Tennis RHEINPFALZ Plus Artikel Warum die Vereine keine abgespeckte Saison mehr wollen

Eine Saison mit Zuschauern und Zusammenkünften wünschen sich alle Tennisvereine. Das wird aber diese Runde wohl noch nicht mögli
Eine Saison mit Zuschauern und Zusammenkünften wünschen sich alle Tennisvereine. Das wird aber diese Runde wohl noch nicht möglich sein. Das Bild entstand auf der Anlage des BASF TC Ludwigshafen.

Tennis: Am Wochenende sollte eigentlich die Medenrunde beginnen. Der Start ist allerdings verschoben worden – vorerst in den Juni. Wird die Saison jedoch überhaupt stattfinden? Der Tennisverband Pfalz hat jedenfalls seine Mitgliedervereine dazu befragt. Die Antworten sind eindeutig. Auch die Vereine aus Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis haben eine klare Meinung.

Eigentlich würden spätestens an diesem Wochenende wieder die Bälle über das Netz fliegen. Mannschaften der Vereine aus Ludwigshafen, Mutterstadt, Maxdorf und Schifferstadt würden um Punkte zwischen Pfalzliga und Zweiter Bundesliga der Damen kämpfen. Doch zunächst einmal müssen sich die Tennisspieler noch gedulden.

Der Tennisverband Pfalz (TVP) aber ist schon einmal aktiv geworden. Der Verband hat die Vereine in der Pfalz zu verschiedenen Szenarien befragt. Unter anderem ging es darum, ob die Klubs sich einen Saisonstart am 7. Juni oder auch ab den Sommerferien (ab 19. Juli) vorstellen könnten? Ob es eine weitere „Übergangssaison“, also ohne Auf- und Absteiger werden soll? Ob die Mannschaften sich eine Runde lediglich mit Einzeln vorstellen könnten? Und ob diese Spiele in eine Tabelle eingehen, mit der Auf- und Absteiger ermittelt werden? Auch die komplette Absage der Spielrunde stand aktuell noch zur Diskussion.

Die Antworten sind eindeutig. Über 80 nahmen an der Umfrage bislang teil, sagte Thomas Knieriemen, Geschäftsführer des TVP, am Donnerstagabend auf Nachfrage. Es trudeln immer noch Antworten ein. „Die Tendenz geht klar zu einer normalen Runde, also mit Doppel und mit Auf- und Absteiger“, sagt Knieriemen. 40 Klubs seinen für diese Variante. Sollte das nicht möglich sein, dann plädieren rund 30 Vereine für eine „Übergangsrunde mit Doppeln“ – wie schon vergangenes Jahr.

Bundesliga-Saison ist fix

Zumindest der Saisonstart in der Zweiten Liga ist vom Deutschen Tennisbund mittlerweile fixiert. Die Herren des BASF TC Ludwigshafen sollen zwischen dem 11. Juli und dem 8. August spielen, die Damen des BASF TC und des TC Oppau sind zwischen dem 7. und dem 29. August gefordert. Auf ungeteilten Beifall trifft diese Regelung nicht. Denn auf regionaler Ebene fragen sich hingegen die Vertreter aus Ober-, Verbands- und Pfalzliga, wann und ob sie überhaupt spielen können.

Das Meinungsbild dazu ist bislang, wie erwartet, sehr uneinheitlich. Einigkeit besteht bei den Vereinsvertretern vor allem in einer Hinsicht: „Wenn schon spielen, dann am liebsten nur mit Doppeln.“ Dem stellt sich lediglich Steffen Neutert, Trainer und Vorstandsmitglied des BASF TC Ludwigshafen, entgegen. „Das Wichtigste ist, dass in diesem Sommer überhaupt gespielt wird. Zur Not auch nur mit Einzeln“, sagt er. Es sei klar, dass es keine schöne Saison werde, „aber sie ermöglicht weitere Spielzeiten“, meint Neutert vor allem mit Blick auf die Zweitliga-Mannschaften von Damen und Herren seines Vereins. Ein weiterer Saisonausfall wäre den Sponsoren schwer zu verkaufen.

Klare Haltung beim TC Oppau

Thomas Süß, sportlich verantwortlicher Vorstand des TC Oppau, widerspricht vehement. Er spricht aufgrund der Terminverschiebung von Wettbewerbsverzerrung bei den Zweitliga-Damen. „Wir werden zu keinem Zeitpunkt unsere stärkste Mannschaft stellen können“, betont Süß. Er bedauert, dass ohne Zuschauer und ohne Doppel gespielt werden solle. Den die besondere Vereinsstruktur in Oppau wünsche sich Wettkämpfe mit Fans und Geselligkeit. „Wir sind nicht professionell aufgestellt, und wir arbeiten nicht mit Profis“, stellt Süß klar. Für die Oppauer sei ein Spieltag vor allem auch ein gesellschaftliches Ereignis, die Bundesligaspiele ein Saisonhöhepunkt. „Unter den vorgeschlagenen Bedingungen steht der Aufwand aber in keinem Verhältnis“, sagt er. Das gelte auch für die teilweise hochklassigen Altersmannschaften im Verein. „Da fährt man teilweise 200 Kilometer zu einem Auswärtsspiel, darf ein Einzel spielen, sich beim anderen Verein weder duschen noch umziehen, man bekommt nichts zu Essen und fährt dann wieder 200 Kilometer zurück“, nennt er ein Beispiel.

