MANNHEIM
Warum Florian Sump so gerne Hip-Hop für Kinder macht
Herr Sump, ich soll Ihnen eine Frage von meiner fünfjährigen Tochter stellen: „Warum“, möchte sie wissen, „sind das eigentlich unsere Freunde?“
Das ist eine ziemlich gute Frage. Vor allem, weil es nicht sagt: Warum heißt Ihr Deine Freunde, sondern warum seid Ihr es? Ich würde die Frage so beantworten: Lukas, Pauli und ich sind im Lauf der letzten zehn, zwölf Jahre Freunde geworden und machen Musik zusammen. Wenn man sich diese Musik anhört, sind wir in dem Moment auch deine Freunde. Weil du uns zuhören kannst. Ich hoffe, das ist nicht zu abstrakt für Ihre Tochter. Aber sie hat sich ja anscheinend selbst schon Gedanken gemacht.
Und ist es nicht so, dass Kinder oft mehr checken, als wir Erwachsene ihnen zutrauen?
Ja. Unbedingt. Es ist oft so, dass man Kinder unterschätzt. Wir stellen das immer wieder auf der Humor-Ebene fest. Wenn wir ironisch sind oder etwas zwischen den Zeilen transportieren, begreifen sie oft intuitiv, worum es geht. Sie haben uns auch sehr von Album zu Album und von Tour zu Tour ermutigt, in dieser Vorgehensweise noch kompromissloser zu werden. Wir haben ein Lied auf dem vorletzten Album, das „Elternvertreterwahl in der Kita“ heißt, von dem wir dachten, das ist eher was für die Eltern. Weil Kinder das Glück haben, nicht zu Elternabenden gehen zu müssen. Aber auch den finden die Kinder lustig.
Kinder wachsen da auch rein, sie hören Songs ja auch nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder. Haben sie eine Erklärung für dieses Phänomen?
Kinder können sich dem irgendwie mehr hingeben. Ich habe das Gefühl, dass es vielleicht was damit zu tun hat, dass Kinder sehr im Augenblick leben. Und nach fünf Minuten gibt es ein neues Jetzt, das wieder gefüllt werden möchte. (
Nach über zehn Jahren hat Sie mindestens eine Kindergeneration komplett erlebt. Aber dann ist es auch vorbei.
Manchmal begleiten ältere Geschwister die jüngeren noch zum Konzert. Nach unserer bisherigen Erfahrung finden sie uns, wenn sie dann in der Pubertät sind, aber nicht plötzlich superdoof. Unter unseren ältesten Videos bei Youtube gibt es Kommentare wie: „Ach, das war meine Kindheit.“ Für die ist das ein Riesenfeld, weil zwischen zehn und 20 so unglaublich viel passiert. Für uns fühlen sich die letzten zehn Jahre natürlich nicht nach einer so riesigen Zeitspanne an. Die vergingen wie im Flug. Zeit wird wirklich unterschiedlich wahrgenommen.
Für Sie persönlich kommt noch eine Sache dazu: Wahrscheinlich sind in den Konzerten immer wieder Mamas, die Sie mit Ihrer ersten Band Echt gesehen haben.
Ja, das kommt manchmal vor, und das ist ein besonderes und wirklich krasses Gefühl. Für mich fühlt sich das manchmal an wie voneinander getrennte Leben, weil zehn Jahre zwischen diesen beiden Bands liegen, in denen ich alle möglichen anderen Jobs gemacht und nicht von Musik gelebt habe.
Sie waren unter anderem als Erzieher tätig.
Ja, bis Januar 2019. Ich habe das immer sehr gerne gemacht. Aber ich hatte zunehmend das Gefühl, mich zwischen dem Job, der Musik und meiner eigenen Familie zu zerreißen. So habe ich es dann aufgegeben.
Ich bewundere Erzieherinnen und Erzieher allein dafür, den ganzen Tag diesen Krach aushalten zu müssen.
