinnen, und wir bleiben in Liga eins.“ Den Satz hört man an vielen Ecken im Foyer. Ein Melsungen-Fan macht den Eulen zusätzlich Mut. Beim Rausgehen ruft er: „Ich wünsche mir, dass ich nächstes Jahr wieder bei euch sein darf.“

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