Ein Szenario, wie es auch Stefan Gruler, Vorsitzender des TC Mutterstadt, überhaupt nicht schmecken will. Er hat immerhin schon ein Meinungsbild seiner Mannschaften gesammelt. „Die Mannschaften an sich wollen gerne spielen“, gibt er den Tenor wieder. In der Verbandsliga der Herren als öffentlichkeitswirksamste Veranstaltung des Vereins, sei man ohnehin von einem spielfreien Mai ausgegangen. „Aber wir wären gerne spätestens im August durch“, sagt Gruler. Immerhin müssten danach einige Spiele, wie Eigengewächs Nico Mayr, wieder zurück zum Studium in die USA. Je höher gespielt werde, desto unterschiedlicher seien außerdem die Trainingsbedingungen in unterschiedlichen Kreisen und Bundesländern. „In Hessen hat man beispielsweise durchtrainiert“, nennt er ein Beispiel für die Regionalligen auch in den Altersklassen. Nicht nur deshalb ist für Gruler klar: „Eine Saison mit Auf- und Abstieg ist zweifelhaft – erst recht, wenn nur Einzel gespielt werden können.“

Alles oder nichts

Ähnlich sieht das Jochen Petry, Sportwart der Tennisabteilung imTV Ruchheim. „Unsere Mannschaften wollen gerne spielen – aber nur mit Doppeln“, sagt er. Und am liebsten auch nur mit einem „echten“ sportlichen Wert, also Auf- oder Abstieg. Auch in Ruchheim sei die Geselligkeit wichtiger Bestandteil der Spieltage. Ein Gefühl, dass sich im Vorjahr schon nicht eingestellt habe, und auf das man gerne verzichten könne.

Bloß nicht in Sommerferien

Ein Meinungsbild, das Michael Lang, Sportwart des TC Maxdorf, gut nachvollziehen kann. „Auch bei uns haben alle Lust auf Spiele“, sagt Lang. Jedoch ist die Lust in Maxdorf so groß, dass man sich auch eine Runde ohne Doppel vorstellen könne. „Allerdings sind unsere Mannschaften mehrheitlich dafür, dass es eine weitere Übergangsrunde, also ohne Absteiger, wird.“ Die Personalplanung sei durch die Terminverschiebung ohnehin schwierig. „Die meisten haben sich gewohnheitsmäßig Mai und Juni für Tennis blockiert“, gibt er zu Bedenken. Eine Saison etwa in den Sommerferien hält er deshalb für schwierig. „Da haben viele Urlaub geplant“, weiß Lang. Vorausgesetzt, dass zumindest der in diesem Jahr möglich ist.

So ein Gefühl für die Stimmung im Club hat Nicole Klutinius vom TC Schifferstadt aktuell nicht. „Woher auch? Es ist ja kaum jemand vor Ort auf der Anlage“, sagt die Vorsitzende. Immerhin müsse ihr Club mit seinen über 300 Mitgliedern keine Planung mit auswärtigen Akteuren immer wieder überarbeiten. Abwarten und Tee trinken, lautet deshalb ihre Devise. „Wir bleiben letztlich von den Inzidenzahlen abhängig“, meint Klutinius. Der Mai sei als Spieltermin daher ohnehin utopisch gewesen, sagt die TSC-Vorsitzende.

Noch entspannter warten die Akteure des SC Alemannia DJK Maudach die kommende Tennis-Saison ab. „Wir spielen sowieso nur in der Vierer-Runde mit“, kommentiert Vorstandsmitglied Michael Filsinger. Der Saisonbeginn spiele daher keine große Rolle: „Wir haben jeweils große Kader und können wohl jederzeit antreten.“

Kommentar

Chaotisch

Der Sport leidet unter der Beharrlichkeit der Politik. Dabei könnte in manchen Sportarten eine Saison stattfinden.

Seit über einem Jahr hat die Pandemie Großteile der Sportwelt lahmgelegt. Seit über einem Jahr gibt es nur eine Marschroute: Lockdown. Wie es weitergehen kann – auch unter Corona, wird nicht gehört – oder will nicht gehört werden. Aber vielleicht muss sich die (Sport-)Welt damit auseinandersetzen, mit dem Virus zu leben. Jedoch ist es nicht mehr nachvollziehbar, warum in manchen Sportarten die Saison im Freien nicht starten darf. Aerosolforscher haben in ihren Studien bewiesen, dass die Infektionsgefahr im Freien äußerst gering ist. Sogar in einem Ruder-Achter-Boot ist die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, sehr klein. Da sollte die Frage schon erlaubt sein, warum im Freien beispielsweise kein Doppel im Tennis erlaubt ist? Oder aber Leichtathletik-Wettkämpfe in überschaubarem Ausmaß? Immer wieder wird gepredigt, wie wichtig Sport – seine gesundheitliche und soziale Komponente – ist. Das Zusammenspiel zwischen Geist und Körper ist elementar. Schließt man einen Punkt aus, funktioniert das eben nicht. Die Tennissaison und der Ligabetrieb in anderen Sportarten (Leichtathletik, Bogenschießen, Sportschützen, Triathlon, Radsport, einzelne Laufveranstaltungen) könnte durchaus beginnen, wenn denn die Politik die Lockdown-Fesseln für gewisse Sportarten lösen würde. Die Verbände haben Hygienekonzepte erarbeitet, die älteren Tennisspieler sind – zum Großteil – geimpft. Man sollte den Sportverbänden durchaus mehr zutrauen und auf ihre Expertise sowie den Aussagen der Aerosolforscher vertrauen. Wenn man denn will.

Die Tennisspieler in der Pfalz wollen endlich wieder Wettkämpfe.
Die Tennisspieler in der Pfalz wollen endlich wieder Wettkämpfe.
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