Saisonbilanz RHEINPFALZ Plus Artikel Was der SV Ruchheim nach dem Bezirksligaabstieg plant

Bleibt in Ruchheim: Stefano de Simone.
Bleibt in Ruchheim: Stefano de Simone.

Trotz Steigerung in der Rückserie ist es dem SV Ruchheim der Klassenverbleib in der Fußball-Bezirksliga nicht gelungen. Künftig findet man den SVR wieder in der A-Klasse Rhein-Pfalz, in der er zuletzt 2015 spielte.

Ablenkung der besonderen Art erhoffte sich Ruchheims 46-jähriger Trainer Stefano De Simone. Der in Ludwigshafen geborene Italiener fieberte bei der Europameisterschaft mit der „Squadra Azzurra“. Seit 1998 ist er Mitglied im Verband der besonders treuen Fans der italienischen Nationalmannschaft und bei vielen Partien des Teams dabei. So auch bei der EM, als er sogar Zugang zum Teamhotel hatte. „Italien hat nicht mehr die Qualität wie zuletzt, und die anderen haben aufgeholt“, sagte er vor dem Achtelfinalspiel gegen die Schweiz in Berlin und traf damit den Nagel auf den Kopf. Die leise Hoffnung, der er mit dem Satz „wir haben immer noch eine gute Mannschaft“ Ausdruck verlieh, erfüllte sich nicht. Berlin war Endstation.

Ähnlich erging es ihm zumindest in Bezug auf das Thema Hoffnung auch beim SV Ruchheim. „Ich weiß, dass es sehr knifflig ist, in der Liga zu bleiben“, hatte De Simone gesagt, als er die Ruchheimer im Herbst von Vorgänger Michael Eisenhauer übernommen hatte. Er sei ein positiv denkender Mensch und glaube daran, dass der SVR den Ligaverbleib schaffen könne. „Das Wichtigste ist, dass wir uns nicht aufgeben“, hatte der Coach ergänzt. Das tat sein Team zwar nicht, aber der Rückstand zum rettenden zwölften Platz wurde nicht kleiner, weil Ruchheim zwar immer mal wieder ein Ausrufezeichen setzte wie bei den Partien gegen die Topteams Freinsheim (3:3), Mutterstadt (1:3) und Deidesheim (4:4) oder mit dem 2:1-Sieg bei 08 Haßloch. Aber konstant punktete der SVR nicht.

Zweiter Abstieg in Folge

„Es ist zwar schlimmer, wenn man am letzten Spieltag unerwartet absteigt, als wenn sich der Abstieg über Wochen und Monate abzeichnet“, resümiert Stefano De Simone. Aber schmerzhaft sei es allemal, wenn es zum Fakt werde. Für die Schwarz-Weißen war es der zweite Abstieg binnen eines Jahres. Der Kader sei zu klein und einige Akteure nicht in der Lage gewesen, das auf den Platz zu bringen, was nötig gewesen wäre – vor allem Kampfgeist. „Ausdruck dessen waren zwei, drei katastrophale Leistungen, späte Gegentore sowie Niederlagen gegen Mitkonkurrenten“, legt der Trainer den Finger in die Wunde. Exemplarisch nennt er die Partien in Oppau und Obersülzen.

Die Mannschaft habe versucht, an die anderen heranzukommen, bis der Ligaverbleib rechnerisch nicht mehr möglich gewesen sei. Dies war nach der 0:4-Heimpleite gegen Seebach der Fall. Es war zugleich die höchste Niederlage nach der Winterpause, was zeigt, dass Ruchheim nicht mehr unter die Räder kam und seinem Gegner oft ein nahezu ausgeglichenes Spiel geliefert hat. „Wir wollten uns ordentlich aus der Klasse verabschieden. Trotz der prekären Tabellensituation war die Trainingsbeteiligung gut“, verdeutlicht De Simone. Er habe allerdings ganz allgemein – also losgelöst von seinem Team – festgestellt, dass sich etliche Akteure der heutigen Spielergeneration gewaltig überschätzten.

Neuer Anlauf

Von den 33 eingesetzten Spielern war einzig Aleksandar Kovacevic in allen Begegnungen dabei und eine feste Größe. „Er bringt immer seine Leistung, ist sehr ehrgeizig, hat einen großen Willen und war mit seiner Einstellung ein Vorbild“, erläutert De Simone. Ihm folgt Marios Roumeliotis, der 31 von 34 möglichen Partien bestritt. „Marios ist talentiert, konnte aber wegen seiner Ausbildung nicht immer trainieren. In den Spielen hat er alles gegeben“, beschreibt der Coach den 21-jährigen Stürmer. Dritter in der Einsatzrangliste ist mit 29 Begegnungen der Bulgare Stanimir Blagoev, ein solider Rechtsverteidiger, der unermüdlich seine Seite beackert hat, jetzt aber vor einer Meniskusoperation steht.

Ruchheim erzielte 57 Treffer, was für einen Absteiger keine schlechte Ausbeute ist. Am erfolgreichsten war Dominik Strohmeier, der zehnmal traf. „Dominik war wegen einer Roten Karte lange gesperrt. In dieser Zeit hat er und sehr gefehlt“, betont der Übungsleiter. Auf sieben Treffer kommt Bernd Bätz, der schon allein wegen seiner Vielseitigkeit eine Ausnahmestellung einnimmt. Wie De Simone, der mit seiner Frau Filomena, Tochter Morena und Sohn Florio in Oggersheim wohnt und Geschäftsführer einer Firma für Kabeltechnik ist, informierte, bleiben die beiden besten Torschützen dem SVR erhalten.

Stefano De Simone hat seine Enttäuschung über den Abstieg inzwischen überwunden. „Das Gute am Fußball ist, dass es immer weiter geht, nach Regen wieder Sonnenschein kommt“, sagt er. Ein Satz, der auch vom italienischen Nationaltrainer Luciano Spalletti stammen könnte. Die Gemeinsamkeit zwischen ihm und De Simone: Beide nehmen mit ihrer bisherigen Mannschaft einen neuen Anlauf.

x