Ludwigshafen „Weihnachtsstimmung kommt erst noch“
„Irgendwo in Lu“ sind wir jede Woche in der Stadt unterwegs auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern. Gestern haben wir vor dem Lusanum im Stadtteil Süd Helga Rezmann getroffen. Die 75-Jährige stammt aus Ludwigshafen, wohnt aber seit 16 Jahren in Mutterstadt.
Ich komme gerade vom Arzt. Gibt es in Mutterstadt keine Ärzte? Doch, aber der hat mich hier nach Ludwigshafen zu einem Spezialisten geschickt. Kommen Sie auch sonst noch regelmäßig nach Ludwigshafen? Ja, schon. Aber nicht aus einem bestimmten Grund, sondern je nachdem, wie ich Lust habe. Dinge besuchen, die Sie in Mutterstadt vermissen? Nein, eigentlich vermisse ich in Mutterstadt nichts. Die Nahversorgung passt noch, und ich habe mich außerdem zum Einkaufen auch schnell ins Auto gesetzt. Aber ich habe nun mal lange in Ludwigshafen gelebt, erst in der Saarlandstraße, die letzten Jahre in Ruchheim und jetzt seit 16 Jahren in Mutterstadt. Da besuche ich eben gerne alte Bekannte. Meine Mutter, die in Ihrem Alter ist, hat zwar einen Führerschein, ist aber seit Jahrzehnten kein Auto mehr gefahren. Wie ist das bei Ihnen? Ich kann ihre Mutter verstehen. Sie hat wahrscheinlich Angst hinter dem Steuer. Die hatte ich am Anfang auch, aber ich hatte einen sehr guten Fahrlehrer, der mir diese Angst genommen hat. Und jetzt fahre ich schon seit Jahren. Den Führerschein habe ich 1970 gemacht. Wenn ich richtig rechne, dann waren Sie damals auch schon 29 Jahre alt. Stimmt, aber damals war eben noch eine andere Zeit. Wir haben in der Saarlandstraße gewohnt. Da war die Straßenbahn direkt vor der Haustür, und ich wollte auch ursprünglich keinen Führerschein machen. Aber mein Mann hat mich gedrängt. Heute bin ich froh, denn ohne Auto wäre es in Mutterstadt nicht einfach. Sind Sie schon weihnachtlich gestimmt? Eigentlich nicht. Mein Enkel hat zwar gestern schon den Christbaum bei mir zu Hause aufgestellt, aber in Stimmung dafür bin ich noch nicht. Aber das ist bei mir normal. Das kommt immer erst eine Woche vorher. Oder vielleicht auch im Lauf der Woche. Da kommt mein Enkel dann wieder vorbei, und wir backen Plätzchen. Und was machen Sie heute noch Unweihnachtliches? Heute Abend haben wir Singstunde. Ich bin im gemischten Chor der Chorgemeinschaft Thalia-Harmonie Edigheim. Wäre ich böswillig, dann könnte ich ja behaupten, dass Sie dort noch bei den Jüngeren sind. Es stimmt. Wir haben auch Sänger dabei, die fast 90 Jahre alt sind. Warum tun sich Chöre so schwer, Nachwuchssänger zu gewinnen? Wir sind eben ein Chor, der gerne traditionelles deutsches Liedgut singt. Wir wollen kein Englisch mehr lernen, und unsere Zuhörer wollen auch deutsche Sachen hören. Das haben wir auch unserem neuen Chorleiter schnell erklärt. Welche Konzerte stehen an? Das weiß ich noch gar nicht genau. Gestern hatten wir Weihnachtsfeier und Mitgliederehrung. Unser Chorleiter hat etwas von einem „Spielkonzert“ im Herbst gesagt. Werbung dafür können wir noch nicht machen.