Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Nationalspieler David Schmidt doppelt frustriert ist

David Schmidt (links) war sauer nach der Niederlage gegen die Eulen Ludwigshafen, hier mit Dominik Mappes.
David Schmidt (links) war sauer nach der Niederlage gegen die Eulen Ludwigshafen, hier mit Dominik Mappes.

David Schmidt spielte drei Jahre für die Eulen Ludwigshafen. Er war ein Führungsspieler. Doch am Donnerstagabend war der Nationalspieler des Bergischen HC frustriert. Das lag nicht nur an einer Begebenheit, sondern auch an der 22:28-Niederlage.

David Schmidt hat in der Friedrich-Ebert-Halle schon einiges erlebt. Da waren der Aufstieg in die Handball-Bundesliga oder der sensationelle Klassenverbleib. Die Heimspielstätte der Eulen Ludwigshafen war bei solchen Ereignissen ein Hexenkessel. Sehr laut war es da. „Ich kenne aber auch Zeiten aus der Zweiten Bundesliga, als 900 bis 1000 Zuschauer kamen“, erinnert sich Schmidt. 2015 kam er zu den Eulen und spielte bis 2018 für den Verein. Dann wechselte er zum TVB Stuttgart. Nach zwei Jahren bei den Schwaben zog es den Nationalspieler zum Bergischen HC. Mit dem BHC erlebte Schmidt am Donnerstag ein Novum. „Ich habe noch nie vor leeren Rängen in der Eberthalle gespielt“, sagte Schmidt: „Das war schon komisch. Das war alles andere als ein gelungenes Spiel von uns“, sagte David Schmidt nach der 22:28 (14:13)-Niederlage gegen die Eulen.

Die Geisterkulisse ist nichts Neues für die Handballer. Seit Monaten spielen sie vor leeren Rängen. „Aber gerade kleine Hallen wie die Eberthalle oder unsere Halle beim BHC leben von der lauten Atmosphäre und der Enge“, sagt Schmidt. Dass es in der Vergangenheit häufiger mal laut wurde in der Eberthalle, daran hatte auch Schmidt seinen Anteil. Der rechte Rückraumspieler hatte sich schnell zu einem Führungsspieler entwickelt. Schmidt opferte sogar seine Gesundheit für die Eulen. Um in der Schlussphase des Abstiegskampfes 2018 dabei zu sein, spielte er mit einem Leistenbruch. Für David Schmidt war das nichts Außergewöhnliches. Der nun 27 Jahre alte Rückraumspieler ist unter anderem für seine Zuverlässigkeit und seine Loyalität bekannt. Schmidt identifiziert sich mit seinem Verein, mit seiner Aufgabe.

„Das tut allen weh“

Beim Bergischen HC steht er in der Hierarchie ziemlich weit oben im Team. Das kommt nicht von ungefähr. Der in Karlsruhe geborene Schmidt ist ein Teamplayer. Er ist ein Mensch, der gerne mal Freunde oder Mitspieler zu einem geselligen Abend zu sich einlädt. Wegen der Pandemie geht das aber nicht. „Das tut aber allen weh. Wir müssen uns noch einen Moment gedulden und bald können wir dann wieder etwas unbeschwerter leben“, sagt Schmidt. Er kam bislang übrigens unbeschadet durch die Pandemie.

Die zwischenmenschlichen Feinheiten weiß Schmidt eben zu pflegen. Das macht ihn so beliebt. Sein Studium der Betriebswirtschaftslehre hat er schon vor eineinhalb Jahren erfolgreich beendet. Nun würde er gerne ein Praktikum absolvieren, doch wegen Corona ist das schwierig. So setzt er sich auf seine Chopper und düst durch das Ruhrgebiet. „Hier reiht sich eine Stadt an die andere. Die Gegend wird unterschätzt. Leider haben wir oft relativ schlechtes Wetter“, bedauert Schmidt. Die Vorzüge der neuen Umgebung lernte Schmidt schnell kennen. Denn seine Freundin lebte neun Jahre in Köln. Einen besseren Guide hätte Schmidt nicht finden können. Bis 2022 hat Schmidt Vertrag beim Klub aus Solingen. Just dann wird es einen neuen Trainer geben. Denn Sebastian Hintze wird ab 2022 die Rhein-Neckar-Löwen trainieren. Die Spieler des BHC sollen in die Trainersuche mit eingebunden werden. „Ich finde das vernünftig“, sagt Schmidt. Er traut dem Verein zu, den nächsten Schritt zu gehen. „Das wäre sich langfristig im oberen Tabellenmittelfeld zu etablieren“, sagt Schmidt.

Nur noch drei Punkte

Von solchen Vorhaben können die Eulen Ludwigshafen träumen. Doch nach dem 28:22-Sieg gegen den Bergischen HC hat das Team den Anschluss an die Nicht-Abstiegsplätze verkürzt. Drei Punkte beträgt der Rückstand. „Die Eulen waren viel frischer als wir. Bei uns fehlte es auf allen Ebenen“, haderte David Schmidt.

Am Sonntag nun kommt die HSG Nordhorn-Lingen (12 Uhr, Friedrich-Ebert-Halle). „Wir müssen uns jetzt schnell erholen. Das hat oberste Priorität“, sagt Eulen-Spielmacher Dominik Mappes. Denn mit einem Sieg könnten die Eulen auf einen Punkt an Balingen-Weilstetten herankommen. Und Balingen kommt am 30. Mai in die Eberthalle. Es könnte also auch kommende Saison ein Wiedersehen mit David Schmidt geben.

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