Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Warum ein Projekt in Ludwigshafen Vorreiter in Deutschland ist

Romina Heßler (links) spielte viele Jahre für die Damen der TSG Friesenheim. Nun ist sie Teammanagerin und verfolgt ein konkrete
Romina Heßler (links) spielte viele Jahre für die Damen der TSG Friesenheim. Nun ist sie Teammanagerin und verfolgt ein konkretes Ziel.

Das Modell ist einzigartig in Deutschland. Erstmals wollen zwei Vereine aus zwei unterschiedlichen Handball-Verbänden einen gemeinsamen Weg gehen. Die TSG Friesenheim und die Kurpfalz-Bären aus Ketsch kooperieren künftig miteinander. Sie beabsichtigen ein Leistungszentrum aufzubauen. Die Zeit drängt, denn seit Jahren hat ein Abwärtstrend begonnen.

Die Dritte Liga war das Ziel. Die Damen der TSG Friesenheim hatten dafür vieles getan. Sie durften trotz der Pandemie trainieren. Dann hatte Teammanagerin Romina Heßler schon mit Spielerinnen gesprochen, die die TSG verstärken sollten. Und: In André Sikora-Schermuly wurde sogar nur für die Aufstiegsspiele ein zweitligaerfahrener Trainer verpflichtet. Doch dann hat die TSG Friesenheim überraschend zurückgezogen.

Das sorgte für Diskussionen. Die Verantwortlichen überlegten vielmehr, wie der Mädchen- und Frauenhandball bei den Eulen künftig aufgestellt werden soll. Denn die TSG Friesenheim zählte in den vergangenen Jahren zu den erfolgreichsten Vereinen in der Pfalz, hat aber sowohl bei der weiblichen A-Jugend in der Bundesliga als auch bei den Damen in der Oberliga bisher nicht den nächsten Schritt geschafft, sich weiterzuentwickeln. Die Gründe sind unterschiedlich. Zum einen verließen immer wieder talentierte Spielerinnen den Verein, andererseits fehlten die finanziellen Mittel, um professionelle Bedingungen zu schaffen.

Da kam der Ruf der Kurpfalz Bären aus Ketsch zum richtigen Zeitpunkt. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga, der wenig erfolgreichen Saison in der Dritten Liga wollten sich Nordbadener ebenfalls strukturell neu ausrichten – bei bescheidenen finanziellen Möglichkeiten. „Ketsch ist vor über zwölf Wochen auf uns zugekommen und hat um ein Gespräch über die Situation im Frauenhandball gebeten“, berichtet Romina Heßler. Die Unterredungen verliefen vielversprechend. Nun soll ein Arbeitskreis ein Leistungszentrum entwickeln – ähnlich wie das HLZ Friesenheim-Hochdorf. Das wurde vor einem Jahr gegründet, aber nur für den Männerhandball.

Pionierprojekt

Beim angedachten Leistungszentrum der Frauen wird es einen gravierenden Unterschied zum HLZ der Männer geben. Das Frauen-Leistungszentrum verbindet zwei Verbände – den badischen und den Pfälzer Handballverband. Dieses Modell ist im weiblichen Handball in Deutschland bislang einmalig. Der Badische Handball-Verband (BHV) und der Pfälzer Handball-Verband (PfHV) unterstützen die geplante Spielgemeinschaft in der Metropolregion Rhein-Neckar. Ab der Saison 2022/23 soll sie starten. „Dass sowohl wir in der Pfalz als auch die Kollegen in Baden im Mädchen- und Frauenhandball, neue Impulse brauchen, ist kein Geheimnis. Dieser Schritt ist ein Weg, den wir gerne unterstützen. Vielleicht gelingt es uns gemeinsam in der Metropolregion Rhein-Neckar einen Lichtblick für den leistungsorientierten Frauen-Handball zu schaffen“, sagt PfHV-Präsident Ulf Meyhöfer und betont: „Die Region hat Talente. Es wäre toll, diesen weiblichen Talenten auch Chancen zu eröffnen, Sport und Beruf besser zu verknüpfen.“

In der kommenden Spielzeit werden die TSG Ketsch und die TSG Friesenheim jeweils noch mit eigenen Mannschaften in die Saison starten. Allerdings sollen die Trainings- und Spielorte bereits geteilt und die Teams teilweise schon zusammen trainieren. Auch in den durch die Corona-Pandemie sehr spät stattfindenden Spielergesprächen wird die Kooperation berücksichtigt. Denn das Ziel ist klar: Beide Klubs wollen das Handball-Leistungszentrum. Es soll den leistungsorientierten Frauenhandball in der Region festigen. Denn immer weniger Mädchen spielen Handball, es gibt weniger lizenzierte Trainer und Trainerinnen, Hallenkapazitäten fehlen und die finanziellen Mittel werden geringer.

Das neue Leistungszentrum soll den Abwärtstrend stoppen und für rosigere Zeiten sorgen. Schon jetzt soll gemeinsam trainiert werden. Zumindest ist die Durchlässigkeit für die Nachwuchshandballerinnen gegeben – von der Zweiten Liga bis zur Oberliga. Deshalb hat die TSG auch auf die Aufstiegsspiele in die Dritte Liga verzichtet. „Wir wollen mit diesem Schritt allen ambitionierten Spielerinnen in der Metropolregion Rhein-Neckar ein gemeinsames Zuhause bieten. Unser Ziel ist es, jugendliche Talente über eine fundierte Anschlussförderung bis hin zum Erreichen von mindestens Drittliga-Niveau durchgängig zu fördern“, sagen Christian Lange, Sportlicher Leiter der Kurpfalz-Bären und Romina Heßler in einer Pressemitteilung.

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