Leute in LU
Warum sich zwei ältere Damen für die „Tafel“ engagieren
Weil beide nun über 80 Jahre alt geworden sind und sich noch immer seit der Gründung der Ludwigshafener „Tafel“ im Jahr 2005 ununterbrochen und voller Freude engagieren, sind Gerda Hahn aus Ludwigshafen und Christa Pflock aus Maxdorf von Vehra, dem Verein zur Förderung des Ehrenamts in Ludwigshafen, besonders geehrt worden. Seit 17 Jahren helfen die beiden Frauen mittlerweile im Team bei der Verteilung von Lebensmitteln an bedürftige Menschen mit.
Als die wichtigsten Arbeiten zum Einräumen der Lebensmittel-Regale im „Tafel“-Gebäude in der Bayreuther Straße in West an diesem Vormittag getan sind, bittet Juergen Hundemer als Vorsitzender des Trägervereins die anwesenden Team-Mitglieder um eine kurze Pause und um Aufmerksamkeit. Gerda Hahn und Christa Pflock werden in die Mitte gebeten. „Sie haben sich von Anfang an seit Beginn der ,Tafel’ hier beteiligt. Sie sind ein Vorbild für alle Helfer. Wir möchten Ihnen heute unser großes Lob und unseren Dank aussprechen“, gratuliert Hundemer unter dem Beifall der Zuhörer und überreicht als sichtbares Zeichen zwei große Blumensträuße.
Jeden Tag ein anderes Team
Die „Tafel“ in Ludwigshafen sei eine Erfolgsgeschichte, rund 2000 Menschen würden hier monatlich versorgt. Das sei jedoch nur möglich, weil an sechs Tagen in der Woche jeden Tag ein anderes Team mit Engagement und Einfühlungsvermögen die Kunden bediene, sagt Hundemer und schließt die gesamte Helfertruppe von rund 120 Ehrenamtlichen in seinen Dank mit ein.
Die Aufgaben sind genau verteilt. Im Pavillon in der Bayreuther Straße ist Pflock für die Ausgabe von Wurst und Käse, Hahn für Brot und Backwaren zuständig. „Ab 8.30 Uhr werden Waren eingeräumt, ab 12 Uhr ist Ausgabe, das geht so bis 14 Uhr“, schildert Pflock den Ablauf. Sie ist gerade 80 Jahre alt geworden und kommt zweimal in der Woche für den „Tafel“-Dienst mit dem Auto aus Maxdorf hergefahren. Die 81-jährige Hahn wohnt in der Gartenstadt und hat es von daher nicht so weit.
„Da mache ich mit!“
Beide seien schon seit den Anfängen dabei, als die „Tafel“ noch in der Waltraudenstraße war, erzählen sie. „Ich habe damals einen Artikel über das Projekt in der RHEINPFALZ gelesen. Da habe ich gedacht, das wäre was für mich“, erzählt Pflock. Es habe damals einen Laden des Ehrenamts in der Amtsstraße gegeben, dort habe sie gehört, dass eine „Tafel“ eröffnet werden soll. „Da habe ich denen gesagt, da mache ich mit!“, beschreibt Hahn ihren Einstieg.
In den vergangenen Jahren habe ihnen die Arbeit im Team viel Spaß gemacht. Dazu sei es interessant, so viele Menschen auch aus anderen Ländern kennenzulernen, sind sich beide Frauen einig. Viele Leute kämen regelmäßig über Jahre her. Es gebe auch mal die Zeit, um ein wenig mit ihnen zu erzählen, man sehe die Kinder groß werden.
Pandemie hinterlässt Spuren
Die Verständigung klappe auch ohne große Deutschkenntnisse irgendwie immer, machen die Helferinnen deutlich, dass diese sozialen Kontakte auch für sie selbst eine Bereicherung darstellen. Beide leben inzwischen allein, die Kinder sind groß und aus dem Haus. Da sei die Arbeit bei der „Tafel“ eine willkommene Abwechslung. „Die Leute im Team haben auch privaten Kontakt miteinander, treffen sich mal oder gehen essen“, lobt Pflock die Gemeinschaft. Allerdings sei durch Corona vieles eingeschlafen, bedauert sie. „Wir haben hier so viel erlebt in diesen 17 Jahren. Und können dabei etwas Gutes zu tun“, meint Hahn. Von vielen Kunden komme dafür etwas zurück, auch ein Gefühl der Dankbarkeit. Ein wichtiger Grund, warum beide noch nicht ans Aufhören denken.
Zur Sache
Juergen Hundemer, Vorsitzender des „Tafel“-Trägervereins Vehra, berichtet, dass die im März gestartete Kampagne zur Gewinnung von Nachwuchs-Helfern sehr erfolgreich gewesen sei. „Es haben sich 60 Interessierte gemeldet, die helfen wollen.“ Nicht alle, aber ein großer Teil werde sicherlich auf Dauer bleiben, schätzt er. Im Einsatz für die „Tafel“ seien rund 120 Helfer an sechs Tagen pro Woche. Immer zwei Leute in jedem der vier bis fünf Fahrzeuge, die Lebensmittelspenden in Supermärkten der Region abholen. Dazu Helfer in der Ausgabestelle. Versorgt werden laut Verein hier 50 bis 60 Familien pro Tag. Nur bedürftige Menschen und auch diese nicht öfter als alle 14 Tage dürfen zur „Tafel“ kommen. Notiert wird dabei die Anzahl der Familienmitglieder, um bei der Ausgabe die Mengen der Lebensmittel abzuschätzen. „Die wenigsten kommen hier aus der Bayreuther Straße oder dem Einweisungsgebiet Kropsburgstraße“, betont Hundemer, dass die Kunden über die ganze Stadt verteilt sind. Von einem Rückgang der Tafel-Spenden aus Supermärkten wegen der Ukraine-Krise hat er bisher nichts gemerkt. Auch fünf geflüchtete Familien aus der Ukraine werden bisher von der „Tafel“ versorgt. 150 weitere Menschen alle 14 Tage seien machbar, meint Hundemer.