Ludwigshafen
Warum die Sanierung des Oppauer Bürgerhauses nicht vorankommt
„Das Loch ist noch da“, sagt Ortsvorsteher Frank Meier (SPD, 62) und zeigt auf eine der fünf großen Glasscheiben des Bürgerhauses in der Oppauer Ortsmitte. Dort klafft seit einiger Zeit ein kleines Loch in der Scheibe. „Ob das ein Schuss oder ein Stein war, keine Ahnung“, meint Roman Bertram (62), Vorsitzender des Fördervereins fürs Bürgerhaus. Das Loch ist zum Sinnbild für die anstehende Fassadensanierung geworden. Die gesamte Glasfront sowie die Glastüren am Eingang müssen ausgetauscht werden. „Das ist einfach verglast. Wir heizen den Platz mit“, verdeutlicht Bertram die Problematik.
Die beiden Männer stehen vor dem Veranstaltungshaus. Hier schlägt das kulturelle, gesellschaftliche Herz der nördlichen Stadtteile. Bis zu 60 größere Veranstaltungen finden in dem Altbau jedes Jahr statt. Von der Prunksitzung, der IHK-Facharbeiterprüfung, über ein AC/DC-Coverband-Konzert bis hin zum „Tag des Liedes“, bei dem alle Chöre auftreten. Nicht nur Vereine aus Oppau, Edigheim oder der Pfingstweide nutzen den bis zu 648 Besucher fassenden Saal mit Bühne und Kücheneinrichtung.
„Zu uns kommen auch andere Fasnachtsvereine für ihre Sitzungen, weil ihnen die Miete im Pfalzbau zu teuer geworden ist“, sagt Frank Meier, der auch stellvertretender Fördervereinsvorsitzender ist. Die Veranstaltungen seien gut besucht. Das Bürgerhaus habe jedes Jahr einige Tausend Besucher, sagt Bertram. Es ist das drittgrößte Veranstaltungshaus in der Stadt nach Pfalzbau und Eberthalle.
Über 100.000 Euro auf dem Konto
Der Förder- und der Trägerverein fürs Bürgerhaus kümmern sich um die Immobilie, die Eigentum der Stadt ist. Hans Klanig macht die Vermietung im Auftrag der Ludwigshafener Kongress- und Marketinggesellschaft (Lukom). „Der Trägerverein übernimmt die komplette Bewirtschaftung – von der Vermietung bis zur Rechnungsstellung“, erläutert Roman Bertram. Der Förderverein sammelt Spenden für anstehende Reparaturen.
Geld für eine Fassadensanierung wäre auf dem Konto. Ende 2021 hatte die BASF 100.000 Euro gespendet – anlässlich des 100. Jahrestags der Explosionskatastrophe von 1921, bei der weite Teile von Oppau zerstört worden waren. „Wir wollen mit der Spende unsere Verbundenheit mit dem Stadtteil deutlich machen“, sagte BASF-Werkleiter Uwe Liebelt damals bei der Spendenübergabe. Die BASF hatte 1968 auch den finanziellen Grundstock für den Bau des Bürgerhauses gelegt – mit einer Entschädigungszahlung an die Stadt Ludwigshafen, weil durch die Expansion des Werks in den 1950er-Jahren die Rheinsiedlung mit der verlängerten Rheinstraße, und damit der direkte Zugang zum Fluss wegfielen.
Vor vier Jahren herrschte große Freude über die gewaltige Spende, die genutzt werden sollte, um das Gebäude wieder in Schuss zu bringen. „Mit diesem Weihnachtsgeschenk haben wir nicht gerechnet. Es erlaubt uns Dinge, an die wir nicht denken konnten. Das bringt uns einen großen Schritt nach vorn“, bedankte sich Roman Bertram damals bei der BASF. Er ahnte nicht, was folgen sollte.
Immer wieder Verzögerungen
Die Spende der BASF liegt bis heute unangetastet auf einem Konto. Warum? Roman Bertram kratzt sich nachdenklich am Hinterkopf und beginnt eine lange Geschichte zu erzählen: Der Förderverein sei mit seiner alten Satzung nicht als gemeinnützig anerkannt gewesen. Deswegen musste eine neue Satzung her, die mit dem Finanzamt und dem Amtsgericht Ludwigshafen abgestimmt werden musste. „Es hat rund zwei Jahre gedauert, bis das durch war“, berichtet Bertram. Das Geld wurde so lange bei der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Ludwigshafen (WEG), einer städtischen Tochter, zwischengeparkt. Seit der Förderverein eine neue Satzung hat, kann er über die Summe verfügen.
„Aber seit einem Jahr tut sich nichts, weil die Stadt nicht ausreichend Mitarbeiter in ihrem Bereich Gebäudemanagement hat“, sagt Frank Meier. Es wurde auch ein Angebot für eine neue Fensterfront und Eingangstüren nebst Statikprüfung eingeholt. „Weil die Stadtverwaltung nicht reagiert hat, lief das Angebot aber ab“, ärgert sich Meier. Die Verzögerung könnte zu einer Kostensteigerung von 30 Prozent führen, schätzen die Oppauer. Der Förderverein trieb auch deshalb zusätzliche 35.000 Euro auf. Mit den 135.000 Euro wäre die Sanierung überwiegend finanziert gewesen. Doch passiert ist immer noch nichts.
