Ludwigshafen Weltmeister auf Werbetour

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Mutterstadt

. Eine ideale Vorbereitung sieht anders aus. Acht Stunden Autofahrt hatte Hendrik Szabo vom Rasenkraftsport-Klub (RKS) Phoenix Mutterstadt nach der samstäglichen Arbeit in den Beinen, als er am 16. August bei den Senioren-Weltmeisterschaften in Lyon im Werfer-Fünfkampf (Hammer, Kugel, Diskus, Speer und Gewicht) an den Start ging. Quasi auf den letzten Drücker kam er in Frankreich an. Nach seiner Ankunft um ein Uhr in der Nacht konnte er sich immerhin noch ein paar Stunden von den Strapazen im Hotel erholen, ehe der Wettkampf am frühen Morgen begann. Fünf Disziplinen lang lieferte er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Zyprioten Petros Mitsides und dem Franzosen Sylvain Weiler. Mit 52,01 Meter im Hammerwurf schockte Szabo die Konkurrenz und hatte am Ende 19 Punkte Vorsprung auf Mitsides. Senioren-Weltmeister, so darf er sich zukünftig nennen. „Gigantisch“, schwärmt der 35-Jährige von seinem Überraschungscoup. „Ich habe mir im Vorfeld sehr genau überlegt, in welcher Disziplin ich denn die größte Chance auf einen Platz auf dem Treppchen habe“, sagt Szabo. Die Auswahl fiel auf den Werfer-Fünfkampf. Am vergangenen Wochenende setzte der 35-Jährige noch einen drauf: Bei den deutschen Meisterschaften ebenfalls im leichtathletischen Werfer-Fünfkampf in Zella-Mehlis holte er die Goldmedaille. Dabei stellte er wieder einmal seine enorme Nervenstärke unter Beweis, denn erst in der abschließenden Disziplin, im Gewichtwurf, fiel die Entscheidung. „Ein Herzschlagfinale. Das war ein absolutes Drama bis zum letzten Wurf“, schildert er den Wettkampf. Acht Jahre lang in Folge gewann Sören Voigt. 2015 hieß der Sieger erstmals Hendrik Szabo. „Für mich als Weltmeister war es wichtig, ihn zu schlagen.“ Bei der Auswahl seiner Wettkämpfe geht der gebürtige Mutterstadter, der 1990 mit seinen Eltern von Halle/Saale in die Pfalz zog, bei der TSG Mutterstadt früher Handball spielte und am Geschwister-Scholl-Gymnasium sein Abitur baute, selektiv vor. Verständlich bei einem 60-Stunden-Job als Bezirksleiter eines Discounters in Augsburg. „Ich suche mir vor allem die großen Meisterschaften raus“, unterstreicht er. Oder aber, wenn Gerhard Zachrau, der Macher bei Phoenix Mutterstadt, zu einem Wettkampf in der Heimat ruft. Auch dann kann Szabo schlecht Nein sagen. Seine ebenfalls als Bezirksleiterin tätige Frau und auch Töchterchen Hanna, 20 Monate, sorgen dafür, dass der Terminkalender im Hause Szabo immer voll ist. Zweimal die Woche Training versucht der 35-Jährige reinzupacken. Das Hobby ist der Ausgleich zu seinem stressigen Job. „Der Moment des perfekten Abwurfs, das ist es, warum ich diese Sportart mache“, sagt er. Beim Werfen im Freien komme er wieder „runter“, könne seinen Gedanken freien Lauf lassen und Aggressionen abbauen. „Ich genieße den Outdoor-Sport bei Wind und Wetter“, berichtet Szabo, der sich selbst als Werfer mit „Leib und Seele“ bezeichnet. In Fitnessstudios oder Krafträumen wird man Szabo nicht antreffen. „Das ist nicht mein Ding. Ich bin viel lieber draußen, auch wenn ich noch Potenzial hätte. Da werfe ich lieber einen Meter weniger“, unterstreicht er. Dennoch charakterisiert er sich vom Naturell her als ehrgeizig. „Wenn ich an den Start gehe, will ich auch unter die ersten Drei“, macht er deutlich. Was er bei den Werfern so liebt, ist die Geselligkeit, das freundschaftliche Miteinander. „Das ist wie eine große Familie“, schwärmt er vom Zusammenhalt – insbesondere auch in seinem Heimatverein, dem RKS Phoenix Mutterstadt. Hammer und Diskus sind von jeher seine Spezialgeräte. In der Pfalz war er in den Jugendjahren damit unschlagbar. Sein dritter Platz bei den deutschen Winterwurfmeisterschaften 1998 bescherte ihm sogar die Teilnahme an einem Länderkampf. Nach dem Abitur war trotz der Erfolge erst einmal Schluss mit Werfen. Zweimal pausierte er – einmal drei und einmal sieben Jahre. Doch die Lust am Werfen war immer da, der Weg zurück in den Ring programmiert. Szabo ist ein Marketingmensch. Keiner beherrscht die PR für eine Sportart besser als er. „Werfen geht bei weitem nicht so auf die Knochen wie andere Disziplinen, deshalb landen viele Leichtathleten im Seniorenalter häufig bei uns Werfern“, rührt er lachend die Werbetrommel. Als Senior fühlt er sich mit seinen 35 Jahren übrigens noch nicht – auch wenn er Mitte August ganz offiziell Senioren-Weltmeister in der M35 wurde.

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