Serie: Die Macher
Warum Klaus Maischein eine so enge Beziehung zur Halle der TSG Mutterstadt hat
„Meine Frau meinte schon spaßeshalber, dass ich mir ein Bett in der TSG-Halle aufstellen sollte“, sagt der 72-jährige Klaus Maischein, verheiratet mit einer Ur-Mutterstadterin, lachend. Und tatsächlich verbringt er etliche Stunden pro Woche in der Halle.
Als Vorsitzender des 1080 Mitglieder starken Großvereins hält er die Fäden in der Hand, muss schauen, dass alles läuft. Und das tut es auch. Die vereinseigene Halle sei Fluch und Segen zugleich, unterstreicht er. So schön sie auch sei, bedeute sie jede Menge Arbeit. Immerhin hat die TSG-Halle, die unmittelbar ans Palatinum angrenzt, schon 23 Jahre auf dem Buckel, ist aus dem Teenageralter längst raus. Die Jahrzehnte aber sieht man ihr nicht an. Die TSG’ler lieben ihre Halle. Langweilig wird es mit solch einer Immobilie nie. Davon kann vermutlich jeder Häuslebauer ein Lied singen. Aktuelles Projekt: Der Brandschutz muss auf den neuesten Stand gebracht werden.
Sieben Abteilungen – Handball, Judo, Leichtathletik, Schach, Trampolin, Turnen und Volleyball – sind unter dem Dach der TSG zu Hause. „Jede Sportart hat ihre ganz eigenen Charaktere“, meint Maischein augenzwinkernd. Sie in Harmonie zu halten, ausgleichend zu wirken, sieht er als eine seiner Hauptaufgaben. Und das gelingt ihm offensichtlich gut.
Per Zufall zum ersten Amt
Zwölf Jahre macht der 72-Jährige jetzt den Job des Vorsitzenden, hat in der Zeit neben dem sportlichen Alltag einiges erlebt. Ob Deutsches Turnfest in der Metropolregion Rhein-Neckar, die alljährlichen Kerwen, bei denen die TSG-Turnerfrauen mutmaßlich die weltbesten Waffeln kredenzen, oder das Groß-Event „Sport bewegt Mutterstadt“ zur 1250-Jahr-Feier der Gemeinde, sind ihm in positiver Erinnerung geblieben. Manchmal denke er auch darüber nach, dass es irgendwann mal Zeit sei, die Aufgabe in andere Hände zu übergeben, sinniert er. „Die Bürokratie nimmt mehr und mehr zu“, hat er festgestellt. Doch die Kandidaten für das Amt des Vorsitzenden stehen nicht gerade Schlange. „Uns fehlt die Altersklasse 30 bis 50 – nicht als Sportler“, erklärt Maischein und spricht vielen Vereinsverantwortlichen aus der Seele.
Sport spielte von jeher ein große Rolle im Leben des Klaus Maischein. Bei der TG Oggersheim spielte er Handball, ging dann zur Bundeswehr. Dort konnte er weiter sein sportliches Hobby betreiben. Im Anschluss entdeckte er seine Liebe zum Segeln, übernahm bei der Segelgemeinschaft Waldsee sein erstes Funktionärsamt. Als sein Sohn mit dem Handballsport in Mutterstadt begann, war der Vater – so wie es sich für einen waschechten Fan gehört – bei den Spielen seines Filius dabei. „Du sitzt doch nur oben rum“, soll der damalige Handball-Abteilungsleiter zu Maischein im Spaß gesagt haben und meinte damit wohl: „Da kannst du auch etwas schaffen.“ Der Mutterstadter überlegte nicht lange, wurde Spiel-, später Abteilungsleiter. Von da war es nur noch ein kurzer Weg zum Chefposten.
Horst Reimer, der als Vorsitzender 40 Jahre lang das Gesicht der TSG war, suchte nach einem Nachfolger und fand seinerzeit, dass Maischein dafür prädestiniert sei. „Mein Vorgänger hat mich zwei Jahre an die Hand genommen und mich auf das Amt vorbereitet. So möchte ich es mit meinem Nachfolger auch machen“, sagt Maischein, der neben einem Sohn auch noch eine Tochter hat. 2009 folgte die Stabübergabe vom mittlerweile verstorbenen Reimer zu Maischein, der neben seinem sportlichen Ehrenamt zudem für die SPD im Mutterstadter Gemeinderat sitzt. Als Politiker und Funktionär weiß er, wie alle ticken. Zum Bürgermeister der Gemeinde pflegt er ein gutes Verhältnis. „Eine enge Zusammenarbeit ist wichtig“, betont Netzwerker Maischein. Die Corona-Pandemie hat der Verein gut überstanden, wohl auch, weil neue Ideen, wie Onlineangebote dafür sorgten, dass in der so schwierigen Zeit die Mitglieder dabei blieben.
Es gibt tatsächlich – man mag es kaum glauben – für den Mutterstadter auch ein Leben fernab des Ehrenamtes. Entspannung findet er beispielsweise beim Radfahren mit seiner Frau. Früher liebte er es, regelmäßig auf Segeltörns zu gehen. „Da kommt man dann richtig runter“, sagt er. Da ist sicherlich weniger los als in seinem Wohnzimmer, der TSG-Halle.