Handball
Warum sich Jannek Klein manchmal selbst im Weg steht
Es lief schon einmal besser für Jannek Klein. Der 22 Jahre alte Rückraumspieler der Eulen Ludwigshafen trumpfte beim ersten Saisonsieg in Balingen-Weilstetten groß auf. Klein erzielte den 27:26-Siegtreffer. Von da an ging es jedoch langsam, aber stetig bergab. Klein stagnierte. Er spielte kaum noch. Doch beim Heimsieg gegen den TVB Stuttgart vergangenen Donnerstag strotzte Jannek Klein vor Selbstbewusstsein. Er erzielte wichtige Tore. Der starke Auftritt des 1,96 Meter großen Linkshänders war Balsam für die Seele.
Der frühere Jugend- und Junioren-Nationalspieler kam vor knapp zwei Jahren von der zweiten Mannschaft des FC Barcelona nach Ludwigshafen. Er wollte spielen. Das war in der ersten Saison häufiger der Fall. Doch in dieser Runde hat ihn sogar Hendrik Wagner, der normalerweise im linken Rückraum agiert, im rechten Rückraum verdängt. Coach Ben Matschke beorderte Wagner auf diese Position. Und der machte es vorzüglich. So gut, dass er zum Spieler des Monats März in der Handball-Bundesliga gewählt wurde. Dafür bekam er sogar einen Pokal, „den Kretzsche des Monats“ – angelehnt an den früheren deutschen Nationalspieler Stefan Kretzschmar.
Dabei gehört Klein zu den besten Spielern seines Jahrgangs in Deutschland. Er sollte die Lücke des nach Stuttgart abgewanderten Jerome Müller schließen. Das Nordlicht, das mit 18 Jahren sein Bundesliga-Debüt gab und sogar schon ein paar Minuten in der Champions League ran durfte, weiß um seine Schwäche: „Manchmal stehe ich mir selbst im Weg und denke einfach zu viel nach. Ich bin ein Kopfmensch. Das behindert mich so manches Mal im Spiel. Dabei will ich alles immer besonders gut machen“, gibt Klein zu. Es kann auch anders gehen: „Wenn ich wie im Training cooler an die Sache gehe, haue ich die Dinger einfach rein. Das muss ich öfters im Spiel bringen. Das hilft mir und der Mannschaft.“
Ausbildung und Handball
So möchte Eulen-Torwart Gorazd Škof den Fußballfan des HSV an alter Wirkungsstätte in Flensburg erleben (19 Uhr, Flens-Arena). „Der Junge hat gute Ansätze. Er könnte es bestimmt noch besser, wenn er sich nur auf Handball konzentriert. Wer weiter kommen will in der Bundesliga, muss aus meiner Sicht Profi sein“, sagt Škof.
Momentan fährt Jannek Klein zweigleisig. Tagsüber die Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann bei Timepartner, abends und am Wochenende Training und Spiel bei den Eulen Ludwigshafen. Immer nahe dabei ist Teamkollege Christian Klimek, der ihm im Büro als „Chef“ gegenüber sitzt. Im Mai findet die Abschlussprüfung zur Ausbildung statt. Schon vorher möchte der Hobbygolfer Klarheit über seine sportliche Zukunft haben. Der Vertrag bei den Eulen endet nach zwei Jahren. Seine Vorstellung ist klar. Der Rendsburger möchte auch zukünftig der Eulen-Familie angehören. „Mir hat es hier von Anfang an gut gefallen. Mannschaft, Verein und Region. Als junger Spieler passe ich in das Konzept des Vereins. Ich könnte mir eine weitere Zusammenarbeit hier vorstellen“, sagt Klein.
Unterstützung erhält er von dem zum Saisonende ausscheidenden Coach Ben Matschke: „Spieler wie Jannek und auch Yessine Meddeb sind die besten Linkshänder ihres Jahrgangs. Sie müssen einen kontinuierlichen Prozess durchlaufen und werden diesen erfolgreich gehen. Das habe ich der Leitung auch so gesagt.“
„Viele Punkte sprechen für Jannek“
Diese Worte sind bei Geschäftsführerin Lisa Heßler angekommen: „Wir sind im Gespräch. Wir wissen um Janneks Vorzüge auf dem Spielfeld und auch außerhalb des Parketts. Viele Punkte sprechen für ihn. Die Entscheidung wird nach dem Flensburg Spiel fallen.“
Normalerweise würde Jannek Klein morgen Abend in der Flens-Arena die Familie und alte Freunde aus der Heimat treffen. Das ist immer noch nicht möglich. „Unsere Mannschaft wird wieder alles an Leistung rausholen. Richtig einfach haben wir es Flensburg noch nie gemacht. Wir haben auswärts beim Tabellenführer nichts zu verlieren. Also gehen wir es positiv an“, sagt der Mann mit der Schuhgröße 47. Aber auf großem Fuß lebt Klein keineswegs.