TENNIS
Warum ein Weltstar für den TC Mutterstadt gemeldet war
Das Online-Lexikon Wikipedia lügt nur selten. Allerdings sind die Einträge auch nicht immer ganz vollständig. So steht dort über den griechischen Tennisspieler Stefanos Tsitsipas lediglich geschrieben, dass er am 12. August 1998 in Athen geboren ist und 2019 mit den ATP Finals die inoffizielle Tennis-Weltmeisterschaft gewonnen hat. Dass er jedoch von 2017 bis 2019 den TC Mutterstadt auf die Bühne der großen Tenniswelt gestellt hat, findet sich dort nicht. Schade eigentlich.
Der aktuelle Ranglistensechste der ATP-Weltrangliste in der Vorderpfalz? Wie kam das? Julian Rieck muss bei der Frage nicht nur schmunzeln, sondern auch ein wenig ausholen. „Das lag ein wenig an mir und vor allem sehr an unserem Nicolas Mayr.“ Der heute 22-Jährige war im Jahr 2017 noch auf vielen internationalen Turnieren unterwegs, kannte daher auch seine Altersgenossen ausländischer Verbände. „Uns ging es damals darum, dass wir ein paar ausländische Spieler in der Spitze melden, damit eventuell auch unsere deutschen Spieler in der Meldeliste nach unten rutschen und damit eventuell auch für die Zweite Mannschaft spielberechtigt sind“, erklärt der damalige Mannschaftskapitän der Mutterstadter das legitime Vorgehen.
Nie an Einsatz gedacht
Und so durchforstete Mayr seinen Bekanntenkreis und wurde unter anderem bei einem Griechen fündig, mit dem er im Alter von ungefähr 13 Jahren einmal bei einem Turnier Doppel gespielt hatte. „Wir haben einfach ein paar Spieler angeschrieben, ob wir sie zu uns auf die Liste setzen dürfen, und Stefanos hat sich zurückgemeldet“, so Rieck. Der Grieche wollte sich schon vor vier Jahren ganz auf seine gerade begonnene Profikarriere konzentrieren, hatte damit kein Interesse an der Medenrunde und war damit der ideale Kandidat für die Mutterstadter – zumal niemals an einen Einsatz gedacht war, was aus der Sicht des Griechen möglicherweise auch daran lag, dass die Spieltermine mit den French Open in Paris kollidiert werden, wie er mit einem schnellen Blick auf den Spielplan festgestellt hatte. „Als wir ihn im Winter angesprochen hatten stand er ungefähr auf 200 in der Welt.“ Das sollte sich jedoch schnell ändern, denn als die Saison in der Oberliga begonnen hatte, tauchte Tsitsipas schon unter den besten 70 Spielern in der Welt auf. „Wir haben ihn dann, rein aus Spaß, mal gefragt, was er denn aufrufen würde, wenn er wirklich mal bei uns auf der Anlage antreten würde, aber das war natürlich vollkommen illusorisch“, so Rieck. Den Abstieg der Mutterstadter hätten wohl auch Rafael Nadal und Roger Federer bei einem einmaligen Auftritt nicht verhindern können.
Mutterstadt als Heimatverein
Trotzdem hatte die Meldung für den TC Mutterstadt ein kleines, amüsantes, Nachspiel, denn der Deutsche Tennisbund führte den Griechen auch in den Folgejahren noch als Spieler der Mutterstadter. Auch, als er in der Weltrangliste immer weiter nach oben kletterte stand hinter dem Namen Tsitsipas, zumindest bei Turnieren in Deutschland, noch der TC Mutterstadt als Heimatverein. „Damit war einer der besten in Deutschland gemeldeten Spieler bei uns unter Vertrag“, sagt Rieck lachend.
Ob für die Spielzeit im Sommer 2021 ein ähnlicher Coup gelingt? Rieck steht zwar nicht mehr in der Verantwortung der Kaderplanung, will es aber nicht ausschließen: „Das steht und fällt natürlich alles mit der Adressliste von Nicolas Mayr.“