Ein Bild und seine Geschichte RHEINPFALZ Plus Artikel Was es mit der winkenden Dame in West auf sich hat

Unübersehbar am Straßenrand: die XXL-Krankenschwester.
Unübersehbar am Straßenrand: die XXL-Krankenschwester.

Die große Dame in der Valentin-Bauer-Straße in West ist nicht zu übersehen. Mit Dauerlächeln in knapper Schwesterntracht und freundlich winkend hofft sie auf Kunden. Völlig unverfängliche Kunden selbstverständlich, wirbt die rund drei Meter hohe Luftnummer doch für das benachbarte Corona-Testzentrum.

Nein, einen Namen habe man der Dame nicht gegeben, erklärt ein Mitarbeiter des Testzentrums auf Nachfrage. Auch wie der Anbieter der geprüften Abstreicher die übergroße Werbefigur erstanden hat, kann er nicht sagen. Klar ist nur: „Wir haben ein paar davon. Die in Oggersheim habe ich selbst aufgebaut.“ Es winken also zumindest einige Damen an den rund 220 Ludwigshafener Schnellteststationen.

Ein stabiler Metallständer, darüber die überdimensionierte Schlauchpuppe, die mit einem Kreppverschluss am Gegengewicht befestigt wird, Kompressor anschalten – und schon beginnt die Dame zu winken. Ein wenig hektischer als die bekannte Neonreklame eines rauchenden Cowboys in der Wüste vor Las Vegas, aber vielleicht ist ihr einfach das Thema eines (hoffentlich negativen) Schnelltests wichtiger als ihrem deutlich älteren Nikotin-Kollegen.

Auch in Fußballstadien

Selbst wenn die Dame in der Schwesterntracht zumindest im Stadtteil West keinen eigenen Namen trägt: Ihre Gattung hat gleich mehrere Bezeichnungen. Airdancer („Lufttänzer“), Skydancer („Himmelstänzer“) oder auch ganz schlicht „Tubeman“, was im Englischen einen „Schlauchmann“ bezeichnet, werden die aufblasbaren und beweglichen Puppen genannt, die in vielen Fußballstadien zu Hause sind und per Knopfdruck und leistungsstarkem Ventilator den Torjubel der eigenen Mannschaft untermalen.

Und auch wenn die Herkunft des Ludwigshafener Winkemädchens sich nicht genau zurückverfolgen lässt („Mein Chef sagt, die haben wir geschenkt bekommen. Aber von wem, weiß er nicht mehr.“), so ist doch zumindest das Fußballstadion kein schlechter Tipp. Denn entwickelt wurden die Schlauchmänner – und -frauen – vom trinidadischen Künstler Peter Minshall für die Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele im Jahr 1996 in Atlanta. Die technische Umsetzung wurde dem israelischen Umweltkünstler Doron Gazit übertragen, der sich durch Entwurf und Produktion experimenteller Windschläuche einen Namen gemacht hatte. Die Prototypen hatten dabei ein deutlich anderes Kaliber als die Dame am Rheinufer. Mehr als ein Dutzend 18 Meter hohe Kunstfiguren zuckten mit ihren Gliedern am 19. Juli 1996 in den Himmel.

Nächste Generation der Lufttänzer

Ganz so hektisch mag es die Dame in der Valentin-Bauer-Straße dann doch nicht. Sie steht als Einbeinerin stabil auf ihrem Sockel, bewegt nur den Arm und gehört damit zur „nächsten Generation“ der Lufttänzer. Denn seit der Jahrtausendwende sind solche einschläuchigen Figuren mit Gesichtern und praktisch jedem beliebigen Aufdruck als Werbeträger unterwegs. Übrigens sehr zum Missfallen der beiden ursprünglichen Schöpfer, die mit der Weiterentwicklung ihres Modells mehr als unzufrieden waren. „Hässlich und unattraktiv“, nannte sie der eine, „eine verarmte Version des Apparats“ der andere.

Gedanken, die sich so in Ludwigshafen offensichtlich noch keiner gemacht hat. „Es ist doch cool, dass wir so ein bisschen Aufmerksamkeit erregen, und vielleicht lockt sie ja wirklich den einen oder anderen Kunden zu uns“, hofft ein Mitarbeiter. Aus den USA stammt die Umschreibung des Radiomoderators Roman Mars: „So seien die Figuren je nach Geschmack des Betrachters entweder voller lächerlich, freudiger Ausgelassenheit oder das Kitschigste auf der Welt.“

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