Das stimmt. Wenn ich mich nach der Arbeit in der Kita oder in der Ferienbetreuung mit Leuten getroffen habe, musste immer erst mal wieder meine Stimme runterreguliert werden. Dann hat man mir immer gesagt: „Flo, du musst nicht schreien.“ Man muss auch mit Chaos und sehr lebendigem Leben klarkommen. Aber wenn man einen guten Zugang zu den Kindern hat, ist es ein toller Job. Und vor allem nicht langweilig. Das hat mir gut gefallen.
War es trotz der Pandemie, die ein Jahr später anfing und viele abgesagte Konzerte zur Folge hatte, die richtige Entscheidung, den Job 2019 an den Nagel zu hängen?
Ja. Es war nicht leicht. Aber es hat trotzdem ganz gut geklappt. Das hat vor allem damit zu tun, dass wir eigentlich von Anfang an darauf gesetzt haben, uns Freiheiten zu erarbeiten. Wir haben unser eigenes kleines Label gegründet und vertraglich alles so geregelt, dass wir die Kontrolle über alles haben und es auch verdienstmäßig Sinn macht. So sind wir ganz gut durch die Pandemie gekommen. Aber jetzt wird es auch gerne wieder Zeit, Konzerte zu spielen.
In Mannheim spielen Sie am 26. Juni – Ihrem 41. Geburtstag.
Ich hatte schon mal Geburtstag, als wir beim Fusion Festival gespielt haben. Da waren Techno-Fans und kaum Kinder.
Bitte?
Ja, das war verrückt. In der gleichen Woche waren wir noch in Stefanie Hertels großer Muttertagsshow. Uns ist es im Grunde egal, wo du uns hinstellst. Wir finden unseren Weg zu den Leuten.
Und trotzdem bewegen Sie sich mit Ihrer Musik in einer Nische.
Ja, und das ist eine ganz bewusste Entscheidung gewesen. Auf der einen Seite sind wir mit dem, was wir machen, immer erfolgreicher geworden, und es ist inzwischen wirklich groß. Auf der anderen Seite führen wir überhaupt kein Promileben. Wir müssen keine Angst haben, genervt oder dauernd fotografiert zu werden. Das genießen wir.
Sie hatten das Popstarleben ja schon. Echt waren ein paar Jahre lang eine richtig große Nummer.
Wir haben es geliebt, Konzerte zu spielen und auf Tour zu sein. Aber das Popstarleben zu führen, fand ich auch sehr anstrengend. Ich fühlte mich ständig beobachtet und kritisch beäugt. Und da hing auch eine große Maschinerie dran, wir hatten auch Verantwortung für Arbeitsplätze. Das war ein permanent angespannter Zustand, den wir glaube ich nur so gut überstanden haben, weil wir so gut befreundet waren. Man muss auch sehen, dass wir damals sehr jung waren. Heute ist schon deswegen vieles einfacher für mich, weil ich erwachsener geworden bin.
Termin
Deine Freunde spielen am Sonntag, 26. Juni, 16 Uhr, beim Zeltfestival auf dem Mannheimer Maimarktgelände. Karten: www.deinefreunde-tickets.de
Zur Person
Florian Sump
Zehn Jahre alt war der Flensburger Florian Sump 1991, als er gemeinsam mit seinem Schulfreund Kai Fischer eine Band gründete – es war die Geburtsstunde von Echt, die zwischen 1998 und 2002 unzählige Mädchen (und viele Jungs) begeisterte und mit Songs wie „Wo bist du jetzt?“ und „Du trägst keine Liebe in dir“ Erfolge feierte. Nach dem Ende der Band Echt, deren Schlagzeuger er gewesen war, hatte Sump viele Jobs. Unter anderem arbeitete er in einer Hamburger Kita. Unter dem Pseudonym Jim Pansen veröffentlichte er Hip-Hop-Songs. Seit 2012 bildet er mit Fettes-Brot-DJ Markus Pauli und Autor und Moderator Lukas Nimscheck die Band Deine Freunde. Sie hat bisher sechs Studioalben veröffentlicht und zuletzt das Best-of-Album „Hits! Hits! Hits“. Sump, 40 und Vater von zwei Kindern, lebt mit seiner Familie in Hamburg.