Das Spontane interview RHEINPFALZ Plus Artikel Warum eine Kölnerin Ludwigshafen liebt

Susanne Faul im Gespräch mit Volker Endres
Susanne Faul im Gespräch mit Volker Endres

Irgendwo in Lu sind wir jede Woche auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern. Am Montag haben wir unter der Schneckennudelbrücke Susanne Faul getroffen. Die 78-Jährige ist gebürtige Kölnerin und lebt seit 1967 in Ludwigshafen. Ihre Lebens- und Berufsgeschichte könnte Bücher füllen, die sie selbst ausmalen würde.

Sie schauen so interessiert auf das Hochwasser ...
Ja. Ich habe mir angewöhnt, dass ich täglich über die Parkinsel radele. Der Rheinstrom hat für mich eine beruhigende Wirkung. Das ist vielleicht die Kölnerin in mir. Ich gehe eigentlich auch gerne am Kiesstrand spazieren, aber das geht ja im Moment nicht. Deshalb bin ich eben hier. Am liebsten bin ich im Winter morgens auf der Parkinsel. Da ist oft niemand außer mir unterwegs. Das genieße ich wirklich!

Sie leben als Kölnerin ja jetzt schon eine ganze Zeit lang in Ludwigshafen. Wie ist Ihr Bild von der Stadt?
Ich liebe es! Man merkt einfach, dass es noch immer eine junge Stadt ist mit enorm vielen Möglichkeiten. Ich erinnere mich zum Beispiel gerne an die Diskothek Chamanna im Zollhof. Das war eine tolle Zeit dort. Die Einrichtung war so zwischen griechisch und spanisch und es gab Felle an der Wand. Aber vor allem haben alle jungen Frauen für den Discjockey geschwärmt, der mit seinen langen blonden Haaren so ein bisschen der Steve McQueen-Typ war. Eben so ganz anders als unsere Ehemänner. Aber es waren nicht nur die Discotheken. Es war auch das Theater im Pfalzbau oder die Eröffnung des Wilhelm-Hack-Museums, bei der auch der alte Künstler Mirò noch mit dabei war, dem dann auch noch aufgefallen ist, dass eine der Kacheln an seiner Wand einen Fehler hatte. Das sind alles unvergessliche Erlebnisse!

Wie kamen Sie hierher?
Das ist eine ganz lange Geschichte: Geboren wurde ich in Köln, aber wir waren damals ausgebombt und mein Vater bekam eine Stelle in einer Möbelfabrik in Osthofen. So sind wir erst einmal in die Gegend gekommen. Für mich als Kind war das eine tolle Zeit auf dem Dorf. Aber später wollte ich eigentlich raus. Ich hatte eine Ausbildungsstelle als Fotoassistentin in Worms und dann später in Wiesbaden als Grafikerin gearbeitet. Aber dann habe ich bei einem Winzerfest meinen späteren Mann getroffen, und der war eben aus Ludwigshafen.

Und Sie haben hier auch gearbeitet?
Und wie! Ich hatte mich zunächst bei Knoll und BASF beworben, aber das hat nicht geklappt. Dann habe ich mir eine große Bewerbungsmappe zusammengestellt und mir vorgenommen, dass ich damit in jedes Geschäft in der Bismarckstraße gehe. Na ja, und hinter der ersten Tür war damals das Amt für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Ludwigshafen. Dann habe ich Anfang der 1970er-Jahre „Die kleine Lu“ als kleines freches Mädchen auf Entdeckungsreise durch die Stadt entwickelt. Neben den Zeichnungen habe ich auch noch ein bisschen Werbung gemacht. So bin ich damals in ein Lokal in Maudach gekommen. Der Besitzer hat mir und meinem Mann angeboten, dass wir den Laden übernehmen könnten. Das haben wir uns kurz durchgerechnet und dann auch gemacht. 1974 war das.

Und welches Lokal hatten Sie?
Das war der Erlenhof in Maudach. Den hatten wir dann 25 Jahre, bis mein Mann sehr früh verstorben ist. Ich habe es dann noch zwei Jahre alleine versucht, aber danach ging es einfach nicht mehr. Trotzdem hatten wir mit dem Laden sehr großes Glück. In der Küche war ein ehemaliger Schiffskoch, der sich auch wohlgefühlt hat, und unsere Verpächter waren sowieso großartig. Das war alles wie Familie.

Und in Gaststätten erlebt man sicher auch einiges ...
Oh ja! Jede Menge. Ich kann mich noch an die Gründungsversammlung der Mondglotzer erinnern. Und an viele andere schöne Begebenheiten.

Und jetzt genießen Sie den Ruhestand?
Nein. Das kann ich nicht. Überhaupt fühle ich mich unter Gleichaltrigen einfach nicht wohl. Deshalb mache ich jetzt seit ein paar Jahren Hausaufgabenbetreuung für die Diakonie im Hemshof. Das hält mich jung und fit.

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