Ludwigshafen
Warum es sich ausgeschlafen besser lebt
„Etwa jeder Fünfte leidet innerhalb eines Jahres temporär an Schlafproblemen“, sagt Michael Schredl, wissenschaftlicher Leiter des Schlaflabors vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim. Während viele Betroffene nach kurzer Zeit wieder beruhigt schlafen können, fällt anderen das deutlich schwerer. Der „Mach-Dein-Bett-Tag“ am 11. September widmet sich deswegen wichtigen Faktoren, die es für einen erholsamen Schlaf braucht. Ursprünglich stammt der kuriose Feiertag aus den USA. Seine Intention, Aufmerksamkeit für eine gesunde Schlafhygiene zu schaffen, ist hierzulande aber nicht weniger relevant.
„Schlaf ist überlebenswichtig, denn in dieser Zeit finden Regenerationsprozesse im ganzen Körper statt“, erläutert Schredl. In der Nacht würden Giftstoffe ausgespült, Speicher aufgefüllt und Eindrücke des Tages im Gehirn verarbeitet werden. Deswegen sei es nicht verwunderlich, dass ausgeschlafene Menschen besser mit Enttäuschungen oder aber auch Schmerzen umgehen könnten, als solche, denen die nächtliche Ruhe fehlt. Daneben erhöhe sich bei schlechtem Schlaf das Risiko für andere Erkrankungen wie Diabetes und Alzheimer.
Nicht zu lange warten
Laut Studien seien etwa zehn Prozent aller Deutschen von chronischen, also langfristigen Schlafproblemen betroffen. Diese gliedern sich in zwei Bereiche. Einerseits gibt es atmungsbezogene Auffälligkeiten wie Schnarchen und Atemaussetzer. Im zweiten Arbeitsfeld werden alle Schlafprobleme zusammengefasst. Hierzu zählen beispielsweise Ein- und Durchschlafprobleme oder Albträume. Die Auslöser reichen von Stress über Schmerzerkrankungen bis hin zu körperlichen Ursachen wie Tinnitus und unruhigen Beinen. Wichtig sei dabei nicht, wie lange ein Patient schon mit den Schlafproblemen kämpfe, sondern ob ein klinisch signifikantes Leiden vorliege. Dazu gehören Müdigkeit, Stimmungsschwankungen oder Konzentrationsverlust. „Das kann auch schon nach kurzer Zeit bei Patienten auftreten“, sagt Schredl. Er rät deswegen, nicht zu lange zu warten, bevor ein Spezialist aufgesucht wird.
Aber auch präventiv könne einiges gemacht werden, um Schlafproblemen vorzubeugen. Schredl empfiehlt, das Smartphone eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen aus der Hand zu legen. Stattdessen seien beruhigende Abendrituale wie Lesen sinnvoller. „Das Bett wird zudem nur zum Schlafen genutzt. Sexuelle Aktivitäten sind auch erlaubt. Alles andere besser nicht“, führt Schredl aus. Denn das Gehirn solle Bett mit Ruhe und Schlaf verknüpfen. Von oftmals empfohlenen Zimmerfarben oder der idealen Raumtemperatur hält Schredl nicht viel. Stattdessen solle hier jeder auf sich selbst hören. „Ich kann bei einer Graffiti-Wand nicht gut schlafen, aber wenn das jemand anderem gefällt, ist das doch prima“, sagt er.
Auch solle man sich nicht unter Druck setzen, und versuchen, Schlaf zu erzwingen. Das führe zu einem Kreislauf aus Stress anstatt zu Entspannung. „Kein Mensch kann an nichts denken, das funktioniert einfach nicht. Deswegen hilft dieser Tipp auch nicht“, erläutert Schredl. Sinnvoller sei, Gedanken zuzulassen und zu versuchen, ihnen mit innerer Gelassenheit zu begegnen. Er empfiehlt, sich einen Fluss vorzustellen, in dem die Gedanken vorbeitreiben und man ihnen vom Ufer aus dabei zusieht. Für diesen Umgang sei jedoch ein wenig Übung nötig. Autogenes Training und Yoga seien ebenso förderlich.
Matratze ist entscheidend
Doch nicht nur die innere Einstellung ist wichtig. Auch äußere Faktoren wie die richtige Matratze spielen eine Rolle. Das bestätigt Ahsam Din von der Facharztpraxis für Orthopädie und Chirurgie in Ludwigshafen. „Eine gute Matratze ist entscheidend für das Wohlbefinden“, erläutert der Arzt. In seiner Praxis seien oft Patienten mit Rückenbeschwerden, bei denen die passende Matratze zumindest anteilig Abhilfe schaffen kann. Grundsätzlich seien sogenannte Tempurmatratzen empfehlenswert. Sie bestehen aus einem Material, dass sich individuell an die Konturen anpasst und durch Druckverteilung die Wirbelsäule entlaste. Aber auch mit Matratzen mit Luftpolstern oder der klassischen Kaltschaummatratze könne man glücklich werden. Wichtig sei, die Matratze ausgiebig zu testen. Im Idealfall über mehrere Wochen hinweg.