Bergsteigen RHEINPFALZ Plus Artikel Weltrekord: Wie ein 19-Jähriger einen 8000er ohne Sauerstoffmaske besteigt

Um die teils zerklüfteten Eisformationen sicher überwinden zu können, legen die Sherpas Leitern über die Gletscherspalten.
Um die teils zerklüfteten Eisformationen sicher überwinden zu können, legen die Sherpas Leitern über die Gletscherspalten.

Ein junger Friesenheimer erfüllt sich im Himalaya einen Traum und stellt gleich zwei deutsche Rekorde auf. Und auch das nächste Ziel in Asien steht bereits fest.

Drei Tage hat die wohl wichtigste Etappe im bisherigen Leben von Brian Wegner gedauert. Der Friesenheimer hat als jüngster Deutscher den achthöchsten Berg der Erde bezwungen. Er war gleichzeitig der jüngste Alpinist, der ohne Sauerstoff den Manaslu in Nepal bestiegen hat. Das nächste Ziel hat er bereits im Fokus.

Vergangenes Jahr fasste Brian Wegner den Entschluss, einen Achttausender zu besteigen. Er wollte es ohne zusätzlichen Sauerstoff schaffen. „Ab 8000 Metern eine unglaubliche Anstrengung für den Körper“, wie er beschreibt. Mit Hilfe eines Sherpas ging es für ihn von Camp eins direkt zu Camp drei und weiter zu Camp vier. Um 20 Uhr startete die Expedition ab einer Höhe von 7.500 Metern. Um 5.30 Uhr war das Ziel am Gipfel des 8163 Meter hohen Bergs Manaslu im Nepalesischen Himalaya-Gebirge erreicht. „Normalerweise schaffe ich eine Distanz von etwa 500 bis 600 Metern in einer Stunde“, informiert der heute 20-jährige. Ab der Höhe von 8000 Metern machte ihm der fehlende Sauerstoff sehr zu schaffen. Es war der Punkt, an dem der Spaß ein Ende hatte. Für die letzten 700 Meter habe er lediglich 80 Meter pro Stunde geschafft. „Mein Körper wollte nicht mehr laufen. Die Zellen werden nicht mehr versorgt, der Körper stirbt langsam ab“, blickt er zurück. Beheizte Handschuhe bewahrten die Hände vor Erfrierungen, bei den Zehen war das nicht der Fall. Die Füße sind angeschwollen, dadurch wurden die Schuhe zu klein. „Ich hatte starke Schmerzen und zehn blaue Zehennägel“, gibt er zu. Dennoch belohnte er sich mit dem doppelten Weltrekord. Es war ihm gelungen, als jüngster 19-jähriger Deutscher einen „Achttausender“ zu besteigen. Gleichzeitig als Jüngster weltweit ohne zusätzlichen Sauerstoff.

Sei drei Jahren Bergsteiger

Erst vor drei Jahren entdeckte Wegner das Bergsteigen für sich. Ski fuhr er bereits als kleiner Junge, irgendwann keimte der Wunsch in ihm, Bergführer zu werden. Zeitgleich mit dem Beginn seiner Ausbildung als Zweiradmechaniker vor drei Jahren knüpfte er Kontakt zu dem renommierten Bergführer Jost Kobusch aus dem Teutoburger Wald, der bereits zahlreiche Rekorde als Alpinist auf seinem Konto verzeichnet. Wegner hat zwischenzeitlich zahlreiche Aufstiege gemacht, darunter den Mont Blanc (4805 Meter) im Single Push. Das bedeutet, Besteigung innerhalb eines Tages und ohne Hüttenübernachtung. Extrem herausfordernd und eine außergewöhnliche Kondition voraussetzend. Kobusch ist inzwischen ein Freund und Mentor für ihn.

In der eisigen Kälte in der Höhe des Himalaya bilden sich Eiszapfen an der Maske der Bergsteiger.
In der eisigen Kälte in der Höhe des Himalaya bilden sich Eiszapfen an der Maske der Bergsteiger.

An das Gefühl auf dem Gipfel des Manaslu erinnert sich der Friesenheimer nicht wirklich, denn auch das Gehirn arbeitet auf dieser Höhe nicht mehr klar. „Ich wollte nur noch runter“, berichtet er. Dass er die letzten hundert Meter überhaupt noch schaffte, verdanke er seinem Sherpa, wie er sagt. Der habe ihn mental entsprechend gepusht. „Letztendlich sind es 40 Prozent Kraft und 60 Prozent mentale Stärke, die zählen“, analysiert er. Am Boden zurück realisierte der 20-Jährige erst einige Tage später, was ihm da gelungen war.

Schneeleoparden als neues Ziel

Dass vor ihm einem Franzosen und einem Spanier im Alter von 19 Jahren die Besteigung gelungen ist, das sei der Himalayan Database zu entnehmen, in der alle Aufstiege verzeichnet werden. Der Rekord ohne Sauerstoffzufuhr steht jedoch weltweit.

Brian Wegner völlig erschöpft auf dem Gipfel des Manaslu.
Brian Wegner völlig erschöpft auf dem Gipfel des Manaslu.

Wer denkt, damit hat das Abenteuer ein Ende für Wegner, der liegt gründlich falsch. Inzwischen plant und trainiert er bereits für seinen nächsten Aufstieg. Die Expedition soll ihn nach Kirgistan zu den fünf Gipfeln der „Snow Leopards“ führen. Alle liegen über 7000 Meter hoch. Mindestens vier möchte er alleine besteigen, lediglich für einen Gletscher benötigt er Begleitung. Für diese Expedition hat Brian Wegner zwölf Wochen eingeplant. Zwei Wochen bevor dort die Saison startet, will er mit dem Aufstieg starten. Der Massentourismus sei bisher dort nicht angekommen, stellt er fest. Dass es nie nach Plan laufe, weiß er zwischenzeitlich, alleine wegen des Wetters. „Es ist dieses ungewisse kribbelige Gefühl, bevor es losgeht“, beschreibt der Friesenheimer. Dass es Risiken gibt, ist ihm bewusst. Das sei einmal die Kletterschwierigkeit, die man über die gewählte Route selbst beeinflussen kann. Gletscherspalten mit ihren Unwägbarkeiten könne man hingegen nicht beeinflussen.

Mentor Kobusch hat ihm Trainingspläne für Kletterhalle, Kraft- und Ausdauertraining gegeben, er traue ihm die neue Herausforderung zu, wie Wegner sagt. Den Trip zum Manaslu haben die Großeltern, bei denen er aufgewachsen ist, finanziert. Ab jetzt möchte der Alpinist die Finanzierung selbst regeln, er ist bereits auf Suche nach Sponsoren. Einen ersten Erfolg kann er mit den beiden Weltrekorden bereits vorweisen.

Noch Fragen?

Wer Wegners Aufstieg verfolgen möchte, kann das bei Instagram unter brianthealpinist.

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