Badminton
Warum für die TuS Neuhofen schon wieder alles vorbei ist
Sie hatten sich so sehr gefreut auf die neue Saison. Die Badmintonspieler der TuS Neuhofen waren vor der Runde in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. Über Umwege allerdings. „Auf einmal war sie da, die Anfrage, ob wir bereit wären, in der Zweiten Bundesliga an den Start zu gehen“, sagt Timo Kettner. Weil einige Vereine ihre Mannschaft aus der Bundesliga zurückgezogen hatten, bekamen die Neuhofener unerwartet die Möglichkeit, als Vizemeister der Regionalliga nachzurücken.
Damit wurde eine Erfolgsgeschichte gekrönt. Denn noch nie hatte Neuhofen höher gespielt. „Mein Ziel war jede Saison ein Aufstieg“, sagt Timo Kettner, Kapitän und TuS-Urgestein. Er stieg mit dem Team von der Bezirksliga bis in die Zweite Liga auf. „Dazwischen liegen mindestens zehn Jahre“, sagt er. Als Zweiter der Oberliga Südwest schafften die Neuhofener den Schritt in die Regionalliga Mitte und nun in die Zweite Bundesliga.
Kostspielige Anforderungen
Doch nach nur fünf Spieltagen ist das Abenteuer Zweite Bundesliga für Neuhofen beendet. Die Saison wurde abgebrochen. Das haben Vorstand und Spielausschuss der Deutschen Badminton-Ligaverbandes entschieden. „Für uns war die Alternative keine Alternative“, betont Kettner. Im Raum stand, eine verkürzte Saison zu spielen. Also: Nur die Hinrunde zu beenden und keine Rückrunde mehr spielen. Dagegen haben sich aber viele Vereine auf einer Videokonferenz vor wenigen Tagen ausgesprochen. So wird es nun keinen Absteiger in dieser Saison geben – allerdings Aufsteiger. „Wir haben damit unser Ziel erreicht“, sagt Kettner mit gemischten Gefühlen: „Dass es aber so kam, ist nicht optimal.“
Doch in solchen Zeiten ist nun einmal nicht alles optimal. Für Timo Kettner haben sich aber auch die fünf Ligaspiele gelohnt. „Wir haben etwas Erfahrung sammeln können und die organisatorischen Abläufe kennengelernt. Da kommt dann in der neuen Saison nicht viel Neuland auf uns zu“, sagt Kettner. Denn die Anforderungen in der Zweiten Bundesliga waren umfangreich und kostspielig. So dürfen in der neuen Liga keine weiteren Spielfelder für andere Sportarten, wie beispielsweise Handball oder Volleyball eingezeichnet sein. Da die Rehbachhalle in Neuhofen, die Heimspielstätte der TuS, jedoch nicht nur von den Badmintonspielern genutzt wird, musste nach einer Lösung gesucht werden. „Wir hätten in ein Badmintoncenter ausweichen können. Das wollten wir aber nicht“, unterstreicht Neuhofens Nummer eins.
Im Normalfall kostet eine Spielfeldmatte rund 5000 Euro. Zwei hätte die TuS gebraucht. Doch durch glückliche Umstände kaufte Neuhofen eine gebrauchte Matte. Zwei weitere wurden gemietet. Der Arbeitsaufwand, um die gemieteten, aus Einzelteilen bestehenden Matten zu verlegen, ist immens. 90 Minuten brauchen die TuS-Spieler, um eine einzige Matte in mehreren Arbeitsschritten ordnungsgemäß aufzubauen. Glücklicherweise besitzen die Neuhofener auch eine einteilige Matte, die innerhalb von fünf Minuten spielbereit daliegt. „An sich müssten wir die Matten vor jedem Training aufbauen, um uns daran zu gewöhnen, aber das ist vom Aufwand her nicht zu leisten“, meint Kettner. Elektronische Anzeigetafeln, Tablets für die Unparteiischen und einen Live-Ticker fürs Internet – all das wird in der Zweiten Liga gefordert.
Neuer Trainer kommt auf Neuhofen zu
Von der Infrastruktur hat Neuhofen schon Zweitliga-Niveau. Sportlich lief es durchwachsen. Nach fünf Spielen ist Neuhofen Tabellenletzter mit zwei Punkten. Geretsried, das erste Team auf einem Nicht-Abstiegsplatz, hat aber nur einen Punkt mehr. Es war also sportlich alles möglich gewesen. „Wir waren gegen ganz viele Gegner konkurrenzfähig. Es gab viele knappe Spiele, doch diese haben wir verloren“, analysiert Kettner. Er vermutet, dass der Respekt vor der neuen Liga noch zu groß gewesen sei. „Uns fehlte häufig die Abgeklärtheit und Routine“, sagt Kettner.
Diese Defizite soll nun ein neuer Trainer schließen. Neuhofen hat Raphael Beck als Chefcoach engagiert. Der 28 Jahre alte Beck studiert in Mannheim, spielt aber weiter für den Bundesligisten Refrath. Beck wurde 2016 und 2017 im Doppel mit Peter Käsbauer deutscher Meister. 2017 holte er auch im Mixed den nationalen Titel. „Raphael ist im Doppel und im Mixed ein Spezialist. Wir hoffen, dass er uns da voranbringt“, sagt Kettner. Beck, der vor zwei Jahren aufgehört hatte, für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen, hat die A-Lizenz, und war von sich aus auf Neuhofen zugegangen. Er suchte einen Verein, bei dem er trainieren kann. „Wir suchen schon länger einen Trainer“, sagt Kettner.
So kann Beck dem TuS Neuhofen schon seine Erfahrungen weitergeben. Denn seit Anfang Februar darf der Zweitligist wieder in der Rehbachhalle trainieren. „Das ist ein gigantischer Vorteil“, sagt Kettner erleichtert, „denn Training in der Halle ist eine ganz andere Belastung als nur Joggen.“ Kettner weiß das Entgegenkommen des Landkreises zu schätzen. „Alle Bundes-, Zweit-, und Drittligisten im Badminton dürfen normalerweise trainieren. Aber in der Zweiten Bundesliga Nord können zehn von elf Teams nicht trainieren, weil die Kommunen die Hallen nicht öffnen, obwohl es die Landesverordnung erlaubt. Wir sind daher sehr froh und dankbar, dass wir trainieren dürfen“, sagt Kettner. In der Zweiten Liga Süd sei es nicht so dramatisch wie im Norden. „Acht von elf Klubs trainieren“, informiert Kettner.
Im September soll es dann mit der neuen Saison weitergehen. Das hat der Badmintonverband so vorgesehen. Die Zweite Liga wird dann voraussichtlich mit zwölf Mannschaften starten. Aktuell sind es elf Teams. Ob die Liga abermals aufgestockt wird, hängt davon ab, ob ein Team aus der Bundesliga freiwillig absteigen will. Auf Dauer aber wird die aufgeblähte Liga wieder verkleinert. Acht Mannschaft ist die Regelgröße. Schrittweise wird die Liga auf acht Teams verkleinert. Neuhofen will dann ein Teil dieser Achter-Liga sein.