Kritik an Stadtverwaltung
Dabei hatten Förder- und Trägerverein eigentlich damit gerechnet, dass im Sommer 2025 die Bauarbeiter anrücken können. Deswegen wurden die Sommermonate bei der Vermietung freigehalten, damit die Sanierung über die Bühne gehen konnte. „Die Stadtverwaltung hatte ein Jahr Zeit, aber das blieb alles liegen. Baudezernent Alexander Thewalt hat den Laden nicht im Griff“, ärgert sich Bertram, der früher auch für die CDU in der Kommunalpolitik mitmischte, über den parteilosen Dezernenten.
Die Stadt habe die Auftragsausschreibung für die Sanierung an ein externes Architekturbüro vergeben, erzählt Bertram. „Wenn alles klappt, dann könnte es im ersten Quartal 2026 losgehen“, sagt er. Auch sein Vorstandskollege Meier ist einigermaßen fassungslos: „Das ist doch nicht mehr vermittelbar – auch gegenüber den Spendern.“ Über den neuen Zeitplan sei er im Januar informiert worden.
Die Stadtverwaltung erklärt auf RHEINPFALZ-Nachfrage: „Als öffentlicher Auftraggeber unterliegen wir dem Vergaberecht. Daher sind Bau- und Planungsleistungen grundsätzlich auszuschreiben, um ein wirtschaftliches Angebot zu erhalten. Die Summe aus Spendengeldern wird nicht ausreichen, um die Fensterfassade komplett zu erneuern. Es müssen daher zusätzlich weitere Mittel bereitgestellt und genehmigt werden. Das bedingt jedoch eine entsprechende Voruntersuchung und die auskömmliche Planung durch einen Architekten. Alle diese Vorgänge benötigen Zeit.“ Der bei der Verwaltung zuständige Projektleiter habe den Ortsvorsteher informiert und realistische Termine genannt. Einen konkreten Termin für Fassadensanierung nennt die Stadt nicht. „Je länger das dauert, desto teurer wird es“, meint Frank Meier.
Fahrradständer soll kommen
Ähnlich zäh gestaltet sich der Wunsch der Oppauer nach einem großen, modernen Fahrradständer am Eingang des Bürgerhauses. Seit vier Jahren werde darüber gesprochen, berichtet Meier. Es gab mehrere Ortstermine. Die Verwaltung meinte, der Ständer brauche ein Fundament im Boden, da der Platz mit altem Asphalt versiegelt ist, müsse man vorher ein Bodengutachten einholen. Die Verwaltung schlug einen anderen Standort an einer dunklen Ecke vor, den Meier nicht wollte. „Nach vier Treffen steht der Fahrradständer immer noch nicht. Ob der jemals kommt, das weiß ich nicht“, wagt der Ortvorsteher keine Prognose.
Die Stadt teilt auf Nachfrage mit, dass der Fahrradständer beauftragt sei und voraussichtlich ab April am Bürgerhaus Oppau zur Verfügung stehen werde. Frank Meier würde sich freuen, wenn es tatsächlich so kommen würde. Doch er bleibt angesichts der Vorgeschichte skeptisch.
Pfingstweide: Gemeinschaftshaus verfällt
Immerhin ist dem Bürgerhaus Oppau das Schicksal des Gemeinschaftshauses in der Pfingstweide erspart geblieben. Dort stand eine Brandschutzsanierung an und auch die große Glasfront hätte aus energetischen Gründen saniert werden müssen. Die Sanierung hätte über 1,3 Millionen Euro gekostet. Das Gemeinschaftshaus wurde deshalb 2020 geschlossen.
Das Gebäude verfällt seitdem zusehends. Ein Bauzaun umgibt den einstigen Treffpunkt des Retorten-Stadtteils. Scheiben des Gebäudes sind eingeworfen und die Fassade vollgeschmiert worden. „Das ist ein Schandfleck“, sagt Ortsvorsteher Meier über die Bauruine. Die kommunale Wohnbaugesellschaft GAG prüft seit Jahren, ob sie das Areal kauft, um dort Wohnungen zu bauen. „Es gab auch hier Gutachten zur Bausubstanz und Altlasten im Boden. Ob die GAG das übernimmt, ist völlig offen“, sagt Meier.
Immer weniger Bürgerhäuser
Generell schrumpft die Anzahl der Bürgerhäuser in Ludwigshafen: Der Julius-Hetterich-Saal in Maudach wurde vor Kurzem dichtgemacht, das Volkshaus in der Gartenstadt ist schon länger zu. Immerhin: Das Gemeinschaftshaus in Ruchheim wird saniert, der Bürgersaal Nord im Hemshof und die Festhalle in Oggersheim sind weiter in Betrieb.
Die Brandschutzsanierung im Oppauer Bürgerhaus wurde vor einigen Jahren gestemmt. Über 700.000 Euro investierte die Stadt in neue Türen, eine Brandmeldeanlage und Brandschutzklappen in der Lüftung. Auch die Akustikdecke wurde saniert und die Toiletten. „Man sieht das meiste leider nicht“, sagt Roman Bertram. „Uns geht es auch bei der neuen Fassade nicht um eine Luxussanierung. Das Bürgerhaus soll bespielbar und für die Vereine als Mieter bezahlbar bleiben“, unterstreicht Meier. Klappt die Fassadensanierung, dann ist auch das Loch in einer der fünf Scheiben der Fensterfront Geschichte.