Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Was ein US-Sponsor mit dem Fußball-Verbandsligisten VfR Mannheim vorhat

Der VfR Mannheim kooperiert mit einer Fußball-Akademie in den USA. Zwei Akteure aus Übersee spielen diese Saison beim VfR. Foto:
Der VfR Mannheim kooperiert mit einer Fußball-Akademie in den USA. Zwei Akteure aus Übersee spielen diese Saison beim VfR.

Der Traditionsverein VfR Mannheim darbt seine Gegenwart in der Tristesse der Fußball-Verbandsliga. Der Sechstklassigkeit möchte der Klub möglichst schnell entfliehen und hat seinen Kader deshalb beachtlich aufgerüstet. Möglich wurde das durch die Unterstützung eines Sponsors aus den Vereinigten Staaten von Amerika.

Aus dem altehrwürdigen VIP-Raum des VfR Mannheim ist inzwischen eine „Lounge“ geworden, die mit einem Sponsoren-Namen vermarktet wird, doch darin hat sich eigentlich nichts verändert. Die familiäre Atmosphäre ist geblieben, die Unterstützer des Traditionsvereins wirken wie alte Freunde, der Umgang miteinander ist kollegial bis freundlich. Vielleicht halten die Anhänger des VfR Mannheim auch deshalb zusammen, weil es in der Gegenwart so wenig Grund zum Jubeln gibt.

Kooperation mit Unternehmen aus USA und dessen Fußball-Akademie

Doch das soll sich für den Klub, der 1949 Deutscher Meister war und bis Anfang des Jahrtausends drittklassig spielte, möglichst bald ändern. „Wir möchten mittelfristig zurück in die Oberliga“, sagt Boris Scheuermann. Der Sport-Vorstand versucht mit dem Klub seit vier Jahren vergeblich, die Verbandsliga wieder zu verlassen. Jetzt hat der Klub allerdings Unterstützung aus den USA bekommen, denn mit dem Unternehmen Envistacom haben die Rasenspieler eine neuen Trikotwerbepartner gewonnen, dessen Hauptsitz in Atlanta ist. Den Kontakt zu dem international agierenden Technologie-Unternehmen, das sich auf Cyber-Sicherheit spezialisiert hat, stellte VfR-Kapitän Rene Schwall her. Firmenchef Alan Carson besitzt in Atlanta zudem eine Fußballakademie, so dass die Zusammenarbeit mit den Mannheimern über das Sponsoring hinausgehen soll. „Wir wollen eine Investition tätigen, die jungen US-Spielern helfen kann, zu wachsen und professionellen Fußball zu lernen“, erklärt Carson.

Zwei US-Spieler stehen schon im Kader

Aktuell stehen mit Kwadwo Twumasi und Brian Ortiz zwei Akteure im Kader des VfR, die über Carson den Weg in die Quadratestadt fanden. Die Talente aus den USA sollen den erhofften Aufstieg aber nicht herbeiführen, denn mit der finanziellen Unterstützung aus den USA („Scheuermann: „Envistacom ist ein prominenter Hauptsponsor“) haben die Mannheimer ihren Kader sehr ordentlich verstärkt. Christian Grimm (FK Pirmasens) spielte zuletzt in der Regionalliga, Yanick Haag (FC Villingen), Nick Huller und Georgios Roumeliotis (beide SV Spielberg) kommen aus der Oberliga. Der Deutsch-Türke Sahin Aygünes hat beim SV Sandhausen gar Zweitliga-Erfahrung gesammelt. Möglich macht diese Transfers der neue Partner aus den USA, der rund 100.000 Euro in den Verein steckt, und möglicherweise noch mehr investieren möchte. „Wenn der mal richtig loslegt …“, sagt einer aus dem Umfeld des VfR. Zunächst haben der Sponsor und der Klub ihre Zusammenarbeit auf mindestens drei Jahre festgelegt.

Zweite Chance für Trainer

Der Saisonstart in der sechsten Liga ist schonmal ordentlich verlaufen, aus zwei Partien gab es vier Punkte. Das sorgt für keine neuerliche Depression, verleitet aber auch nicht für euphorische Gefühle bei den Rasenspielern. „Man muss der Mannschaft Zeit geben, sich zu finden“, wirbt Serkan Secirli um Geduld im Umfeld des VfR. Vermutlich wird die Bitte erhört, denn die Fähigkeit zur Geduld haben die Verantwortlichen der Mannheimer bereits bewiesen, als sie Secirli eine weitere Chance gaben, obwohl er in der vergangenen Saison eine desolate Rückrunde mit seinem Team ablieferte und in der Verbandsliga bis auf Rang neun abrutschte. Weiter war der VfR in seiner langen Geschichte noch nicht von der Oberliga entfernt.

„Wir haben lieber die Spieler ausgetauscht“

„Das war ja eine Mannschaft, die er nicht zusammengestellt hatte. Wir haben deshalb lieber die Spieler ausgetauscht“, sagt Scheuermann. Der Sport-Vorstand glaubt an den Trainer und seine Idee vom Fußball, erwartet aber, dass Secirli mit dem neuen Kader deutlich besser abschneidet. Gegen Oberliga-Absteiger SV Spielberg gibt es am Samstag (15.30 Uhr) weitere Aufschlüsse darüber, ob der VfR mit der Unterstützung aus Übersee vom Aufstieg träumen kann.

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